Auch wenn der neue Präsident selbst in den letzten Tagen versucht hatte, die allgegenwärtige Obama-Euphorie etwas zu dämpfen, blickt die Welt gespannt auf Washington.
Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.
Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:
Der Countdown läuft: Die weltweite Obama-Euphorie erreicht am heutigen Dienstag einen neuen Höhepunkt. Barack Obama tritt um 18.00 Uhr deutscher Zeit seine mit enormen Erwartungen verbundene Amtszeit als erster schwarzer Präsident der USA an. Er wird in Washington als 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Der 47-Jährige löst George W. Bush ab, der in den vergangenen acht Jahren im Weißen Haus regierte. Bis zu zwei Millionen Schaulustige werden erwartet, wenn Obama auf den Stufen des Kapitols die Eidesformel spricht. Das größte Spektakel, das die US- Hauptstadt je gesehen hat, sicher mehr als 40.000 Soldaten und Polizisten.
Neben den krisengebeutelten US-Bürgern knüpft auch die deutsche Regierung hohe Erwartungen an Obamas Präsidentschaft. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhofft sich von Obama eine bessere internationale Zusammenarbeit, wie sie am Dienstagmorgen sagte. "Ich hoffe, dass unsere Zusammenarbeit dadurch geprägt ist, dass man einander zuhört, Entscheidungen auf der Grundlage trifft, dass nur ein Land alleine die Probleme der Welt nicht lösen kann, sondern dass wir das nur gemeinsam miteinander schaffen."
Wie Merkel betonte auch Außenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) die gewaltigen Aufgaben, die vor dem neuen US- Präsidenten liegen. Bush hinterlässt ein schwieriges Erbe: Die USA sind gezeichnet von der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten, Zehntausende amerikanische Soldaten kämpfen im Irak und in Afghanistan.
US-Medien zufolge will sich Obama am ersten Tag nach seiner Vereidigung mit den Spitzen der Streitkräfte und seinen Militärberatern treffen. Auch wolle er sich umgehend daran machen, die Folgen der Konjunkturkrise einzudämmen.
Bemühen, allzu hohe Erwartungen zu dämpfen
"Wie wir muss er sich mit ganzer Kraft gegen die Wirtschaftskrise stemmen", sagte Steinmeier der "Passauer Neuen Presse". Dazu zähle auch die gemeinsame Arbeit an einer transparenten und verlässlichen Architektur des Weltfinanzsystems. "Aber auch darüber hinaus brauchen wir einen engen Schulterschluss zwischen Amerika und Europa."
Im Irak hoffen vor allem die Sunniten, von denen die überwiegende Mehrheit die Invasion von 2003 abgelehnt hatte, dass es mit Obama einen Kurswechsel in der US-Außenpolitik geben wird. Die sunnitische Partei Irakische Konsensfront erklärte am Dienstag auf ihrer Website: Die Bush-Ära sei eine "schlechte Zeit für den Irak" gewesen, "denn die amerikanische Regierung hat in dieser Zeit große Fehler begangen, indem sie die staatlichen Institutionen des Landes zerstört hat". Die Partei rief Obama trotzdem auf, sich an das unter seinem Vorgänger verabschiedete Stationierungsabkommen zu halten, das einen Abzug der US-Truppen aus dem Irak bis Ende 2011 vorsieht.
Nach seiner Vereidigungszeremonie, die weltweit von Milliarden Menschen vor dem Fernsehen verfolgt werden wird, dürfte Obama in seiner Antrittsrede ein Zeichen für den Neuanfang setzen. Er hatte sich in den vergangenen Tagen und Wochen bemüht, allzu hohe Erwartungen zu dämpfen. In der Rede will der neue Präsident Beratern zufolge vor allem das Thema Verantwortungsbewusstsein in Politik und Wirtschaft betonen.
Für den Dienstag ist der Ablauf der Amtseinführung minuziös festgelegt. Nach einem Kirchgang und einer kurzen Zusammenkunft mit dem scheidenden Präsidenten im Weißen Haus beginnt die offizielle Vereidigungszeremonie um 17.30 Uhr. Als erster wird Vize-Präsident Joe Biden die kurze Eidesformel sprechen.
Obama wird bei der Zeremonie seine linke Hand auf eine Bibel des früheren Präsidenten Abraham Lincoln legen, der 1863 die Abschaffung der Sklaverei verkündet hatte. Um 20.00 Uhr beginnt dann die große Parade vom Kapitol zum Weißen Haus, bei der 10.000 Teilnehmer mitmarschieren sollen. Am Abend stehen zahlreiche Bälle an, auf denen Obama und seine Frau Michelle zum Ehrentanz erwartet werden.