Wut schlägt in Gewalt um
Islands Regierung vor dem Kollaps
In Island werden die Proteste gegen die Regierung, die für die Finanzkrise mitverantwortlich gemacht wird, immer heftiger. Erstmals gab es nun sogar Verletzte - und Islands Regierung wankt.
Im von der Finanzkrise besonders schwer getroffenen Island mehren sich nach monatelangen Protesten die Zeichen für ein Auseinanderbrechen der Regierungskoalition. Die mit der konservativen Partei von Ministerpräsident Geir Haarde regierenden Sozialdemokraten verlangen Neuwahlen im Mai. Haarde und andere führende Vertreter der Konservativen erklärten, sie würden Wahlen "noch in diesem Jahr" nicht im Wege stehen. Der Rücktritt der Regierung ist eine Hauptforderung der Demonstranten.
Wie der Rundfunksender RUV meldete, gab es in der Nacht zum Donnerstag bei neuen Protesten erstmals Verletzte. Ein Polizist sei vor dem Parlamentsgebäude in Reykjavik von einem Stein am Kopf getroffen und in ein Krankenhaus gebracht worden. Mehrere Demonstranten mussten nach dem Einsatz von Tränengas durch die Polizei ebenfalls stationär behandelt werden.
Die Demonstranten machen die Regierung wegen ihrer Finanzpolitik mitverantwortlich für den verheerenden Banken-Crash im Herbst 2008. Nach dem Zusammenbruch der drei größten Banken konnte ein drohender Staatsbankrott nur durch Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) und befreundeter Staaten abgewendet werden. Seitdem ist die Arbeitslosigkeit auf Island massiv gestiegen.
Nachdem die Demonstranten zunächst wöchentlich vor dem Parlament ihrer Wut freien Lauf gelassen hatten, kommt es derzeit zu täglichen Protesten. Derart heftige Auseinandersetzungen zwischen einer großen Menschenmenge und der Polizei wie momentan hat die kleine Inselrepublik im Atlantik mit ihren 320.000 Einwohnern seit dem NATO-Beitritt 1949 nicht erlebt.
(dpa, N24)
22.01.2009 14:25 Uhr









