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Gasstreit

Deutsche Gasimporteure melden Totalausfall

Nachdem Gazprom seine Gaslieferungen über ukrainische Leitungen nach Westeuropa gekappt hat, melden erste deutsche Gasimporteure einen Totalausfall. Sie besorgen sich das Gas nun auf anderem Weg.

Der größte ostdeutsche Gasimporteur Verbundnetz Gas AG (VNG) bekommt kein Gas mehr aus der Pipeline durch die Ukraine. Die Lieferung des russischen Energiekonzerns Gazprom über die Südroute nach Westeuropa sei gestoppt, sagte VNG-Sprecherin Sindy Lohse.

An der deutsch-tschechischen Grenzstation im erzgebirgischen Sayda sei der Druck auf null Prozent abgefallen. VNG bezieht 48 Prozent seines Gases von Gazprom. Das Leipziger Unternehmen ist der drittgrößte deutsche Gasimporteur.

Ausfall wird ausgeglichen

Der Ausfall der Gaslieferung durch die Ukraine werde über die Pipeline durch Weißrussland und Polen nahezu ausgeglichen, sagte Lohse. Die Nordroute sei im Rahmen des Vertrages mit Gazprom stärker ausgelastet als normal. Dadurch werde der Liefervertrag aber nicht voll erfüllt.

"Wir bekommen nicht zu 100 Prozent das russische Gas." Um welche Menge die Lieferung abgefallen sei, sei noch unklar. Es handele sich aber nicht um eine erhebliche Menge.

Der Gasimporteur könne die Verträge mit seinen Hauptkunden wie Stadtwerke, Regionalversorger und Kraftwerke weiter voll erfüllen, sagte die Sprecherin. Zum einen solle von anderen Lieferanten mehr Gas bezogen werden. Zum anderen könnten die mit 2,3 Kubikmetern Gas gefüllten Speicher genutzt werden.

Jeder zweite Haushalt betroffen

Falls es zu einem Gas-Engpass kommen sollte, wäre nach Angaben des Mieterbundes fast jeder zweite Haushalt in Deutschland betroffen. "Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine um die Lieferung von Gas bedroht mehr als 20 Millionen Haushalte mit Gasheizungen sowie Teile der Stromversorgung und Fernwärmeerzeugung", sagte der Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB), Franz-Georg Rips.

Die Bundesregierung müsse alles daran setzen, die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu verringern. Das Energiesparen und der Ausbau der Öko-Energie müssten verstärkt werden.

EU verschärft den Ton

In anderen europäischen Staaten ist die Situation viel brenzliger. Aufgrund der verschärften Lage hat sich die EU in den Gasstreit eingemischt. "Falls die Lieferungen bis morgen (Donnerstag) nicht wieder aufgenommen werden, wird die EU-Ratspräsidentschaft oder die EU ernsthaft eingreifen", sagte der amtierende EU-Ratsvorsitzende, der tschechische Regierungschef Mirek Topolanek, vor Brüsseler EU-Journalisten. Details nannte er nicht.

"Wir sind in einer beispiellosen Situation", sagte der Prager Regierungschef. In dem Streit zwischen Moskau und Kiew gebe es auch eine politische Dimension. Topolanek will am Nachmittag in der tschechischen Hauptstadt mit dem EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso zu einem schon länger geplanten Treffen zusammenkommen.

(dpa, N24)

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