Zehntausende Streitkräfte haben die Stadt umzingelt und die Gebiete rund um Gaza eingenommen. Wegen der schweren Kampfhandlungen können palästinensische Rettungskräfte nicht mehr alle Toten bergen.
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Angesichts der schweren Kampfhandlungen im Gazastreifen können die palästinensischen Rettungskräfte nicht mehr alle Toten bergen. Mehr als 50 Menschen seien seit Beginn der israelischen Bodenoffensive getötet worden, sagte ein Sprecher der Gesundheitsbehörde am Sonntag in Gaza. "Viele Leichen können wir wegen des intensiven Beschusses überhaupt nicht mehr bergen. Wenn es einmal ruhig ist, dann werden wir viele Leichen unter Trümmerbergen finden", sagte der Sprecher. Seinen Angaben zufolge sind seit Beginn der israelischen Militäroffensive am 27. Dezember mindestens 520 Palästinenser getötet und weitere 2500 verletzt worden. Nach Angaben des Sprechers wurden am Sonntag auch vier palästinensische Sanitäter getötet, die Verletzte aus Häusern bergen wollten.
Wie die Hilfsorganisation Oxfam mitteilte, starb einer ihrer Mitarbeiter, als ein Granatsplitter in einem Krankenwagen einschlug. Ein weiterer Sanitäter habe einen Fuß verloren. Die Krankenhäuser im Gazastreifen würden mit Toten und Verletzten überflutet, heißt es in einer Oxfam-Erklärung. Zugleich gebe es einen ernsthaften Mangel an wichtigen Medikamenten und Ersatzteilen. Mitarbeiter würden zu Hause bleiben, weil sie um ihr Leben fürchteten. Eine Waffenruhe sei dringend notwendig, um humanitäre Hilfsgüter zu den Bedürftigen zu bringen.
Bodenoffensive geht weiter
Nach ihrem Einmarsch im Gazastreifen haben israelische Bodentruppen am Sonntag die Stadt Gaza umzingelt. Zehntausende Streitkräfte umstellten, unterstützt von schwerer Artillerie und Kampfflugzeugen, die Stadt und nahmen die Gebiete rund um Gaza ein.
Die Bodentruppen drangen nach ihrem Einmarsch am Samstagabend immer tiefer in das von der radikalislamischen Hamas kontrollierte Palästinensergebiet vor. Heftige Kämpfe wurden aus El Seitun im Osten Gazas gemeldet, aber auch aus den nördlichen Städten Beit Lahija, Beit Hanun und Dschabalija. Dutzende Panzer bezogen Stellung in der früheren jüdischen Siedlung Netzarim südlich von Gaza. Bewohner der umkämpften Gebiete versuchten in Kleinbussen und Autos zu fliehen.
Israel bestätigt Tod eines Soldaten
Allein am Sonntag starben mindestens 47 Palästinenser, darunter fünf Mitglieder einer Familie. Ihr Wagen wurde von einer Panzergranate getroffen. Die Gesamtzahl der getöteten Palästinenser stieg nach Angaben des Chefs des palästinensischen Rettungsdienstes, Muawija Hassanein, auf mindestens 500, unter ihnen 87 Kinder. Die israelische Armee bestätigte den Tod eines Soldaten nahe Beit Lahija. Er war der erste Soldat, der seit Beginn des Einmarschs ums Leben kam. 30 Soldaten seien verletzt worden.
Israelische Infanterie-Einheiten kontrollierten Augenzeugen zufolge die Hauptverkehrsader des Küstenstreifens, die Salaheddin Road, die von Norden nach Süden führt. Demnach gab es Feuergefechte zwischen den Soldaten und Hamas-Anhängern sowie Explosionen entlang der Straße. Auch Maschinengewehrfeuer war zu hören.
Hamas: "Krieg ist kein Picknick"
Mit der Bodenoffensive sollten Gebiete eingenommen werden, von denen aus Raketen auf Israel abgeschossen würden, erklärte das Büro von Israels Regierungschef Ehud Olmert. Verteidigungsminister Ehud Barak drohte mit einer Ausweitung und Intensivierung der Offensive "wenn nötig" und erklärte, diese werde nicht schnell zu Ende sein: "Krieg ist kein Picknick", sagte er. Die Hamas reagierte mit Drohungen auf den Einmarsch. "Mit Gottes Hilfe wird Gaza für euch zum Friedhof werden", erklärte ein Hamas-Sprecher.
Die israelischen Streitkräfte hätten nicht vor, den Gazastreifen zu besetzen, sagte ein ranghoher Armeevertreter, der ungenannt bleiben wollte. Allerdings sei es möglich, dass jene Sektoren des Gebiets, von denen aus Israel mit Raketen beschossen werde, für einige Zeit von Israel kontrolliert werden müssten.
Sarkozy tritt am Montag Nahost-Reise an
Weltweit wurden erneut Forderungen nach einem Ende der Gewalt im Gazastreifen laut - etwa von der auf Nahost-Mission befindlichen EU-Delegation unter Leitung des tschechischen Außenministers Karel Schwarzenberg und Papst Benedikt XVI. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte in einem Telefonat mit Olmert eine "möglichst baldige" Waffenruhe. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) drang in Telefonaten mit seinen Kolleginnen aus Israel und den USA, Zipi Livni und Condoleezza Rice, darauf, "mit Hochdruck" an den Voraussetzungen für eine Waffenruhe zu arbeiten. Am Montag wurde der französische Präsident Nicolas Sarkozy zu einer Vermittlungsmission in Nahost erwartet.
Weltweit protestierten am Wochenende Zehntausende Menschen gegen die israelische Offensive, unter anderem auch in Berlin, Frankfurt und Düsseldorf. In Paris gingen am Sonntag Tausende Menschen aus Solidarität mit Israel auf die Straße.