Israel hat die dauerhafte Entwaffnung der Hamas als wichtigste Bedingung für Frieden im Gazastreifen genannt. Dazu beitragen soll ein Überwachungssystem mit internationaler Unterstützung.
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Israel will eine Wiederaufrüstung der Hamas durch einen internationalen Überwachungsmechanismus verhindern. Israel verhandele seit Sonntag mit seinen Verbündeten über eine Waffenruhe im Gazastreifen, sagte Regierungssprecher Mark Regev am Montag. Für dauerhafte Ruhe und ein Ende der Raketenabschüsse aus dem Gazastreifen auf Südisrael müssten internationale Akteure eingeschaltet werden und wichtige Aufgaben übernehmen. Israel führt nach Angaben Regevs deshalb Gespräche mit den USA, der EU sowie einigen arabischen Ländern. Es gebe internationale Unterstützung für Israels Ziel, seine Bevölkerung von der tödlichen Angst vor Raketeneinschlägen zu schützen, fuhr Regev fort.
Nach Angaben eines weiteren Regierungsvertreters hat Israel drei "grundlegende Prinzipien" festgelegt, die vor einem Ende seiner Angriffe auf den Gazastreifen erfüllt sein müssen: Die Beendigung der Raketenangriffe auf den Süden Israels, die Zerstörung eines Großteils der militärischen Stärke der Hamas sowie die Installation eines Schutzmechanismus' gegen die Wiederaufrüstung der radikalislamischen Organisation. Dabei will Israel nach Angaben eines weiteren Regierungsvertreters aber keine Verhandlungen mit der Hamas führen, die das Existenzrecht Israels nicht anerkennt.
Weiter heftige Gefechte
Unbeeindruckt von den internationalen Friedensinitiativen geht der Konflikt im Gazastreifen indessen mit aller Härte weiter und fordert immer mehr zivile Opfer. Am dritten Tag des Vormarsches der israelischen Armee wurden nach palästinensischen Angaben weitere 50 Menschen getötet, darunter 12 Kinder. Insgesamt kamen während der seit zehn Tagen dauernden israelischen Militäroffensive 555 Menschen ums Leben, 2700 wurden verletzt.
Israel hat seit Beginn der Bodenoffensive nach eigenen Angaben einen toten Soldaten zu beklagen. Das israelische Militär konnte nach eigenen Angaben bisher dutzende Mitglieder der Hamas gefangennehmen. Ein Teil von ihnen sei bereits verhört und nach Israel gebracht worden, sagte ein israelischer Armeesprecher.
Häuserkampf in Gaza-Stadt
Zum ersten Mal seit Beginn der israelischen Bodenoffensive haben sich israelische Soldaten und Kämpfer der Hamas auch in Gaza-Stadt heftige Kämpfe geliefert. Schwere Explosionen und heftige Feuergefechte hätten den Stadtteil Schedschaija erschüttert, gaben palästinensische Augenzeugen und israelische Militärkreise übereinstimmend an. Am Nachthimmel über Gaza waren demnach Kampfhubschrauber zu sehen.
Bei den Bemühungen um eine Waffenruhe gab es derweil keine sichtbaren Fortschritte. Der Führer der radikal-islamischen Hamas-Organisation, Mahmud Sahar, rief seine Kämpfer in einer Videobotschaft zu weiteren Raketenangriffen auf Israel auf. Angesichts der israelischen Taten sei es legitim, auch israelische Kinder zu töten, sagte Sahar.
Islamischer Dschihad: Tausende Kämpfer bereit
Israels Außenministerin Zipi Livni sagte nach einem Treffen mit einer hochrangig besetzten Vermittlungsdelegation der Europäischen Union in Jerusalem, der Kampf gegen die Hamas werde weitergehen. Ähnlich äußerte sich der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak. Die Offensive werde fortgesetzt, weil ihre Ziele noch nicht erreicht seien. Bislang laufe alles nach Plan, sagte er einem parlamentarischen Ausschuss. Hamas habe bereits schweren Schaden erlitten.
