Keine Schwarzmalerei

DIW erwartet bis 2010 Konjunkturerholung

Das DIW schließt sich nicht dem Pessimismus anderer Voraussagen an. Die Wirtschaftsforscher erwarten schon ab 2010 eine deutliche Konjunkturerholung und bis dahin nur moderate Jobverluste.

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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet zwar ab 2010 mit einer Erholung der deutschen Wirtschaft, im laufenden Jahr droht aber ein Rückgang von mehr als drei Prozent - so die jüngste Prognose.
Ende des Wirtschaftswunders: In den 50er Jahren wuchs die deutsche Wirtschaft stark, im Rekordjahr 1955 beispielsweise um 12,1 Prozent.
Mitte der 60er Jahre schwächte sich der Boom ab und 1967 rutschte die heimische Wirtschaft in ihre erste Rezession.
Die Arbeitslosenzahl stieg deutlich. Die Wirtschaftskrise führte mit zur Bildung der ersten großen Koalition, der die Lösung der Probleme am ehesten zugetraut wurde.
1967 schrumpfte die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent.
Erste Ölkrise: Aus Protest gegen die Haltung westlicher Nationen im Nahost-Konflikt verhängten die arabischen Staaten 1973 einen Öllieferboykott.
Der Ölpreis vervierfachte sich in der Folge. Das traf die deutsche Wirtschaft hart
Auch die Verbraucher sparten wegen der hohen Benzinpreise.
Von Herbst 1974 an schrumpfte die deutsche Wirtschaft in vier Quartalen nacheinander. Im Jahr 1975 gab es ein Minus des Bruttoinlandsprodukts von 0,9 Prozent.
Zweite Ölkrise: Nach der Islamischen Revolution 1979 und dem Angriff des Iraks auf den Iran stieg der Ölpreis erneut stark.
Die Revolution wirkte sich mit leichter Verzögerung auch auf die deutsche Wirtschaft aus.
Sie schrumpfte Mitte 1982 in zwei Quartalen in Folge. Für das Gesamtjahr betrug das Minus 0,4 Prozent.
Ende des Booms der Wiedervereinigung: Die Wirtschaften der USA und anderer Länder rutschten schon 1990 in eine lang anhaltende Rezession - die Gründe dafür sind bis heute unter Ökonomen umstritten.
Der mit der Wiedervereinigung einsetzende Bauboom hielt die deutsche Wirtschaft dagegen zunächst weiter im Plus.
Als der Boom abebbte, holte die Rezession auch die heimische Wirtschaft ein. Von Frühjahr 1992 schrumpfte oder stagnierte die deutsche Wirtschaft über vier Quartale hinweg. 1993 sank das Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent.
Platzen de Internetblase: Zahlreiche Firmen setzten Anfang des Jahrtausends auf vermeintliche neue Chancen des Internets und anderer neuer Technologien.
Die Chancen aber wurden überschätzt.
Als klar wurde, dass die erhofften Gewinne nicht zu erzielen waren, rutschten viele Industrieländer in eine Rezession.
Von Ende 2002 bis Mitte 2003 schrumpfte die deutsche Wirtschaft in drei Quartalen in Folge.
Für das Jahr 2002 stand ein Minus von 0,2 Prozent unter dem Strich.
Die deutsche Konjunktur sprang erst im Jahr 2005 wieder richtig an.
"Was auch immer geschieht, die Party ...
... ist vorbei." Der Chef des Münchener Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, ...
... Hans-Werner Sinn, sagte das in einem Bericht zur Wirtschaftslage am 18. März 2008.
"Wir müssen damit rechnen, dass das kommende Jahr, zumindest in den ersten Monaten, ein Jahr schlechter Nachrichten wird." (Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Interview der "Welt am Sonntag" vom 23. November.)
"Wir nähern uns einem Abgrund, von dem wir nicht wissen, wie tief er ist." (Bahn-Chef Hartmut Mehdorn am 26. November über die wirtschaftliche Entwicklung.)
"Entweder wir schwimmen gemeinsam oder wir gehen gemeinsam unter." (EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso über die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns gegen die Finanzkrise am 29. Oktober.)
"Wenn Sie alle Risiken vermeiden wollen, haben Sie bald keine Risiken mehr zu vermeiden, weil Sie nicht mehr im Geschäft sind." (Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann)
"Ich glaube, keine andere Phase der Weltwirtschaft war ähnlich gefährlich wie das, was wir hier erleben." (ifo-Präsident Hans-Werner Sinn über die internationale Finanzkrise am 9. September.) (Archivbild aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929)
"Die Welt wird nicht mehr so sein wie vor der Krise." (Finanzminister Peer Steinbrück am 25. September.)
