Die Kämpfe im Gazastreifen werden immer blutiger. Eine Waffenruhe, wie sie Ägypten vorschlägt, scheint so kaum möglich. Während die UN weiter um eine Lösung ringt, ruft El Kaida zur Vergeltung auf.
Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.
Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:
Die Terrororganisation El Kaida hat in einer Audiobotschaft angesichts der Zuspitzung der Lage in Gaza zur Vergeltung gegen Israel aufgerufen. "Seid stark und setzt den Dschihad weiter fort", forderte der El-Kaida-Vize Eiman al-Sawahiri nach Angaben des auf die Auswertung islamistischer Internetseiten spezialisierten US-Onlinedienst Laura Mansfield.
"Wir werden niemals aufhören, bevor nicht alle Toten und Verletzten, alle Witwen und Waisen in Palästina und in der gesamten islamischen Welt gerächt sind", verlangte Al-Sawahiri den Angaben zufolge in der verbereiteten Botschaft. Zugleich richtete er schwere Vorwürfe an den künftigen US-Präsidenten Barack Obama.
Al-Sawahiri ist nach Osama bin Laden die "Nummer Zwei" bei El Kaida. Die Tonaufnahme mit dem Titel "Das Massaker in Gaza und die Belagerung eines Verräters" ist nach Angaben des US-Onlinedienstes zehn Minuten lang.
"Amerika soll nicht in Frieden leben"
Darin heißt es, "Amerika soll nicht in Frieden leben", solange die Palästinenserfrage nicht gelöst ist. Die israelischen Angriffe seien Teil eines «Kreuzzuges gegen den Islam". Zugleich seien sie «ein Geschenk Obamas, bevor er sein Amt antritt», heißt es offenbar mit Blick auf pro-israelische Äußerungen Obamas.
Obama hatte sich bisher mehrfach klar für das Existenzrecht Israels ausgesprochen. Zugleich richtet das Video den Angaben zufolge schwere Vorwürfe an den ägyptischen Staatschef Husni Mubarak, der als Verräter bezeichnet wird.
Ägypten schlägt Waffenruhe vor
Indes hat der ägyptische Präsident Husni Mubarak einen Plan zur Beendigung der Kämpfe im Gazastreifen zwischen Israel und der Hamas vorgelegt. Der Plan sieht einen zunächst befristeten sofortigen Waffenstillstand vor, dem Gespräche über die Beilegung des eskalierenden Konflikts folgen sollen. Außerdem soll die Versorgung der Bevölkerung des abgeriegelten palästinensischen Autonomiegebiets von außen ermöglicht werden. Mubarak stellte die Initiative am späten Dienstagabend auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem französischen Kollegen Nicolas Sarkozy im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich vor. Sarkozy begrüßte die Vorschläge Mubaraks. Er sprach von einer "kleinen Hoffung" auf ein Ende der Kämpfe. Er habe bereits mit dem israelischen Regierungschef Ehud Olmert über die Vorschläge gesprochen, sagte Sarkozy, der sich zu einer Vermittlungsmission im Nahen Osten aufhält.
Mubarak habe Israel zu Gesprächen über die Sicherheit seiner Grenzen zum Gazastreifen eingeladen, sagte Sarkozy weiter. Die Frage der Grenzsicherheit ist eines der zentralen Anliegen Israels. Durch geheime Tunnel entlang der ägyptischen Grenze schmuggelt die Hamas seit ihrer Machtübernahme im Juni 2007 Waffen in den Gazastreifen, die dann gegen Israel eingesetzt werden.
Die israelische Regierung wollte sich zu der Initiative Mubaraks zunächst nicht äußern. "Wir werden zunächst einmal abwarten", sagte Regierungssprecher Mark Regev der Nachrichtenagentur AP. Allerdings hat die Regierung bereits kurz zuvor zugestimmt, einen Korridor für Hilfslieferungen in den umkämpften Gazastreifen zu öffnen.
Abbas und Rice äußern sich positiv
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas begrüßte den Vorschlag Mubaraks. Auch US-Außenministerin Condoleezza Rice reagierte positiv. Sie mahnte aber zugleich, dass jede Lösung ein Ende der Raketenangriffe der Hamas auf den Süden Israels, ein Ende des Waffenschmuggeln in den Gazastreifen und eine Öffnung aller Grenzübergänge beinhalten müsse.
Rice und Abbas nahmen an einer Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrats zum Gaza-Konflikt teil. Dabei verteidigte die israelische UN-Botschafterin Gabriela Schalev das militärische Vorgehen ihres Landes und warf der Hamas vor, nicht am Frieden interessiert zu sein.
Noch keine UN-Resolution
Sprecher arabischer Staaten kritisierten, dass es im Sicherheitsrat bislang nicht gelungen sei, eine bindende Resolution zu verabschieden, um Israel zur Einstellung der Militäroffensive zu zwingen. Die arabischen Staaten hatten zuvor einen neuen Resolutionsentwurf erarbeitet. In dem Antrag, in den die Nachrichtenagentur AP am Dienstag Einblick nehmen konnte, wird die sofortige Einstellung aller Kampfhandlungen gefordert. Ferner soll eine internationale Beobachtertruppe die Waffenruhe überwachen und die Zivilbevölkerung im Gazastreifen schützen.
Ban verurteilt israelische Angriffe
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte unterdessen die israelischen Angriffe in der Nähe von vier Einrichtungen der Vereinten Nationen im Gazastreifen als «völlig inakzeptabel». Derartige Einrichtungen seien die einzigen Zufluchtsstätten für die Palästinenser in Gaza, sagte Ban am Dienstag in New York. Solche Angriffe dürften sich nicht wiederholen. Israel hat in den vergangenen Tagen insgesamt drei UN-Schulen sowie ein Gesundheitszentrum angegriffen. Bei der jüngsten Attacke auf eine Schule wurden in Dschebalija mehr als 30 Menschen getötet. In den 23 UN-Schulen im Gazastreifen haben insgesamt rund 15.000 Palästinenser Zuflucht gesucht.