Der ungelöste Gasstreit zwischen der Ukraine und dem russischen Konzern Gazprom ist für Deutschland bisher folgenlos geblieben. Eine Lösung soll jetzt in Gesprächen im Ausland gefunden werden.
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In Deutschland sind auch weiterhin keine Folgen des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine zu spüren. "Wir bekommen zu 100 Prozent die Lieferungen, die wir auch bestellt haben", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin. Die großen deutschen Gasimporteure Eon Ruhrgas und Wingas bestätigten dies. Die Gasmengen aus Russland kämen weiter wie vertraglich vereinbart an, sagten Sprecher von Eon Ruhrgas und Wingas, den beiden größten Importeuren von russischem Erdgas hierzulande.
Laut dem Eon-Ruhrgas-Sprecher erhielt das Unternehmen in den vergangenen Tagen zwar teils geringfügig weniger Gas aus Russland. Dies hänge aber nicht mit dem Gasstreit zusammen. Eon Ruhrgas bezieht 26 Prozent seines Erdgases aus Russland, Wingas 60 Prozent. Wingas ist ein Joint-Venture der BASF-Tochter Winterhall und des Gazprom-Konzerns. Deutschland bezieht insgesamt etwa 37 Prozent seines Erdgases aus Russland.
EU-Energiekommissar Andris Piebalgs erklärte in Brüssel, weder die europäischen Verbraucher noch die Industrie müssten für die nächsten Wochen Versorgungsschwierigkeiten fürchten. Die Vorratslager in der EU seien nach Schätzungen zu 70 bis 90 Prozent gefüllt, sagte sein Sprecher.
"Unregelmäßigkeiten" bei Lieferung
In den vergangenen Tagen habe es "Unregelmäßigkeiten" bei den Lieferungen über die Ukraine in die EU gegeben, jedoch "keine wesentliche Unterbrechung". Er nannte Ungarn, Rumänien, Polen und die Slowakei. Auch Kroatien meldete Montag eine geringere Liefermenge. Die EU-Kommission schließe weitere Unregelmäßigkeiten nicht aus, sagte Piebalgs' Sprecher. "Die Situation ändert sich jede Minute."
Die Bundesregierung appellierte erneut an Russland und die Ukraine, ihren Streit beizulegen. Dies müsse in Gesprächen der beiden beteiligten Unternehmen Gazprom und Naftogaz geschehen, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. In dem Streit geht es um die Bezahlung bereits gelieferten Erdgases und den Preis für 2009. Russland will die bislang relativ niedrigen Preise für die Ukraine langsam auf Marktniveau anheben.
Gazprom bezichtigt Ukraine des Diebstahls
Eine Delegation der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft und der EU-Kommission reiste in die Ukraine, um Druck auf die beteiligten Parteien auszuüben, ihren Streit schnell beizulegen. Am Dienstag soll es laut Piebalgs' Sprecher "in einer europäischen Hauptstadt" Gespräche mit Vertretern von Gazprom geben.
Gazprom verschärfte seine Diebstahls-Vorwürfe gegen Naftogaz am Montag: Das Nachbarland habe allein am Sonntag rund 50 Millionen Kubikmeter Erdgas aus Leitungen und Speichern "gestohlen", sagte Unternehmens-Vizechef Alexander Medwedew in Paris. Bisher hatte Gazprom dem Nachbarland vorgeworfen, täglich zwischen 25 und 35 Millionen Kubikmeter russisches Gas zu entwenden. Naftogaz beschuldigte Gazprom im Gegenzug, Gas in Moldawien abzuzapfen, das für Rumänien, Bulgarien, die Türkei, Griechenland und Mazedonien bestimmt sei.
Medwedew für weitere Pipelines
Gazprom-Vizechef Medwedew plädierte dafür, das russische Gas auf mehr Wegen als bislang nach Europa zu transportieren. Dies sei nicht nur nötig, sondern eine Pflicht, um die Sicherheit der Lieferungen garantieren zu können. Noch strömen 80 Prozent des Gases aus Russland durch ukrainische Leitungen. Medwedew klagte, sein Unternehmen habe im Gasstreit keinen Ansprechpartner aus der Ukraine, und das seit fünf Tagen. Naftogaz hatte am Sonntag erklärt, es gebe tägliche telefonische Gespräche. Direkte Verhandlungen in Moskau seien angesichts der konfrontativen Haltung von Gazprom nicht sinnvoll.