Die SPD geht im Streit über Steuersenkungen in die Offensive: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat überraschend vorgeschlagen, den Eingangssteuersatz zu senken.
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Im Kampf gegen die Rezession will Bundesfinanzminister Steinbrück den Eingangssteuersatz von derzeit 15 auf zwölf Prozent zu senken. Zudem will er den Grundfreibetrag von derzeit 7.664 auf 8.000 Euro anheben. Das sagte er wenige Tage vor dem entscheidenden Konjunkturgipfel der Koalition.
Mit diesen Maßnahmen würden vor allem Geringverdiener entlastet. Die Kosten für den Staat würden sich schätzungsweise auf rund 4,7 Milliarden Euro pro Jahr belaufen.
Vorschlag birgt Streitpotenzial
Steinbrück trug seinen Vorschlag am Freitag der zuständigen Koalitionsarbeitsgruppe vor. Einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung" bestätigte ein Sprecher des Finanzministeriums. Der Vorstoß dürfte den Spitzen der Koalition am Montag beim abschließenden Treffen zum Konjunkturpaket schwierige Beratungen bescheren.
Die Anhebung des Grundfreibetrags wird zwar auch von der Union in der selben Größenordnung angestrebt. Statt einer Senkung des Eingangssteuersatzes wollen CDU und CSU aber den gesamten Steuertarif verschieben. Dies könnte Schätzungen zufolge zusammen 7,5 Milliarden Euro kosten. Die SPD hatte diese Strategie abgelehnt, weil damit ein zu großer Teil der Entlastungen Besserverdienenden zu Gute käme.
CDU lässt Rüttgers abblitzen
Vom Tisch ist inzwischen ein Vorstoß des stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Jürgen Rüttgers, auch krisengeschüttelte Industrienehmen notfalls nach dem Vorbild der Commerzbank teilweise zu verstaatlichen. Es sei lediglich geplant, Betrieben mit staatlichen Garantien oder Bürgschaften zu helfen, stellte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg klar. "Beteiligungen an Wirtschaftsunternehmen sind nicht vorgesehen."
Auch die eigene Partei ließ Rüttgers abblitzen. Im Entwurf für die "Erfurter Erklärung", die der CDU-Vorstand am Samstag bei seiner Klausurtagung in der thüringischen Hauptstadt beschließen will, ist eine Beteiligung an Unternehmen nicht vorgesehen. Ein "Deutschlandfonds" solle die Finanzierung von Investitionen, Projekten oder Exporten sichern, heißt es in dem zehnseitigen Papier, das der AP vorliegt.
"Wir werden dabei beachten, dass es nicht Aufgabe des Staates ist, Marktbereinigungen und Kapazitätsanpassungen durch Ausscheiden von nicht zukunftsfähigen Unternehmen zu verhindern."
Rüttgers beharrte allerdings auf seinem Vorschlag. "Vielen Unternehmen wird man mit Bürgschaften helfen können, aber es kann auch sinnvoll sein, andere Möglichkeiten zu nutzen", sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident der "Financial Times Deutschland". "Es geht nicht darum, dass der Staat Unternehmensentscheidungen beeinflusst, sondern es geht darum, den Betrieben in ihrer Handlungsfreiheit zu helfen", sagte Rüttgers.
Wie groß der Bürgschaftsrahmen sein wird, blieb weiter offen. Auch das CDU-Papier gab auf diese Frage keine Antwort. Unionspolitiker haben einen Umfang von 100 Milliarden Euro ins Gespräch gebracht.
Merkel: Regierungshilfen nutzen
Bundeskanzlerin Angela Merkel traf sich am Freitag in Vorbereitung auf den Koalitionsgipfel mit Mittelstandsfunktionären. Sie forderte die Unternehmen auf, Regierungshilfen zur Krisenbewältigung zu nutzen und keine Fachkräfte zu entlassen. Nach der Krise würden Facharbeiter gebraucht, sagte Merkel. "Deshalb: Qualifikationsangebote nutzen, Kurzarbeit nutzen, Kreditsicherheiten in Anspruch nehmen."
Vertreter der 30 DAX-Unternehmen sprachen mit Arbeitsminister Olaf Scholz. Dabei forderten sie die Bundesregierung auf, weitere Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft zu beschließen. "Wenn dies so geschieht, dann wollen wir aber auch alle Instrumente dafür einsetzen, dass wir nach Möglichkeit ohne Entlassungen auskommen", sagte Daimler-Vorstandsmitglied Günther Fleig nach dem Gespräch.