Der Ratiopharm-Günder Adolf Merckle ist tot. Der Milliardär wurde in der Nähe seines Wohnortes von einem Zug erfasst. Seine Familie teilte mit, Merckle habe "sein Leben beendet".
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Er war einer der reichsten Männer Deutschlands - bis er sich an der Börse verzockte und sein Imperium mit 100.000 Mitarbeitern an den Rand des Zusammenbruchs führte. Am Montag hat sich der Ulmer Milliardär Adolf Merckle unweit seines Wohnorts Blaubeuren südwestlich von Ulm von einem Zug überfahren lassen. Der 74-Jährige hinterließ einen Abschiedsbrief. Die Finanzkrise und die daraus folgende wirtschaftliche Notlage seiner Unternehmen hätten Adolf Merckle gebrochen, hieß es in einer kurzen Erklärung seiner Familie. "Er hat sein Leben beendet."
Medienberichten zufolge hatte sich Merckle am Montagabend vor einen Zug geworfen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Ulm gibt es "keine Hinweise auf ein Fremdverschulden". Der tödliche Bahnunfall habe sich auf der Bahnstrecke Ulm-Sigmaringen bei Blaubeuren-Weiler ereignet. Die Bahnstrecke war bis gegen 22.30 Uhr gesperrt. Bahnreisende wurden mit Bussen weiterbefördert.
Seit Montagabend vermisst
Den Angaben zufolge entdeckte am Montagabend gegen 19.30 Uhr ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn beim Blaubeurer Teilort Weiler im Gleisbereich einen männlichen Leichnam. Deshalb informierte er die Polizei und ließ die Strecke sperren. Polizeibeamte und Rettungskräfte seien zum Fundort geeilt.
Die Ermittlungen der Kriminalpolizei hätten klare Hinweise darauf ergeben, "dass es sich bei dem getöteten Fußgänger um den 74-jährigen Unternehmer handelt", betonte die Staatsanwaltschaft. Seine Angehörigen hätten ihn am Montagabend bei der Polizei als vermisst gemeldet. Er war am Montagnachmittag aus dem Haus gegangen und nicht wie gewohnt zurückgekehrt. Eine DNA-Analyse, die am Dienstagnachmittag erfolgte, solle "ergänzend Sicherheit zur Identität des Toten bringen", so die Staatsanwaltschaft. Mit dem Ergebnis sei im Verlauf der Woche zu rechnen.
"Mir ist fremd, etwas aufzugeben"
Merckle wurde 1934 in Dresden geboren. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges baute sein Vater in Blaubeuren den Arzneimittelbetrieb Merckle GmbH auf, den Adolf Merckle später übernahm und zu einem weit verzweigten Konzern ausbaute.
Merckle war ein Kämpfertyp. "Mir ist fremd, etwas aufzugeben", lautete sein Lebensmotto. Wenn die Wirtschaft um ihn herum in der Krise steckte, nutzte Merckle die Gunst der Stunde und baute sein Imperium durch günstige Zukäufe weiter aus. 30 Milliarden Euro Umsatz macht seine Gruppe, zu der unter anderem der Pharmaproduzent ratiopharm, Deutschlands größter Baustoffhersteller HeidelbergCement und der Pharmagroßhändler Phoenix gehören.
Gutes Nase für lohnende Geschäfte
In der Öffentlichkeit gab sich der verschwiegene schwäbische Clan-Chef eher bescheiden. Er machte nicht gern viel Aufhebens um seine Person - geschweige denn um sein Privatvermögen. Die Bewohner seiner Heimatgemeinde Blaubeuren sahen den Selfmade-Milliardär hin und wieder auf dem Fahrrad statt in einer Luxuslimousine durch den Ort fahren.
Doch im Hintergrund hielt Merckle alle Fäden in der Hand, setzte Vertrauensleute an entscheidende Stellen, kontrollierte alles genau - und setzte sich immer durch. Dem Juristen wurde stets ein gutes Näschen für Geschäfte nachgesagt. Laut "Forbes" war Merckle mit einem geschätzten Vermögen von 9,2 Milliarden Dollar der fünftreichste Mann Deutschlands.
Mit VW-Aktien verzockt
Doch dann verzockte sich der gewiefte Taktiker: Mit VW-Aktien verlor er bis zu einer Milliarde Euro. Fast zeitgleich vermieste die Finanz- und Börsenkrise Merckle die Geschäfte. Die Banken forderten zusätzliche Sicherheiten für hohe Kredite - und Merckle steckte plötzlich in finanziellen Schwierigkeiten. Nach früheren Informationen aus Finanzkreisen beläuft sich der Finanzierungsbedarf auf 700 Millionen bis 1 Milliarde Euro. Weitere Quellen sprechen davon, dass auf Merckles Holding VEM mindestens Schulden in Höhe von drei bis fünf Milliarden Euro lasten.
Eigentlich war Merckle jedoch nach einem monatelangen Ringen mit den Gläubigerbanken auf der Zielgerade angelangt. Alle beteiligten gut 30 Banken unterzeichneten kurz vor dem Jahreswechsel eine Kreditstundung für die nächsten Monate. Merckle sollte dadurch mehr Zeit bekommen um, um sein Imperium zu sanieren.
Banken wollten Unternehmensgruppe zerpflücken
Aber der Preis wäre hoch gewesen: Merckle sollte sich von den Filetstücken seines Imperiums trennen, so die Forderung der Banken. Seinen Ulmer Generikahersteller ratiopharm hätte Merckle auf lange Sicht verkaufen müssen. Auch sollte er seine Anteile an HeidelbergCement verlieren. Sein Lebenswerk hätte tiefe Kerben davongetragen. Der Druck der zähen Verhandlungen und die Aussicht, diesmal nicht als strahlender Sieger aus einem Streit hervorzugehen, haben ihn gebrochen, berichtete seine Familie. Adolf Merckle hatte mit seiner Frau drei Söhne und eine Tochter.