Begleitet von einer heftigen Debatte hat der Bundestag das zweite Konjunkturpaket beraten. Finanzminister Steinbrück verteidigte die Maßnahmen - die Opposition indes lies daran kein gutes Haar.
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Die große Koalition hat das zweite Konjunkturpaket im Bundestag gegen heftige Kritik aus der Opposition verteidigt. Mit dem Programm werde die Regierung ihrer Verantwortung in der "schwersten Rezession" seit 1949 gerecht, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) bei der ersten parlamentarischen Behandlung des Paketes in Berlin.
"Dies ist angemessen, dies ist problemadäquat", sagte Steinbrück und appellierte an die Opposition, bei der Verabschiedung des Paktes auf "parteipolitische Spielchen" zu verzichten. FDP, Linke und Grüne attackierten das Paket dagegen scharf und warfen der Regierung Versagen vor.
Steinbrück: "Noch kein Licht am Ende des Tunnels"
Steinbrück betonte, die außergewöhnliche Situation erfordere auch außergewöhnliche Maßnahmen. Schließlich seien drei Krisen aufeinander fallen: Eine weltweite Rezession, die Deutschland als Exportweltmeister besonders hart träfe; eine Finanzmarktkrise, bei der "längst noch nicht ein Licht am Ende des Tunnels" zu sehen sei, und schließlich ein radikaler Einbruch bei der Autoindustrie, von der in Deutschland jeder achte Arbeitsplatz abhänge. Eine Steigerung der Neuverschuldung sei für die Konjunkturhilfen unumgänglich, betonte Steinbrück. Die Koalition werde noch in der laufenden Legislaturperiode eine Schuldenbremse in die Verfassung schreiben.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) betonte, zentraler Punkt des zweiten Konjunkturpakets sei der Erhalt von Arbeitsplätzen. Nur so könne Zuversicht greifen. CDU-Haushälter Steffen Kampeter sagte, die Regierung fahre mit dem Programm einen "Kurs von Maß und Mitte - und das ist gut und richtig". Mit den vielen kleinen Einzelmaßnahmen würden die notwendigen Konjunkturimpulse gesetzt. Das Paket sei erfolgreich und wirksam.
Opposition in ihrer Ablehnung einig
Ein vernichtendes Urteil fällte die Opposition. FDP-Fraktionsvize Rainer Brüderle bezeichnete das Programm als "kleinteilig, zögerlich und diffus". Das Paket gebe wenig Impuls für die Konjunktur. Statt Einmalzahlungen seien "dauerhafte deutliche Steuersenkungen für alle" nötig.
Linksfraktionschef Oskar Lafontaine warf der Regierung "katastrophales Versagen" und "Ahnungslosigkeit" vor. Das Konjunkturpaket sei zwar "in vielen Punkten richtig angesetzt", aber völlig unzureichend und "sozial unausgewogen". Lafontaine hielt Steinbrück "Holzköpfigkeit" vor. Es sei unverantwortbar, dass Deutschland international eines der kleinsten Konjunkturprogramme vorlege.
Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin kritisierte das Paket als "zu langsam", "zu zaghaft" und "nicht zielgenau". "Es ist die falsche Antwort auf diese Krise", rügte er. Trittin mahnte, sinnvoll seien ökologische Investitionen, eine Anhebung der Hartz-IV-Sätze und eine Entlastung von Geringverdienern. Stattdessen ballere die Regierung bei ihren Konjunkturhilfen ziellos "mit der Schrotflinte in der Gegend rum".
Das zweite Konjunkturprogramm ist rund 50 Milliarden Euro schwer und beinhaltet öffentliche Investitionen in Ländern und Kommunen, Steuern- und Abgabensenkungen sowie Anreize zum Autokauf. Am 13. Februar will der Bundestag das Paket beschließen, am 20. Februar befasst sich der Bundesrat in einer Sondersitzung mit dem Programm.
CSU fordert Paket für Bauern
Unterdessen sorgte die CSU mit einem Vorschlag für Aufsehen, ein eigenes Konjunkturpaket für die deutschen Bauer zu schnüren. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sagte der "Berliner Zeitung", dazu müsse die Steuer auf Agrardiesel verringert werden. "Es geht um die Angleichung von Wettbewerbsbedingungen." In anderen EU-Ländern werde Agrardiesel deutlich geringer oder gar nicht besteuert. "Es ist klar, dass die deutschen Bauern da narrisch werden. Wenn der Entwicklungshilfeetat wegen der Krise aufgestockt wird, muss es Geld für die deutschen Bauern in gleichem Umfang geben."
Agrardiesel wird im Regelfall niedriger besteuert als normaler Diesel. Derzeit beträgt der Steuersatz für Agrardiesel nach Angaben der Zeitung 25,56 Cent pro Liter, während ein normaler Autofahrer auf den Liter 47,04 Cent Mineralölsteuer zahlen muss. Die Ermäßigung gilt allerdings nur bis zu einem Verbrauch von 10.000 Litern im Jahr, danach müssen Bauern den vollen Steuersatz zahlen. Die Union möchte nun erreichen, dass diese Grenze angehoben oder ganz abgeschafft wird.
Die SPD zeigte sich vom Vorstoß Ramsauers zu einem Agrar-Konjunkturpaket irritiert. "Wer wie die Union einerseits eine Schuldenbremse fordert, kann doch nicht andererseits ständig auf das Konjunkturpaket draufsatteln wollen", sagte der stellvertretende Fraktionschef Ulrich Kelber der Zeitung.
Im übrigen seien Erleichterungen beim Agrardiesel vor dem Hintergrund sinkender Kraftstoffpreise der falsche Weg. Die SPD befürworte ein Investitionsprogramm für Landwirte, das unter anderem Energiesparen und den Einsatz von Biogas fördert.