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Gaslieferstopp

Folgen für europäische Länder

Es fließt kein russisches Gas mehr durch ukrainische Pipelines nach Europa. Die Auswirkungen in einzelnen europäischen Staaten im Überblick:

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Die Gaslieferungen über die Ukraine sind gestoppt worden. Die Folgen für europäische Länder sind ganz unterschiedlich.

DEUTSCHLAND: Mit dem größten ostdeutschen Gasimporteur Verbundnetz Gas AG meldete am Mittwoch erstmals ein großes deutsches Unternehmen, dass kein Gas mehr aus der Ukraine in der Bundesrepublik ankommt. Der Ausfall der Gaslieferung durch die Ukraine werde aber über die Pipeline durch Weißrussland und Polen fast ausgeglichen.

Russland ist der wichtigste Gaslieferant für deutsche Haushalte und Unternehmen mit einem Anteil von 37 Prozent. Die Gasspeicher sind aber gut gefüllt und reichen für mehrere Wochen.

ÖSTERREICH: Ist vollständig von den Gaslieferungen aus Russland abgeschnitten. Es wird über eine Notverordnung nachgedacht, über die dann die Zuteilung der Gasreserven an Industrie und Privatverbraucher geregelt werde. Österreich verbraucht im Jahr rund 8 Milliarden Kubikmeter Gas, von denen rund 51 Prozent aus Russland stammen. Mit 1,7 Milliarden Kubikmeter gibt es aber Reserven für Monate.

ITALIEN: Auch Italien hat erstmals kein Gas mehr über die russischen Pipelines erhalten. Ein Notstandskomitee zur Energiekrise soll einberufen werden. Italien deckt den Großteils seines Bedarfs an Erdgas mit Lieferungen aus Algerien (33,2 Prozent) und Russland (30,9 Prozent). Weitere Bezugsländer sind unter anderem Libyen (12,5 Prozent), Niederlande (10,9 Prozent) und Norwegen (7,8 Prozent).

POLEN: Polen bekommt kein russisches Gas mehr aus der Ukraine. Bereits am Dienstag waren die Lieferungen über den Abnahmepunkt Drozdowicza an der polnisch-ukrainischen Grenze um 85 Prozent zurückgegangen. Die Regierung versicherte, dass vorerst keine Engpässe drohten. Das Land bezieht sein Gas vor allem über Weißrussland aus der Jamal-Pipeline. Zudem reichten die gespeicherten Vorräte für mehrere Wochen.

UNGARN: Hier bleiben viele Pipelines leer. Ungarn bezieht 90 Prozent seines Erdgases aus Russland. Die Reservespeicher mit 3,5 Milliarden Kubikmeter Gas reichen 70 Tage lang aus. Industriellen Verbrauchern sind Einschränkungen auferlegt worden. Am Budapester Flughafen Ferihegy wurde die Heizung und Warmwasserversorgung auf Öl umgestellt.

Trotz der Sparmaßnahmen braucht Ungarn weiter täglich 64 Millionen Kubikmeter Gas. Davon sollen 52 Millionen Kubikmeter aus dem Gasspeicher kommen, 9 Millionen Kubikmeter aus eigener Förderung und 3 Millionen Kubikmeter aus einer Pipeline im Westen.

RUMÄNIEN: Der russische Gasstrom ist versiegt. Das Land hat den Notstand ausgerufen. Rumänien hängt bis zu 40 Prozent von russischem Importgas ab. Die Reserven reichen laut Wirtschaftsminister Adriean Videanu für sechs Monate. Kraftwerke, die Fernwärme liefern, können sich kurzfristig auf Betrieb mit Öl oder Kohlen umstellen.

Probleme gibt es in Orten, die keine Fernwärme bekommen, sondern nur mit Gas heizen. Dort wird nun befürchtet, dass die Leute frieren müssen. Es wird nun gehofft, dass die Wirtschaftskrise die Auswirkungen der Gasknappheit dämpfen würde. So hat ein großer Gasverbraucher, das Chemiekombinat Doljchim, die Produktion erheblich eingeschränkt.