"Jetzt muss jedem verantwortlich Denkenden in der Branche selbst klar geworden sein, dass sich die internationalen Finanzmärkte zu einem Monster entwickelt haben, das in die Schranken gewiesen werden muss." (Bundespräsident Horst Köhler am 14. Mai)
"An der Börse sind zwei mal zwei nicht vier, sondern fünf minus eins - und man muss die Nerven haben, dieses minus eins auszuhalten." (Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am 28. Januar zu den Turbulenzen an den Aktienmärkten.)
"Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind." (Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 5. Oktober.)
"Ja, die Bundesrepublik Deutschland ist in einer Rezession." (Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Bundestag am 25. November.)
"Einen deutschen Fall Lehman darf und wird es nicht geben." (Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, am 17. November.)
"Wenn einer am Ertrinken ist, können Sie auch nicht lange diskutieren, ob sie ihn mit dem Schlauch- oder dem Motorboot retten." (Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm im Rundfunksender hr- iNFO über staatliche Hilfe für den Autobauer Opel am 17.
"Der Kurs ist klar, Daimler gibt Gas." (Daimler-Chef Dieter Zetsche am 14. Februar zur Entwicklung des Autobauers.) ...
... "Es fällt derzeit schwer, Prognosen für den Rest der Woche, des Monats oder des Jahres abzugeben. Unsere Branche steht am Scheideweg." (Daimler-Chef Dieter Zetsche am 20. November zur Entwicklung des Autobauers.)
"Wir fahren klar auf Sicht." (Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf dem Autosalon in Paris am 2. Oktober.)
"In meinen 27 Jahren im Geschäft habe ich so etwas noch nie erlebt. Es war, als hätte jemand das Licht ausgeknipst." (Der US-Vertriebschef von General Motors, Mark LaNeve, zum Autoabsatz in Amerika im Oktober am 3. November.)
"Bereinigt um den Anstieg der Einwohnerzahl war es der schlimmste Monat seit dem Zweiten Weltkrieg." (Der Absatz-Analyst von General Motors, Michael DiGiovanni, zur Entwicklung des US-Automarktes im Oktober am 3. November.)
"Ich bin hier vom Saulus zum Paulus geworden", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Mitte November angesichte der Übertreibungen an den Börsen über das Eingreifen von Aufsichtsbehörden in die Märkte.
"Schwarze Montage waren einmal ein Jahrzehnt-Ereignis - jetzt kommen sie regelmäßiger als die Busse in London." (Ein Londoner Börsenhändler zum Kurseinbruch am Aktienmarkt am 6. Oktober, einem Montag.)
"Aber bis heute von einer Kreditklemme in Deutschland zu sprechen, ist absolut falsch und führt auch zu einer ganz gefährlichen Diskussion." (Josef Ackermann, Deutsche-Bank-Chef, im Dezember)
Die Wirtschafts- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young hat ein Ranking der größten Konzerne der Welt erstellt. Ausschlaggebend war die Marktkapitalisierung der börsennotierten Unternehmen (Börsenwert) zum 31.12.2008. Und es gab Überraschungen ...
Platz 10: Johnson & Johnson (USA, Konsumgüter und Kosmetik) mit 166 Milliarden Dollar
Platz 9: AT&T (USA, Telekommunikation) mit 168 Milliarden Dollar
Platz 8: General Electric (USA, Technologiekonzern) mit 170 Milliarden Dollar
Rang 7: Microsoft (USA, Software) mit 172,9 Milliarden Dollar
Rang 6: ICBC (China, Bank) mit 173,9 Milliarden Dollar
Rang 5: Procter & Gamble (USA, Konsumgüter und Kosmetik) mit 184,6 Milliarden Dollar
Platz 4: China Mobile (Hongkong, Telekommunikation) mit 201,3 Milliarden Dollar
Platz 3: Wal-Mart Stores (USA, Einzelhandel) mit 219,9 Milliarden Dollar
Platz 2: Petrochina (China, Öl) mit 259,8 Milliarden Dollar
Platz 1: Exxon Mobil (USA) mit 406,1 Milliarden Dollar
Auch deutsche Unternehmen schafften es in die insgesamt 100 Konzerne umfassende Rangliste. Platz 99: SAP (Software) mit 43,7 Milliarden Dollar.
Rang 95: Bayer mit 44,8 Milliarden Dollar
Platz 86: Allianz mit 48,0 Milliarden Dollar
Rang 80: RWE mit 50,0 Milliarden Dollar
Platz 64: Deutsche Telekom mit 66,2 Milliarden Dollar
Platz 63: Siemens mit 68,0 Milliarden Dollar
Rang 53: E.ON mit 80,3 Milliarden Dollar
Das wertvollste deutsche Unternehmen, der deutsche Konzern mit der höchsten Marktkapitalisierung laut Ernst & Young: Volkswagen mit 109,7 Milliarden Dollar auf Rang 26.

