Die Staatsbeteiligung an der Commerzbank ist ein Novum - und hat Auswirkungen. Der Aktienkurs des Finanzinstituts brach ein. Gleichzeitig soll der Einstieg aber auch der Wirtschaft helfen.
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Trotz der Teilverstaatlichung der Commerzbank hat sich ihr dramatischer Wertverlust fortgesetzt. Die Aktie büßte bis zum Nachmittag weitere 9,5 Prozent ein, nachdem sie zunächst sogar 13 Prozent im Minus gelegen hatte. Die zweitgrößte deutsche Privatbank gehört künftig zu 25 Prozent dem Staat. Der Bund hilft der Bank mit einer weiteren Eigenkapitalspritze in Höhe von 10 Milliarden Euro.
Die direkte Beteiligung dient nach Ansicht von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) der besseren Versorgung der Wirtschaft mit Krediten. "Mit dem zusätzlichen Kapital kann die Commerzbank ihre Aufgabe besser erfüllen, die Wirtschaft mit Kapital zu versorgen", sagte Glos dem "Handelsblatt".
Der Minister sieht aber keine Notwendigkeit, den Bankenrettungsschirm finanziell aufzustocken. "Es gibt keinen Anlass für eine Aufstockung des Rettungsschirms." Glos betonte, dass der Einstieg des Bundes kein Verlustgeschäft sein müsse. "Der Bund kann seine Beteiligung wieder verkaufen und damit Gewinn machen", sagte Glos.
Bund will zwei Vertreter in Commerzbank-Aufsichtsrat
Gleichzeitig will der Bund laut einem Pressebericht baldmöglichst zwei Staatssekretäre in den Aufsichtsrat der Commerzbank entsenden. Dem Bund stünden bei der Commerzbank zwei Aufsichtsratsmandate zu, die er aus gesellschaftsrechtlichen Gründen nicht sofort besetzen könne, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Regierungskreise. Sobald dies möglich werde, werde die Bundesregierung wahrscheinlich zwei Staatssekretäre in das Kontrollgremium entsenden und direkt die Geschäftspolitik der Commerzbank überwachen, hieß es weiter.
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, hat die Beteiligung des Bundes mit 25 Prozent plus einer Aktie an seinem Kreditinstitut begrüßt. Dies sei ein "klarer Ausdruck, dass sich die Politik zur Kreditwirtschaft bekennt" und dafür Sorge trage, dass die Commerzbank eine Kapitalquote hat, die internationalen Standards entspreche, sagte Müller, der auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken ist, am Donnerstag im bayerischen Wildbad Kreuth.
"Kapitalquote von leicht über zehn Prozent"
Die neue Commerzbank werde voraussichtlich mit einer "Kapitalquote von leicht über zehn Prozent" ausgestattet sein. Die Beteiligung solle auch dem Umstand Rechnung tragen, dass die "Bank nicht zum Gegenstand von Übernahmen oder möglichen Zerlegungsaktivitäten werden kann". Die Commerzbank werde nun als "wichtiger Kreditversorger für den deutschen Mittelstand gut gerüstet sein", auch gegen Widrigkeiten in der Zukunft.
Müller wandte sich gegen die Interpretation der Bundesbeteiligung als Verstaatlichung der Commerzbank. Dies sei bei einer 25-prozentigen Beteiligung "nicht ganz schlüssig". Von einem staatlichen Mehrheitsbesitz sei man "weit entfernt".
Dresdner-Übernahme gesichert
Finanzexperten haben den Kauf von Commerzbank-Anteilen durch den Bund begrüßt: "Er ist überraschend, doch es ist der Befreiungsschlag, den die Commerzbank jetzt benötigt", sagte der Frankfurter Professor für Bankbetriebslehre, Martin Faust, der "Berliner Zeitung". Mit dem Kauf der Dresdner Bank stehe die Commerzbank vor einer gewaltigen Aufgabe. "Ohne den Einstieg des Bundes hätte die Übernahme der Dresdner wohl abgeblasen werden müssen", sagte Faust. Die Tatsache, dass der Staat jetzt Aktionär bei der Commerzbank sei, sei auch eine Chance: "Jetzt kann der Staat auch an den künftigen Gewinnen der Bank partizipieren und davon profitieren, wenn der Aktienkurs der Bank wieder steigt."