Nachdem Hamas und Islamischer Dschihad sich der von Israel ausgerufenen Waffenruhe angeschlossen haben, rückt die israelische Armee aus Schlüsselpositionen im Gazastreifen ab.
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Die israelische Armee hat nach Angaben eines Militärsprechers mit dem schrittweisen Abzug aus dem Gazastreifen begonnen. Er könne bestätigen, dass es einen stufenweise Rückzug gebe, sagte der Sprecher. Zuvor hatten Augenzeugen berichtet, israelische Truppen seien aus Schlüsselpositionen in Gaza abgezogen und hätten sich in der Nähe der Grenze zu Israel in Stellung gebracht.
Panzer gaben demnach ihre Hauptstellung in der früheren Siedlung Netzarim auf und öffneten damit erstmals seit Beginn der israelischen Bodenoffensive am 3. Januar die Straße zwischen dem südlichen und nördlichen Gazastreifen. Auch aus dem Gebiet um Atatra im Norden des Gazastreifens rückten die israelischen Truppen ab. Wie Augenzeugen berichteten, bezogen die Panzer Stellungen an der nördlichen und östlichen Grenze des Palästinensergebiets. Augenzeugen sahen mehrere Gruppen von Soldaten, die den Gazastreifen mit zum Victoryzeichen gespreizten Fingern verließen.
Hamas und Islamischer Dschihad verkünden Waffenruhe
Nach Israel hatte am Sonntag auch die radikalislamische Hamas eine Waffenruhe für den Gazastreifen ausgerufen. Die Nummer zwei des Hamas-Politbüros, Mussa Abu Marsuk, forderte Israel zugleich auf, seine Armee während der zunächst für eine Woche verkündeten Feuerpause abzuziehen. Der "Feind Israel" sei mit seinem Plan gescheitert, den Palästinensern seine Bedingungen aufzuerlegen, sagte Marsuk in einer Ansprache im syrischen Fernsehen und kündigte die einwöchige Waffenruhe an. Er forderte zudem neben dem Rückzug der israelischen Soldaten aus dem Gazastreifen auch eine Öffnung der Grenzübergänge, damit humanitäre Hilfe passieren könne.
Ein Sprecher der Organisation Islamischer Dschihad in Gaza sagte nach einem Treffen von Palästinenservertretern im syrischen Damaskus, die Palästinenser seien offen für Vermittlungsbemühungen Ägyptens, der Türkei, Syriens sowie anderer arabischer Staaten, die zu einem vollständigen Rückzug der israelischen Kräfte aus dem Gazastreifen sowie einer dauerhaften Öffnung der Kontrollpunkte führen.
Brüchige Waffenruhe
Israel hatte am Samstagabend eine einseitige Waffenruhe verkündet. Die radikalislamische Hamas hatte daraufhin zunächst gedroht, sie werde ihre Angriffe gegen Israel fortsetzen, solange die israelische Armee im Gazastreifen bleibe. Die Waffenruhe war zunächst auch brüchig. Israels Regierungschef Ehud Olmert sagte vor der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem, sie müsse von Minute zu Minute "neu bewertet" werden. Sollte die Hamas nicht mit ihren Angriffen auf Israel aufhören, werde die israelische Armee reagieren.
Israels Militär griff am Sonntagmorgen ein Kommando mit Raketenwerfern in Beit Hanun nordöstlich der Stadt Gaza aus der Luft an. Die Gruppe habe zuvor Raketen auf die israelische Stadt Sderot geschossen, sagte ein Armeesprecher. Insgesamt seien sieben Geschosse in Israel eingeschlagen - ohne jedoch Schäden zu verursachen. Zuvor hatten bereits Hubschrauber und Panzer in Gaza auf bewaffnete Angreifer geschossen, wie die Armee mitteilte. Auch in Rafah im Süden des Gazastreifens gab es nach Angaben von Augenzeugen Schusswechsel.
95 Leichen aus Trümmern geborgen
Bei Bergungsarbeiten im Gazastreifen fanden Rettungskräfte mindestens 95 Leichen. Die Mehrzahl der Toten sei aus Trümmern von zerbombten Gebäuden in den Städten Dschabalija und Beit Lahija im Norden des Palästinensergebiets sowie im Stadtteil Seitun in Gaza entdeckt worden. Seit Beginn der israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen am 27. Dezember kamen nach Angaben von palästinensischen Rettungskräften rund 1300 Palästinenser ums Leben, darunter mehr als 400 Kinder. Mehr als 5300 Menschen wurden verletzt.
Merkel zu Verhandlungen in Ägypten
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich am Gipfeltreffen zur Lage im Gazastreifen teil. Geleitet wurde die Zusammenkunft, zu der mehrere Staats- und Regierungschefs sowie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon anreisten, vom Gastgeber, Ägyptens Präsident Husni Mubarak, sowie dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Ziel des Treffens sei es, den ägyptischen Friedensplan voranzutreiben, hieß es aus französischen Diplomatenkreisen. Merkel wollte im Anschluss zur israelischen Führung nach Tel Aviv weiterreisen.
Deutschland, Frankreich und Großbritannien sicherten Israel und Ägypten bereits am Samstag ihre Unterstützung für einen dauerhaften Waffenstillstand im Gazastreifen zu. In einem in Berlin veröffentlichten Schreiben versprachen sie zudem eine Reihe von Maßnahmen zu ergreifen, "die zum Ende des Waffenschmuggels nach Gaza beitragen sollen". Brown stellte hierfür den Einsatz der britischen Marine in Aussicht.