Partner oder Risiko?

Obama sorgt in China für Zündstoff

Die mit dem Machtwechsel in den USA verbundenen Hoffnungen im Reich der Mitte sind groß. Dennoch hat Präsident Barack Obama mit seiner Antrittsrede den Zensoren in China reichlich Arbeit beschert.

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Weltweit beherrscht das Konterfei des neuen amerikanischen Präsidenten die Presse. Auch in China blickt man gespannt auf einen erhofften Kurswechsel.
Barack Obama ist zum 44. Präsident der USA vereidigt worden. Vor dem Kapitol in Washington verfolgten Millionen Zuschauer die Zeremonie.
Für den Amtseid legte Obama seine linke Hand auf die Bibel des ehemaligen Präsidenten Abraham Lincoln.
Seit dem Vorabend versammelten sich vor dem Kapitol die Menschen, um bei dem historischen Ereignis dabei zu sein. Obama ist der erste schwarze Präsident in der US-Geschichte.
Der Tag begann für Obama und seine Familie mit einem Gottesdienst. Anschließend begrüßte der scheidende Präsident George W. Bush die Familie im Weißen Haus. Gemeinsam begaben sich Bush und Obama auf den Weg zum Kapitol.
Die First Ladies folgten auf dem Fuß: Michelle Obama und Laura Bush. Viele waren gespannt, in welchem Kleid Michelle Obama bei der Amtseinführung ihres Mannes auftritt.
Die Präsidenten-Kolonne auf dem Weg zum Kapitol.
Am Rande der Straße fanden sich tausende Zuschauer ein.
Der Jubel und die Begeisterung für Barack Obama zeigten keine Grenzen.
Die Massen warteten gespannt auf die offizielle Zeremonie. Millionen versammelten sich bei Minustemperaturen auf der National Mall.
Amerikaner wissen sich zu helfen, wenn es kalt wird.
Auf der Tribüne fanden sich währenddessen die Gäste ein.
Dick Cheney, Vize-Präsident unter George W. Bush, musste wegen einer Muskelzerrung im Rollstuhl kommen.
Beyonce Knowles, die schon auf dem Konzert für Barack Obama am 18. Januar auftrat, kam gemeinsam mit ihrem Ehemann und Rapper Jay-Z.
Auch US-Talkmasterin Oprah Winfrey, …
… Schauspieler Dustin Hoffman und …
… US-Sänger Sean Combs fanden sich unter den prominenten Gästen.
Einige ehemalige Präsidenten gaben sich auch die Ehre, wie Jimmy Carter mit seiner Frau Rosalynn, …
…, George Bush senior mit Ehefrau Barbara, sowie …
… Bill Clinton, der seinen ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore begrüßte. Clinton kam natürlich in Begleitung …
…seiner Ehefrau Hillary, die in Obamas Kabinett das Außenministeramt übernehmen wird.
Jean Biden, die Mutter von Vize-Präsident Joe Biden, ließ es sich auch nicht nehmen an den Feierlichkeiten teilzunehmen.
Obamas republikanischer Gegner im Wahlkampf John McCain, der wohl gerne an Obamas Stelle gewesen wäre.
Die US-Senatoren John Kerry und Edward Kennedy.
Colin Powell, der ehemalige Außenminister unter George W. Bush.
Wem steckt Rahm Emanuel, Obamas neuer Stabschef, da wohl die Zunge raus?
Auch wenn viele keinen direkten Blick auf die Haupttribüne hatten, war die Begeisterung frenetisch.
Man wartete darauf, dass Barack Obama an das Rednerpult treten würde, um den Amtseid zu leisten.
Als Obama ankam, musste er die vielen wartenden Gäste begrüßen.
Michelle Obama wurde ebenfalls stürmisch begrüßt.
Mit dabei die beiden Töchter: Sasha und Malia. Dahinter steht Obamas Schwester Maya Soetoro.
Barack Obama begrüßte seine Familie.
Lockere Atmosphäre herrschte vor der Vereidigung zwischen Barack Obama und George W. Bush.
Bald wurde es ernst: Barack Obama und Joe Biden tauschten sich vor der Vereidigung noch mal aus.
Die Menge wartete gespannt. Jeder versuchte diesen Augenblick festzuhalten.
Vor der Vereidigung sprach der Priester Dick Warren die Fürbitte.
Soul-Diva Aretha Franklin sang "My Country, 'Tis Of Thee", eine patriotische Hymne aus dem frühen 19. Jahrhundert.
Als erstes wurde Joe Biden von John Paul Stevens, Richter am Supreme Court, zum Vize-Präsidenten vereidigt.
Um 18 Uhr amerikanischer Zeit war es dann so weit: Barack Obama legte vor dem obersten Richter des Supreme Court, John G. Roberts, seinen Eid ab.
Michelle Obama hielt die Bibel und beglückwünschte ihren Mann als Erste.
George W. Bush ließ es sich auch nicht nehmen seinem Nachfolger seine Glückwünsche zu überbringen.
Die Zuschauer waren sehr ergriffen in diesen Minuten.
Es folgte die Antrittsrede des neuen Präsidenten.
Laut Verfassung darf die Rede nur 20 Minuten dauern. Barack Obama forderte zu Geschlossenheit angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise auf.
Obama wurde gefeiert. Die Amerikaner jubelten und hoffen, dass eine neue Ära anbricht.
Video: Obama-Spezial - Der große Tag des 44. US-Präsidenten

