Israelische Panzer sind in die Stadt Chan Junis eingerückt. Die Kämpfe in dem Palästinensergebiet gehen unvermindert weiter. Unter "Friendly Fire" starben dabei drei israelische Soldaten.
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Israelische Panzer sind am frühen Dienstagmorgen in die größte Stadt des südlichen Gazastreifens eingerückt. Mehrere Panzer rollten mit Unterstützung durch Kampfhubschrauber nach Chan Junis ein, wie Augenzeugen berichteten. Sie lieferten sich heftige Feuergefechte mit Kämpfern der radikalislamischen Hamas-Bewegung und anderer Gruppen.
Drei Tote durch "Friendly Fire"
Mit Einbruch der Nacht hatten die Kämpfe im Norden des Gazastreifens zugenommen, berichteten israelische Medien. Wie die Zeitung "Haaretz" berichtete, kamen drei Soldaten durch Beschuss eigener Truppen ums Leben, ein weiterer sei schwer verletzt worden. Nach Informationen der Zeitung "Jerusalem Post" rückte die Armee erstmals in dicht besiedelte Wohngebiete nördlich von Gaza vor. Dabei kam es zu schweren Kämpfen mit militanten Palästinensern. Unterdessen gingen die diplomatischen Bemühungen um ein Ende der Kämpfe und die Versorgung der notleidenden Bevölkerung des Gazastreifens weiter.
Die drei Soldaten starben, als ein israelischer Panzer ein leerstehendes Gebäude in Dschabalia, in dem die Männer Deckung gesucht hatten, unter Beschuss nahm. 24 weitere Soldaten wurden den Berichten des israelischen Onlinedienstes Y-Net zufolge durch das sogenannte "Friendly Fire" verletzt, vier von ihnen schwer. Einer befand sich den Angaben zufolge am Morgen noch in kritischem Zustand. Damit erhöhte sich die Zahl der seit Beginn der Militäroperation im Gazastreifen getöteten israelischen Soldaten auf vier.
Ringen um Erklärung im Weltsicherheitsrat
Israelische Medien berichteten unter Berufung auf Armeeangaben, dass bei den Kämpfen zwischen israelischen Soldaten und der in Gaza herrschenden radikal-islamischen Hamas allein am Montag schätzungsweise 100 Palästinenser getötet worden seien. 80 Palästinenser seien festgenommen worden. Die Armee habe Gaza praktisch eingekreist. Kämpfer der Hamas hätten die vorrückenden Truppen mit Mörser-Granaten beschossen. Auch am Montag feuerten militante Palästinenser nach israelischen Angaben wieder mehr als 40 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel ab. Seit Beginn der Militäroperation am 27. Dezember wurden vier Isarelis durch Raketen getötet. Die Gesundheitsbehörde in Gaza hatte die Zahl der am Montag getöteten Palästinenser am Abend mit mindestens 50 angegeben. Weitere 150 Bewohner des Gazastreifens seien verletzt worden. Bei den meisten Opfern handele es sich um Zivilisten, hieß es.
Die arabischen Länder versuchten unterdessen in New York, den Weltsicherheitsrat zu einer Erklärung zu bewegen, in der eine sofortige und nachhaltige Waffenruhe im Gazastreifen und deren Überwachung durch internationale Kräfte gefordert wird. In Einzelgesprächen unterbreitete die Arabische Liga UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Vertretern des höchsten UN-Gremium entsprechende Vorschläge. Am Dienstag wurden Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sowie die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens, Bernard Kouchner und David Miliband, zu weiteren Gesprächen am UN-Hauptsitz erwartet.
Israel lehnt Waffenruhe vorerst ab
Die Vorlage der Araber ruft nach Angaben des Liga-Generalsekretärs Amre Mussa auch nach dem Rückzug aller israelischen Truppen aus dem Gazastreifen, der Öffnung der Grenzübergänge, humanitärer Hilfe für die Bevölkerung und neuen Verhandlungen über einen Nahost-Frieden. Ban wollte die Vorschläge am Dienstag bei einem Mittagessen mit US- Präsident George W. Bush im Weißen Haus erörtern.
Israel lehnt eine Waffenruhe bislang ab. Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte dazu am Montag, die Offensive werde fortgesetzt. Die Ziele seien noch nicht erreicht. Hamas habe jedoch schweren Schaden erlitten. Auch Israels Außenministerin Zipi Livni sagte nach einem Treffen mit Vermittlern der Europäischen Union in Jerusalem, der Kampf gegen die Hamas werde weitergehen.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy, der sich ebenfalls zu einer Vermittlungsmission in der Region aufhält, rief erneut zu einer raschen Waffenruhe auf. "Die Gewalt muss aufhören, und die humanitäre Hilfe sollte erleichtert werden. Wir können nicht verstehen, wie eine Demokratie wie Israel erlauben kann, dass die humanitäre Situation in Gaza immer schlechter wird", sagte Sarkozy nach Gesprächen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Ramallah.