Aufgebot der Nationalelf

Löws Überraschungen heißen Özil und Beck

Der Deutsch-Türke Mesut Özil hat sich entschieden: Er will für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen. Joachim Löw hat ihn sowie Andreas Beck als Neulinge gegen Norwegen nominiert.

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Video: Nationalmannschaft - Mesut Özil spielt für Deutschland
Den Rückrundenauftakt hat der FC Bayern München ordentlich verpatzt. In Hamburg musste sich ...
der deutsche Rekordmeister am 18. Spieltag der Fußball-Bundesliga dem Hamburger SV 1:0 geschlagen geben.
"Die erste halbe Stunde haben wir verpennt und den HSV spielen lassen", gestand Trainer Jürgen Klinsmann selbstkritisch und sichtlich enttäuscht ein.
Besonders bitter für Stürmerstar Luca Toni: Den Ausgleich hatte er in der 29. Minute eigentlich bereits perfekt gemacht, doch dann annullierte Schiedsrichter Kircher den Treffer, weil Toni den gegnerischen Bastian Reinhard am Trikot gezogen hatte.
Für einen anderen Titelaspiranten lief der Rückrundeneinstand bedeutend besser. Der "Dorfklub" aus Hoffenheim verpasste ...
den Lausitzern vom FC Energie Cottbus eine 2:0-Packung und stürmte damit erneut auf Platz Eins der Liga vor.
So schön wie der Hoffenheimer Demba Ba können sich nicht viele Bundesliga-Kicker freuen. Der Senegalese erzielte eines der beiden Siegtore.
Gut lief es auch für die in dieser Saison erfolgsverwöhnten Hauptstädter. Der Serbe Marko Pantelic sorgte mit seinem ...
doppelten Torglück für den Aufstieg in die Champions-League-Plätze. Nach dem Sieg gegen Frankfurt ...
können sich die Hertha-Elf jetzt sogar Hoffnungen auf den Titel machen - wer hätte das zum Saisonbeginn gedacht.
Für den FC Schalke 04 lief es hingegen weniger rund. Die Knappen aus Gelsenkirchen mussten sich ...
trotz spielerischer Überlegenheit den Hannoveranern 0:1 geschlagen geben. Kurz nach der Pause musste zudem der bis dahin spielstarke Fabian Ernst wegen einer Kopfverletzung vom Platz.
Für die Knappen ist die Tabellenspitze damit vorerst außer Reichweite. Hannover 96 konnte sich andererseits ein gutes Stück vom Tabellenkeller absetzen.
Für den 1. FC Köln war die Heimpartie gegen den VfL Wolfsburg durchwachsen. Zwar konnte die Elf von Trainer Christoph Daum ...
gegen Wolfsburg nur ein 1:1 einfahren. Allerdings mussten sie dabei auch auf gleich drei Topleute verzichten.
Und weil die "Geißböcke" von Beginn an couragiert kickten, war trotz Remis auch Daum mit seinem Team zufrieden.
Trotz überschwänglicher Freude von Torjäger Alexander Frei gab es gegen Bayer Leverkusen auch für die Dortmunder nur ein 1:1-Unentschieden.
Für Bayer Leverkusen hat Patrick Helmes in der 63. Minute den Ausgleich besorgt und eine Nullnummer verhindert.
Gegen Borussia Mönchengladbach hat der VfB Stuttgart trotz des klaren 2:0-Sieges nur einen langweiligen Kick gezeigt.
Gegen das Ligaschlusslicht machten die Schwaben erst spät den Dreier klar und ließen Zweifel aufkommen, ...
ob sie es noch in die Tabellenspitze schaffen können. Von dieser ohnehin weit entfernt ist ...
der VfL Bochum. Gegen den Karlsruher SC gelang den Blauen jedoch ein furioser Rückrundenstart.
Der österreichische Nationalspieler Christian Fuchs (l) trug mit seinem Treffer in der 26. Minute einen Gutteil zum 2:0-Endstand bei.
Damit haben sich die Bochumer jetzt vorerst aus dem Tabellenkeller gehangelt. Der Karlsruher SC nimmt stattdessen ihren Platz ein.
Gar nicht gut lief es dagegen für den deutschen Vizemeister. Der SV Werder Bremen ließ sich von Arminia Bielefeld regelrecht vorführen.
Auch wenn Hugo Almeida (4.v.l.) zwischenzeitlich den Ausgleich besorgte, mussten die Hansestädter dank des Bielefelders Artur Wichniarek letztlich doch ohne Punkt vom Platz.
Für die in den letzten Jahren erfolgsverwöhnten Werderaner ist die Niederlage ein weiterer herber Rückschlag und vermutlich der Schlussstrich unter ihre Titelhoffnungen.
Die Liga knausert: In der Winterpause haben die 18 Bundesligisten größtenteils nicht gerade tief in die Schatullen gegriffen, um sich zu verstärken. So kam Hoffenheims neuer Torwart Timo Hildebrand ablösefrei vom FC Valencia.
Mit dem Ausfall von Top-Scorer Vedad Ibisevic musste Ralf Rangnick noch einen Stürmer in die Kurpfalz locken. Bremens Boubacar Sanogo wird zunächst bis Saisonende ausgeliehen - späterer Kauf nicht ausgeschlossen.
Oldie Francisco Copado, auch Offensivkraft, verlässt dagegen den Club. Er kickt künftig in die 3. Liga für die SpVgg Unterhaching. Dort war er schon früher einmal unter Vertrag.