TSCHECHIEN: Auch Tschechien erhält kein russisches Gas mehr durch Pipelines aus der Ukraine und der Slowakei. Der Tagesverbrauch von etwa 50 Millionen Kubikmetern Gas sei aber durch Reserven und den Import norwegischen Gas für mehrere Wochen gesichert, teilte der größte tschechischen Gasversorger RWE Transgas mit. Die EU unter tschechischer Ratspräsidentschaft drängt Kiew und Moskau darauf, die Gaslieferungen an EU-Staaten wieder in vollem Umfang aufzunehmen.

SLOWAKEI: In der Slowakei ist es am Mittwoch zu ersten Produktionsausfällen als Folge der Gaskrise gekommen. Nachdem am Morgen die Gaszufuhr aus der Ukraine in die Slowakei völlig abgestellt wurde, musste die slowakische Gasgesellschaft SPP die Belieferung von Großabnehmern reduzieren. Daraufhin gab eine der größten Firmen des Landes, US Steel Kosice in der Ostslowakei, die Einstellung der Stahlproduktion bekannt. Dies gilt für vorläufig sieben Tage. Die Regierung hat den Notstand ausgerufen.

SERBIEN: Serbien, das sich über Ungarn versorgt, erhält kein Gas mehr. Zehntausende Serben wachten zum orthodoxen Weihnachtsfest wegen des Gasstopps in kalten Wohnungen auf. Viele Heizkraftwerke stellten von Gas auf Öl um. Eine solche technisch schwierige Operation "hat es noch in der Geschichte noch nie gegeben", berichten Ingenieure in Belgrad.

Viele Kraftwerke vor allem im Norden des Landes und in der drittgrößten Stadt Novi Sad können aber nicht umgestellt werden und bleiben daher kalt. Die Vorräte an Öl als Ersatz reichen nur ein paar Tage. Der Lieferstopp hat Bitterkeit ausgelöst, weil das Land die Erdölindustrie zu einem Billigpreis an Russland verkauft hatte. Im Gegenzug war eine sichere Gasversorgung verabredet worden.

KROATIEN: Hier ist die Lage nicht ganz so schlimm, weil 70 Prozent des Bedarfs aus eigenen Quellen gedeckt wird. Ähnliches gilt auch für Mazedonien, wo die veralteten Kraftwerke Öl verfeuern. In Bosnien- Herzegowina wurde der Gashahn ebenfalls gestern Nachmittag abgedreht. Hier reichen alternative Energieträger für «maximal fünf Tage».

BULGARIEN: Bulgarien ist von russischen Gaslieferungen durch die Ukraine komplett abgeschnitten - das Land hängt zu 95 Prozent von dem Gas aus Russland ab. Die Vorräte reichen für höchstens einen Monat. Für seine tägliche Versorgung mit Erdgas braucht Bulgarien 12 Millionen Kubikmeter Gas. Derzeit kommt es mit bis zu 4,5 Millionen Kubikmetern pro Tag aus - die Regierung hat drastische Sparmaßnahmen erlassen.

Viele Heizkörper bleiben kalt. Die größten Hersteller von Kunstdünger stellten ihre Produktion ein. Brotbäcker kündigten wegen der teureren Alternativenergie - zum Beispiel aus Öl - Erhöhungen bis zu fünf Prozent an. Um den Stromverbrauch zu verringern, wollte die Hauptstadt Sofia ein Drittel der Straßenbeleuchtung abschalten und auf die Außenbeleuchtung wichtiger Gebäude verzichten.

GRIECHENLAND: Auch hier sind viele Pipelines leer. Das Land verbraucht nach Angaben der Gasgesellschaft DEPA täglich 8,5 Millionen Kubikmeter Gas. 6,5 Millionen davon stammten aus Russland.

Die Versorgung sei jedoch bis mindestens Ende Januar gesichert, weil die Türkei Erdgas aus Aserbaidschan (2 Millionen Kubikmeter pro Tag) liefert und es Reserven gebe. Wenn die Krise weiter andauern werde, müssten aber größere Industriebetriebe auf eine Versorgung mit Diesel umschalten.

(dpa, N24)

07.01.2009 13:14 Uhr

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