Alles ist offen: Da liegen 50 Milliarden Euro für das zweite Konjunkturprogramm des Bundes bereit, aber über deren Verwendung konnten sich Union und SPD bis zuletzt nicht einigen.
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Union und SPD ringen bis zuletzt um das 50-Milliarden-Programm gegen die Wirtschaftskrise: Unmittelbar vor dem entscheidenden Koalitionsgipfel blieben das Konzept für die Steuersenkungen und der Rettungsschirm für angeschlagene Firmen am Wochenende strittig. Die Union will krisengeschüttelte Industrieunternehmen im äußersten Notfall auch über eine Teilverstaatlichung vor der Pleite retten. Die SPD besteht dagegen darauf, die Hilfe auf Kreditbürgschaften zu beschränken. Im Steuerstreit brachte das Wochenende keinerlei Annäherung.
Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich trotzdem zuversichtlich, dass sich die Koalitionsspitzen am (morgigen) Montagabend verständigen werden. "Ich sehe gute Möglichkeiten einer Einigung", sagte sie bei der Klausurtagung des CDU-Vorstands in Erfurt. Bei dem Treffen sorgte vor allem ein Vorstoß für Teilverstaatlichungen von Industrieunternehmen als Option für den äußersten Notfall für Aufsehen. Merkel machte zwar deutlich, dass sie in der jetzigen Situation auf Bürgschaften und Garantien setzt. Für die Zukunft schloss die CDU-Vorsitzende eine staatliche Beteiligung aber nicht aus: "Es ist uns zum heutigen Zeitpunkt völlig unmöglich, alle denkbaren Konstellationen schon umfassend beschreiben zu können", sagte sie. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will das Rettungsinstrument einer Firmenbeteiligung anders als Merkel sogar schon im zweiten Konjunkturpaket verankern. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat Teilverstaatlichungen von Industrieunternehmen aber klar abgelehnt.
Steinmeier will weiter Steuererhöhung für Spitzenverdiener
Die schwierigsten Verhandlungen stehen der Koalition am Montag allerdings in Sachen Steuersenkungen bevor. Zwar ist eine Anhebung des Grundfreibetrags von 7.664 auf 8.004 Euro inzwischen Konsens. Während die Union aber die Steuersätze insgesamt verschieben will, plant die SPD eine Senkung des Eingangssteuersatzes von 15 auf 12 Prozent. Unionsfraktionschef Volker Kauder lehnte das Konzept von SPD-Finanzminister Peer Steinbrück klar ab. "Der Vorschlag von Herrn Steinbrück (hat) nach meiner Einschätzung bei der Union keine Chance", sagte gegenüber Medien.
Union will Spitzensteuersatz nicht erhöhen
Zudem stemmt sich die Union gegen das Vorhaben der SPD, den Spitzensteuersatz vorübergehend zu erhöhen. "Das wäre die falsche Botschaft", sagte Merkel der "Bild am Sonntag". "Steuererhöhungen sind jetzt wirklich nicht das Gebot der Stunde." SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier bestand allerdings weiter auf einer Belastung hoher Einkommen. Er halte es "nur für gerecht, wenn die stärksten Schultern in unserem Land auch etwas mehr tragen", sagte der Vizekanzler der "Passauer Neuen Presse".
Merkel will Stabilitätspakt einhalten
Trotz abstürzender Konjunkturprognosen ist die Bundesregierung fest entschlossen, den EU-Stabilitätspakt auch mit Hilfe des Konjunkturpakets in diesem Jahr einzuhalten. Merkel sagte am Samstag, das 50-Milliarden-Programm solle verhindern, «dass wir in ein beliebig hohes Minus beim Wirtschaftswachstum hineinkommen». Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" rechnet die Bundesregierung inzwischen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um drei Prozent in 2009.
Die Große Koalition hoffe, den Einbruch mit Hilfe ihrer beiden Konjunkturprogramme auf etwa zwei Prozent begrenzen zu können. Nach Berechnungen einiger Haushälter der Unionsfraktion droht damit eine Überschreitung der gesamtstaatlichen Defizitquote auf 3,5 Prozent schon in diesem Jahr. Der Stabilitätspakt erlaubt nur 3,0 Prozent. Die Bundesregierung will am 21. Januar zunächst ihren Jahreswirtschaftsbericht mit der neuen Konjunkturprognose für 2009 veröffentlichen. Anschließend wird Steinbrück den Nachtragshaushalt präsentieren, der laut "Spiegel" 20 Milliarden Euro umfassen wird.