Es war der einzige und letzte Paukenschlag von Apple auf der Messe "MacWorld": Der US-Konzern bietet iTunes-Songs künftig ohne Kopierschutz an. Zudem gibt es ein neues Preismodell.
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Apple wird in seinem Online-Musikladen iTunes die meisten Stücke künftig ohne Kopierschutz anbieten. Der Konzern rückt zudem von der Praxis ab, die Songs zum Einheitspreis zu verkaufen. Das kündigte Apple-Marketingchef Phil Schiller am Dienstag (Ortszeit) zur Eröffnung der Fachmesse Macworld Expo in San Francisco an.
Das von Apple eingesetzte Kopierschutzverfahren "FairPlay" wurde 2003 mit dem Marktstart von iTunes eingeführt und sollte die unkontrollierte Verbreitung der digitalisierten Lieder unterbinden. Es verhinderte aber auch, dass Musik aus iTunes auf anderen Geräten als dem iPod und dem iPhone von Apple gehört werden konnte.
Neues iTunes-Preismodell
Von sofort an seien acht Millionen Songs ohne Beschränkungen durch Digital Rights Management (DRM) verfügbar, sagte Schiller, ab April sind dann sämtliche zehn Millionen auf dem Portal verfügbaren Songs frei vervielfältigbar. Die vier größten Plattenfirmen seien mit an Bord. Lange Zeit hatten die Musikstudios darauf beharrt, dass ihre Lieder nur mit Kopierschutz zur Verfügung stehen dürfen.
Die Neuerung gilt auch für iTunes in Deutschland. Für 30 Euro-Cent pro Song können die Nutzer des iTunes-Angebots ihre bereits früher heruntergeladenen Songs auf den neuen kopierschutzfreien Standard umwandeln lassen. Dieser neue Standard bietet laut Apple auch eine bessere Klangqualität. Zugleich verkündete Apple, von seiner seit sechs Jahren geltenden Praxis abzugehen, alle Songs für 99 Cent anzubieten. Künftig sollten die Titel 69 Cent, 99 Cent oder 1,29 Euro kosten.
Den genauen Preis für die Lieder können den Angaben zufolge künftig die Musikfirmen entscheiden. Dies gilt als Zugeständnis an die Musikproduzenten für deren Zustimmung zur Abschaffung des Kopierschutzes. Alben sollen weiter für 9,99 Euro zu haben sein.
Fans wurden enttäuscht
Besucher der Macworld Expo, die zum letzten Auftritt von Apple auf der Messe spektakuläre Produktvorstellungen erwartet hatten, wurden enttäuscht. Schiller präsentierte weder ein iPhone nano noch überarbeitete Versionen des Mac mini oder des iMacs, über die im Vorfeld der Messe spekuliert worden war. "Apple hat heute eine evolutionäre Entwicklung seiner Produkte präsentiert, keine revolutionären Änderungen", sagte Analyst Michael Gartenberg von Jupitermedia. Die Apple-Aktie gab am Dienstag um 1,7 Prozent auf 93 Dollar nach.
News vom MacBook Pro
Zu den Weiterentwicklungen gehört eine neue Variante des Profi-Notebooks MacBook Pro. Es wurde mit einer neuartigen Batterie ausgestattet, mit der das Gerät mit seinem 17-Zoll-Monitor bis zu acht Stunden lang arbeiten kann. Der Akku soll eine Lebensdauer von rund fünf Jahren haben und bis zu 1.000 Mal aufgeladen werden können.
Neuerungen wurden auch bei der Software angekündigt: Die im Multimedia-Paket iLife enthaltene Foto-Software erkennt künftig automatisch Gesichter und kann so alle Bilder von einer Person per Mausklick anzeigen. Zudem lassen sich Aufnahmen nach Orten sortieren. Über eine Landkarte wie Google Maps können Nutzer alle Fotos aus der Umgebung suchen.
Update für iLife
Außerdem kommuniziert das Programm künftig direkt mit sozialen Netzwerken wie Facebook und Flickr. Mit dem im iLife-Paket enthaltenen Programm GarageBand können die Anwender in Zukunft unter der Anleitung von prominenten Künstlern wie Sting oder Norah Jones Gitarre oder Keyboard lernen.
Auch das Büro-Paket iWork erhält ein Update - es ist ab sofort im Handel. Käufer haben Zugang zu dem neuen, internetbasierten Dienst iWork.com. Ähnlich wie bei Google Docs können sie Dokumente online speichern und gemeinsam mit anderen bearbeiten. Das Angebot startet in einer kostenlosen Beta-Version, später werden Gebühren fällig.
Wie sich der Abschied des Zugpferds Apple auf die Macworld Expo auswirken wird, ist noch unklar. Der Veranstalter, der US-Verlag IDG, will auch über die bereits geplante Veranstaltung im kommenden Jahr hinaus weitermachen. «Wir haben in anderen Ländern viele Macworld- Messen ohne Apple veranstaltet», sagte IDG-Chef Pat McGovern.