China erwartet vom neuen US-Präsidenten Barack Obama eine Abkehr von der "Cowboy-Diplomatie" seines Vorgängers George W. Bush. Die Wende ist höchst willkommen, doch herrscht große Unsicherheit, was der Wechsel im Weißen Haus für China bedeutet. Einige Amerika-Experten erwarten "keine großen Veränderungen", doch andere warnen vor Protektionismus durch die Weltwirtschaftskrise, überzogenen Erwartungen der USA, neuem Streit über Chinas Währungsregime und Spannungen wegen Tibet oder Taiwan. Unter dem Titel "Partner oder Risiko?" bescheinigte das einflussreiche Wirtschaftsmagazin "Cai Jing" dem neuen Präsidenten zumindest einen "vorsichtigen, gemäßigten Stil", der Schlimmstes verhindern könnte.

Nicht wenige in China horchten auf, als sich Obama in seiner Rede vor dem Kapitol in Washington an jene Führer in der Welt wandte, "die sich durch Korruption und Täuschung oder dadurch an die Macht klammern, dass sie abweichende Meinungen zum Schweigen bringen": "Ihr sollt wissen, dass ihr auf der falschen Seite der Geschichte steht, aber dass wir eine Hand ausstrecken werden, wenn ihr eure Faust öffnet." Die Formulierung ist direkt von Ex-Präsident Bill Clinton geborgt, der 1997 dem damaligen Staats- und Parteichef Jiang Zemin bescheinigte, mit der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 "auf der falschen Seite der Geschichte" zu stehen.

Die populären Internetportale sina.com und sohu.com ließen das Zitat aus der chinesischen Übersetzung aus, obwohl sie ihren Lesern das "volle Transkript" versprachen. Auch der Satz Obamas fehlte, dass frühere Generationen "Kommunismus und Faschismus" nicht einfach mit Raketen und Panzern, sondern durch politische Bündnisse und ihre festen Überzeugungen in die Knie gezwungen hätten.

Doch nicht erst seit Obamas Rede erwarten chinesische Experten, dass die neue Regierung die "harte Haltung" der USA bei den Menschenrechten und in ideologischen Fragen nicht aufgeben werde, wie der US-Experte Yuan Peng in der "China Daily" meinte. Auch die Komplexe Tibet und Taiwan seien "heikel" für die Beziehungen, verwies der Forscher auf die guten Kontakte der Demokraten zum Dalai Lama, dem religiösen Oberhaupt der Tibeter, als "Saat für neue Spannungen".

Wachsende Abhängigkeiten zwischen China und USA

Bei allen Differenzen teilen beide Staaten wachsende Abhängigkeiten. Obama braucht die Kooperation Chinas als Vetomacht im Weltsicherheitsrat, als drittgrößte Wirtschaftsnation, als Regionalmacht in Asien und nicht zuletzt als größten Kreditgeber der USA. Die atomaren Ambitionen Nordkoreas oder des Irans sind ohne China nicht im Schach zu halten. Chinas Einfluss wächst in Afrika, aber auch in globalen Finanzinstitutionen. Ohne die beiden größten Klimasünder kann der Kampf gegen die Erderwärmung nicht gewonnen werden. Schlägt Obama im Umweltschutz einen neuen Kurs ein, steigt auch der Druck auf China, mehr für den Klimaschutz zu tun.

Vor allem aber der Handel wird für Spannungen sorgen. In einem exzessiven Kreislauf lebte China bisher bestens von seinen Exporten in die USA und dem amerikanischen Konsum auf Pump. Die gigantischen Devisenreserven aus Chinas Handelsüberschuss flossen zurück in US-Schatzanleihen und sorgten damit für Liquidität in den USA, die wiederum die billigen Kredite ermöglichte, von denen die Amerikaner ihrerseits bestens lebten. Die "guten" Zeiten sind jetzt vorbei.

Der Konsum in den USA und Europa fällt - und damit die Nachfrage nach "Made in China". Die chinesische Wirtschaft macht eine "harte Landung". Nur eine Ankurbelung der heimischen Nachfrage kann den Rückgang auffangen. Doch sollte China versuchen, mit Ausfuhrhilfen und Währungsmanipulationen seine Exporte auf Kosten der Importe zu fördern, erscheint eine Konfrontation mit den USA unausweichlich.

(Andreas Landwehr, dpa, N24)

21.01.2009 11:07 Uhr

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