Sahar meinte, Israel habe mit seinen Taten in Gaza "den Niedergang seines schwachen Staates in Palästina begründet". Ein Sprecher des militärischen Arms der radikalen Palästinensergruppe Islamischer Dschihad, Saraja al-Kuds, drohte am Montag: "Tausende von Kämpfern stehen auf den Straßen und in den Gassen bereit, um die feindlichen Streitkräfte anzugreifen und zu besiegen." In der ägyptischen Hauptstadt Kairo sagte dessen ungeachtet ein Hamas-Sprecher, dass eine Delegation der Organisation dort über Möglichkeiten eine Feuerpause diskutieren wolle.
EU-Troika lotet Friedenschancen aus
Die israelische Außenministerin betonte nach ihrem Gespräch mit den EU-Vertretern: "Wenn Israel angegriffen wird, wird Israel zurückschlagen." Die radikale Palästinenserorganisation habe vor der Offensive Israel mit Raketen angegriffen, wann immer sie wollte. Dies habe so nicht weitergehen können. Nach Angaben des tschechischen Außenministers Karel Schwarzenberg hat die Delegation mit der Ministerin eine "sehr offene und ehrliche Unterhaltung" geführt. Schwarzenberg war mit Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner, EU-Außenkommissarin Benita Ferrero- Waldner, EU-Chefdiplomat Javier Solana sowie dem schwedischen Außenminister Carl Bildt nach Israel gekommen.
Zuvor hatte die sogenannte EU-Troika in Ägypten Möglichkeiten für eine Friedenslösung ausgelotet. Schwarzenberg forderte eine Öffnung der Grenzen nach Gaza. "Es ist unerträglich, dass alle Grenzübergänge nach Gaza geschlossen sind", sagte er. Nach der Troika empfing der ägyptische Präsident Husni Mubarak in dem Sinai-Badeort Scharm el Scheich am Montag auch den französischen Präsidenten Nicholas Sarkozy. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach nach Angaben eines Regierungssprechers in Berlin mit Mubarak. Beide hätten am Telefon darin übereingestimmt, dass die Unterbindung des Waffenschmuggels in den Gazastreifen eine Voraussetzung für eine dauerhafte Waffenruhe sei.
Mögliche UN-Resolution am Dienstag
In New York rief UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den Sicherheitsrat zu raschem Handeln auf. Er bedauere, dass sich das höchste UN-Gremium bisher nicht auf eine Initiative einigen konnte, um die Gewalt zu stoppen, erklärte Ban. Die Regierung in Jerusalem forderte der UN-Chef erneut zu einer Öffnung der Grenzübergänge auf, damit Getreide, Kraftstoff und andere wichtige Versorgungsgüter in das Gebiet transportiert werden könnten. Am Abend wurden in New York Spitzenvertreter der Arabischen Liga zu Gesprächen erwartet. "Wir hoffen, dass der Sicherheitsrat zu einer Sitzung am Dienstag zusammenkommt und die Resolution verabschiedet", sagte der Palästinenser Riyad al-Malki.
Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) forderte Israel und die Hamas eindringlich zum Schutz der Zivilbevölkerung auf. "Wir appellieren an beide Konfliktparteien, das Internationale Humanitäre Völkerrecht zu beachten und die Zivilbevölkerung zu schonen", sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters in Berlin. Ein medizinisches Notfallteam des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz habe drei Tage an der Grenze zwischen Israel und Gaza auf die Genehmigung zur Einreise gewartet. Erst am Montag sei diese dann erteilt worden. Das Team soll nun im Shifa Hospital in Gaza-Stadt bei der Behandlung von schwer verletzten Opfern helfen.
Nach Schätzungen halten sich derzeit noch annähernd 100 Bundesbürger im Gazastreifen auf. Bei den meisten handelt es sich um Palästinenser, die auch die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Etwa zehn von ihnen sollen bislang vergeblich versucht haben, das Gebiet zu verlassen.