Der israelische Verteidigungsminister Barak hat nach dem Beschuss des UN-Hauptquartiers in Gaza-Stadt "schwere Fehler" eingeräumt. Dennoch setzten israelische Truppen ihre Angriffe unvermindert fort.
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Ungeachtet intensiver Bemühungen um eine Feuerpause hat Israel am Donnerstag die Angriffe in der Stadt Gaza dramatisch verschärft. Während UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sich in Tel Aviv um Vermittlung bemühten, beschoss die israelische Armee in Gaza das UN- Hauptquartier, ein Krankenhaus sowie ein Haus mit internationalen Medienbüros.
Bodentruppen rückten am 20. Tag der Offensive massiv in Richtung Stadtzentrum vor. Etwa 40.000 Einwohner waren nach UN-Angaben auf der Flucht und versuchten, etwa in UN-Schulen und Gebäuden von Hilfsorganisationen Schutz zu finden. Ban zeigte sich bei einer Pressekonferenz in Tel Aviv empört über den Beschuss des UN-Hauptquartiers. Er habe das der israelischen Führung deutlich gemacht. Der Sprecher des UN-Hilfswerks UNRWA, Adnan Abu Hasna, stellte im israelischen Radio nachdrücklich fest, dass zum Zeitpunkt des Beschusses im Umfeld des UN-Hauptquartiers keine militanten Aktivitäten zu beobachten gewesen seien.
Barak: Beschuss war "schwerer Fehler"
Ban sagte Verteidigungsminister Ehud Barak habe ihm gegenüber unterstrichen, der Beschuss sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Der UN-Generalsekretär erklärte gleichzeitig, alle Bestandteile für eine Waffenruhe im Gazastreifen seien vorhanden und diese werde "in absehbarer Zeit" erwartet. Steinmeier, der auf seiner zweiten Vermittlungsmission in kürzester Zeit Gespräche in Israel führte, verwies auf die Bedeutung einer sofortigen Feuerpause. "Ich habe den Eindruck, dass man auch in Israel weiß, dass wir zu einem Ende der Kampfhandlungen kommen müssen." Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in Berlin, wegen der humanitären Lage müsse Druck gemacht werden.
Phosphorbomben schlugen ein
In dem UN-Gebäude in Gaza, das auch ein riesiges Treibstofflager für die UN-Fahrzeuge beherbergt, waren nach Angaben von UN-Mitarbeitern drei Phosphorbomben eingeschlagen. Etwa 700 Menschen mussten evakuiert werden. Die UN-Hilfsorganisationen stellten alle Tätigkeiten in Gaza ein. Im Al-Kuds-Krankenhaus in Gaza, das ebenfalls beschossen wurde, brach ein Brand aus. Nach Angaben der israelischen Ärzte für Menschenrechte saßen am Nachmittag etwa 40 Ärzte, Sanitäter und viele Patienten in dem Gebäude fest.
1063 Tote und 5000 Verletzte seit Kriegsbeginn
Die Zahl der seit Beginn der israelischen Offensive vor fast drei Wochen getöteten Menschen beträgt nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza 1063. Mehr als 5000 seien bei den Angriffen verletzt worden. Am Donnerstag schlug eine israelische Granate auch in einem Hochhaus ein, in dem mehrere Medienunternehmen, darunter die Nachrichtenagentur Reuters sowie der Fernsehsender Al-Arabija, ihre Büros haben. Dabei sollen zwei Mitarbeiter des emiratischen Fernsehsenders Abu Dhabi TV verletzt worden sein. Die Auslandspressevereinigung (FPA) in Israel protestierte gegen den Beschuss des Gebäudes. Zugleich rief sie die Weltmedien dazu auf, kein vom israelischen Militär zur Verfügung gestelltes Bild- und Video-Material zu verwenden, bis dieses sich für den Angriff auf das Mediengebäude entschuldigt.
Panik in der Bevölkerung
Das israelische Vorrücken löste in der Bevölkerung Panik aus. Panzer standen nach Augenzeugenberichten nur noch eineinhalb Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Im ganzen südlichen Stadtgebiet brannten demnach zahllose Wohnungen und Autos. Die Bevölkerung in den Hochhäusern im Stadtteil Tell al-Hawa zeigte sich voller Angst und Verzweiflung. Menschen riefen von Balkonen um internationale Hilfe. Ambulanzen und Sanitäter konnten das Gebiet wegen der schweren Kämpfe nicht mehr erreichen. Militante Palästinenser und Soldaten lieferten sich schwere Gefechte.
Mehr als 20 Raketen auf Israel
Während die Panzer weiter vorrückten, feuerten militante Palästinenser mehr als 20 Raketen auf Israel ab. Der israelische Unterhändler Amos Gilad sprach in Kairo mit ägyptischen Regierungsvertretern über die Bedingungen für eine Waffenruhe. Dabei gaben die Ägypter dem Vernehmen nach die Bedingungen der Hamas für eine Waffenruhe weiter. Dabei soll die Hamas eine Feuerpause von sechs bis zwölf Monaten angeboten haben.
Hamas will nicht auf unbegrenzte Waffenruhe eingehen
Das Hamas-Politbüromitglied im Exil, Mohammed Nassal, sagte dem Aender Al-Arabija, seine Organisation werde keinesfalls auf die israelische Forderung nach einer unbegrenzten Waffenruhe eingehen. Das israelische Militär rief unterdessen ein Spezialteam für den Wiederaufbau im Gazastreifen nach einer eventuellen Waffenruhe ins Leben. Der Kommandeur der Süd-Streitkräfte, General Joav Galant, habe einen entsprechenden Befehl erteilt, teilte das Militär am Donnerstag mit. Die Gruppe werde "humanitäre und Infrastruktur-Bemühungen unterstützen, die der palästinensischen Zivilbevölkerung im Gazastreifen dabei helfen, ihre Infrastruktur wieder aufzubauen, um ein normales Leben führen zu können", hieß es in der Mitteilung.