Erste Amtshandlung von US-Präsident Obama war die Aussetzung der Terrorismus-Verfahren in Guantanamo. Bundesinnenminister Schäuble erneuerte seine Ablehnung Ex-Häftlinge in Deutschland aufzunehmen.
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Wenige Stunden nach seiner Amtseinführung hat der neue US-Präsident Barack Obama einen Blitzstart hingelegt. Er will sämtliche Terrorismus-Verfahren im umstrittenen Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba sofort auf Eis legen. Obama wies die Ankläger aus dem Verteidigungsministerium an, bei den Militär-Sondergerichten eine Aussetzung für 120 Tage zu beantragen.
Prozess-System soll überprüft werden
Binnen 120 Tagen soll das Prozess-System gegen mutmaßliche Terroristen in Guantánamo generell und in Einzelfällen geprüft werden. Von der für diesen Mittwoch erwarteten Entscheidung der zuständigen Richter über den Antrag Obamas könnte auch ein noch anhängiges Verfahren gegen fünf mutmaßliche Hintermänner der Terror- Anschläge vom 11. September betroffen sein, allen voran gegen den als Hauptdrahtzieher verdächtigten Chalid Scheich Mohammed. Ein Prozess gegen sie war für dieses Jahr geplant. Mit seiner Anweisung leitete Obama die Einlösung eines wichtigen Wahlkampfversprechens ein. Er will das international höchst umstrittene Lager auf Kuba rasch schließen.
Symbol für Bush-Politik
Nach acht Jahren unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush hatten viele Menschen auf der Welt mit den USA Folter, Krieg und Missachtung der Menschenrechte verbunden. Das Lager Guantánamo, wo mutmaßliche Terror-Kämpfer gefangen gehalten werden, war zum Symbol dieser Politik geworden. Verteidigungsminister Robert Gates, der bereits unter Bush Pentagonchef war und unter Obama im Amt bleibt, hatte schon vor Wochen mit der Prüfung der dazu nötigen Schritte begonnen.
245 Häftlinge im Lager
Zurzeit befinden sich noch rund 245 Häftlinge in Guantánamo, darunter 20, die inzwischen als Kriegsverbrecher vor sogenannten Militärkommissionen angeklagt sind. Sie könnten nach einer Schließung von Guantánamo vor ordentlichen Gerichten zur Rechenschaft gezogen werden. Unter Gates' Führung war bereits begonnen worden, Länder für die Aufnahme von etwa 50 offensichtlich unschuldigen Gefangenen zu finden, denen bei einer Rückkehr in ihre Heimat Folter drohen würde.
Druck auf Deutschland erhöht sich
Die Guantánamo-Frage dürfte auch den Druck auf Deutschland erhöhen, entlassene Gefangene aufzunehmen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wies einen Vorstoß von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zurück, eine Aufnahme dieser Häftlinge zu prüfen. "Der Außenminister ist der Außenminister. Zuständig sind die Innenminister von Bund und Ländern. Das kann jeder im Aufenthaltsrecht nachlesen", sagte Schäuble der "Frankfurter Rundschau" (Mittwoch). In der Sache zeigte er sich unnachgiebig: "Wenn sie aus Ländern kommen, in die sie aus Menschenrechtsgründen nicht zurückkehren können, müssen sie eben in den USA bleiben."