Die deutsche Wirtschaft dürfte nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nach dem Sturz in die Rezession bald wieder Tritt fassen. Ende dieses Jahres könnte es konjunkturell bereits wieder leicht bergauf gehen, teilten die Berliner Forscher mit. Insgesamt rechnet das Institut für 2009 mit einem Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts um 1,1 Prozent. Damit wurde die eigene Herbstprognose korrigiert, die 1,2 Prozent Wachstum angesetzt hatte.

Anders als in früheren Abschwungphasen sei am Arbeitsmarkt eine vergleichsweise stabile Entwicklung zu erwarten, der private Konsum werde positive Anstöße geben. Für 2010 sei dann mit einem Wachstum von 1,1 Prozent zu rechnen.

Warnung vor Konjunktur-Aktionismus

Zum geplanten zweiten Konjunkturpaket der Bundesregierung äußerte sich DIW-Präsident Klaus Zimmermann skeptisch: "Mit kurzatmigem Aktionismus laufen wir Gefahr, Milliarden zu verbrennen, die uns für dauerhafte Investitionen in Bildung, Forschung und ökologische Infrastruktur fehlen."

Im Falle höherer öffentlicher Investitionen gebe es Schwierigkeiten bei der Umsetzung. So lägen nur wenige Projekte baureif in den Schubladen, angesichts gut ausgelasteter Kapazitäten am Bau drohten höhere Preise. Investitionsprogramme sollten daher länger als nur auf zwei Jahre angelegt werden. Wer Steuern dauerhaft senken wolle, müsse zudem sagen, wie dies dauerhaft finanziert werde.

Nur moderater Anstieg bei Arbeitslosigkeit

Das DIW schlug zur Beschäftigungssicherung vor, dass der Bund auf ein Jahr befristet die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber zum Kurzarbeitergeld übernehmen sollte. DIW-Konjunkturchef Christian Dreger sagte, angesichts der Erwartung einer "temporären Krise" dürften viele Firmen versuchen, mindestens ihre Kernbelegschaften zu halten. Denn erst beim jüngsten Aufschwung habe sich gezeigt, dass Fachkräfte rar seien.

Insgesamt rechnen die Forscher für 2009 und 2010 jeweils mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl um etwa 200.000, was vergleichsweise moderat sei. Stellenabbau konzentriere sich dabei auf die Industrie, während Dienstleistungen profitieren könnten.

Kritik an US-Wirtschaftspolitik

Entscheidende Ursache der "importierten Rezession" in Deutschland als stark exportabhängigem Land sei ein Einbruch der weltweiten Nachfrage, erläuterten die Experten. Stützend für den Konsum werde ein nachhaltiger Rückgang der Inflation wirken, die von 2,6 Prozent 2008 spürbar auf 1,1 Prozent im laufenden Jahr zurückgehen dürfte.

Mit Blick auf die Geldpolitik warnte das DIW vor erheblichem Gefahrenpotenzial des Vorgehens in den USA. Eine politisch forcierte lockere Kreditvergabe drohe einen Keim für die nächste Krise zu legen.

Das DIW hob hervor, dass sich derzeit alle Voraussagen auf einem extrem unsicheren Fundament bewegten. Die eigenen Prognosen sollten daher als "Szenarien" möglicher Entwicklungen verstanden werden. In den vergangenen Monaten hatten vor dem DIW bereits andere große Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen deutlich korrigiert.

(dpa, N24)

07.01.2009 15:16 Uhr

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