Auch die Bayern hielten sich in der Winterpause zurück - auch wenn Franck Ribéry mehrfach lautstark etwas anderes forderte. Einziger Neuzugang ist US-Boy Landon Donovan, der die Spielpause seines Vereins L.A. Galaxy in den USA in München überbrückt.
Bitter waren die letzten Wochen und Monate für Willy Sagnol. Der Franzose in Diensten der Bayern muss aufgeben: Die Achillessehnen-Schmerzen sind zu stark - Vertrag aufgelöst.
Hertha BSC Berlin verstärkt sich in der Defensive: Mit dem Argentinier Leandro Damian Cufre kommt ein erfahrener Abwehrmann von AS Monaco in die Hauptstadt. Es heißt, Dieter Hoeneß habe für ihn 2 Millionen hingeblättert.
Und noch einer für hinten: Marko Babic, vielen bekannt aus der kroatischen Nationalmannschaft und als ehemaliger Leverkusener, verlässt Betis Sevilla und kommt nach Berlin.
Der spektakulärste Transfer des Winters war ein Weggang: Nigel de Jong, holländischer Hamburger, geht auf die Insel zu Manchester City. Die Engländer zahlten für ihn schier unglaubliche 20 Millionen Euro. Da mussten sich die Hanseaten überlegen, ...
... wohin mit der ganzen Knete. Aber auch Dietmar Beiersdorfer war eher zurückhaltend. Aus Venezuela lieh der HSV den Nachwuchskicker Tomas Rincon aus.
Und von Borussia Mönchengladbach kam der ausgemusterte Marcel Ndjeng. In Hamburg hortet man die Millionen lieber.
Auch Bayer Leverkusen hielt die Füße ziemlich still. Einziger Neuzugang: Bochums Thomas Zdebel - für 200.000 Euro.
Mehr Bewegung dagegen in Dortmund. Von den Tottenham Hotspurs liehen sich die Borussen den Ex-Herthaner Kevin-Prince Boateng aus. Und auch in die andere Richtung tat sich einiges. Neben Diego Klimowicz (zu Bochum) und Giovanni Federico (zum KSC) ...
... verließen den Klub Marc-André Kruska in Richtung FC Brügge (Erlös: 750.000 Euro) und ...
... Abwehrmann Robert Kovac in Richtung Dinamo Zagreb (Erlös: circa 450.000 Euro).
Bei Schalke fand in der Spielpause eher das große Aussortieren statt, als dass sich die Gelsenkirchener groß verstärkt hätten. Nur Danny Latza von den eigenen Amateuren stößt dazu. Seine Koffer packte dagegen Ze Roberto II (Bild), der zu Flamengo geht.
Auch Stürmer Peter Lövenkrands macht den Abflug und spielt jetzt bei Newcastle United.
Der Vertrag des Uruguayers Gustavo Varela wurde aufgelöst, Varela ist derzeit vereinslos. Zudem wurden Albert Streit und Carlos Grossmüller suspendiert, ihre Zukunft ist ungewiss.
In Bremen gibt es nur einen nennenswerten Neuzugang: Alexandros Tziolis, griechischer Nationalspieler, kommt von Panathinaikos Athen.
Neben Boubacar Sanogo (zu Hoffenheim) verließen Carlos Alberto (ausgeliehen an Vasco da Gama, im Bild) und Said Husejinovic (zum 1. FC Kaiserslautern) die Bremer.
Wolfsburg-Trainer und -Sportdirektor Felix Magath durfte ja in der Vergangenheit immer ordentlich was ausgeben für neues Personal. Verleichsweise bescheiden da die Investitionen im Winter: Aus Japan kam Yoshito Okubo für 2,5 Millionen Euro ...
... für eine Millionen Euro sicherte sich der Verein die Dienste des slowakischen Abwehrmanns Peter Pekarik (li.).
Ein Mann der Zukunft ist der Neu-Stuttgarter Timo Gebhardt. Der 19-Jährige kam für schlappe drei Millionen Euro von 1860 München an den Neckar.
Im Mittelfeld der Schwaben musste nach dem Weggang des Mexikaners Pável Pardo aber auch nachgebessert werden. Pardo ging für 400.000 Euro zurück in die Heimat zum C.F. América.
Kölle freut sich auf Poldi, doch der kommt ja erst im Sommer. Im Winter müssen sich die Fans mit Derek Owusu Boateng begnügen. Der Ghanaer kommt von Beitar Jerusalem und ist deutlich billiger als Podolski: dem Vernehmen nach 350.000 Euro.
In Frankfurt hat indessen ein junger kamerunischer Sturmtank angeheuert. Der 21-Jährige Leonard Kweuke wurde ausgeliehen und soll in der Rückrunde die Trefferbilanz der Hessen aufbessern.
Neben ihm kam der Serbe Nikola Petkovic an den Main. Der junge Abwehrspieler kam von Roter Stern Belgrad.
Keine Verwendung mehr hat die Eintracht dagegen für den Mexikaner Aarón Galindo. Er ging zum mexikanischen Erstligisten Deportivo Guadalajara.
Personeller Stillstand in Hannover: 96-Coach Dieter Hecking holte niemanden zu den Niedersachsen, muss im Winter aber auch niemanden ersetzen.
Auch in Bielefeld war im Winter nicht viel los. Vlad Munteanu, hier noch im Dress von Energie Cottbus, kam auf Leihbasis aus Wolfsburg. Sonst tat sich bei den Ostwestfalen nichts Wesentliches.
Zurück nach Karlsruhe zog es Giovanni Federico. Der einstige Stürmerstar der Badener wurde in Dortmund nie richtig heimisch.
Defensiv verstärkte sich der KSC mit dem nun Ex-Nürnberger Marco Engelhardt. Wegen einer schweren Verletzung muss KSC-Kapitän Maik Franz in der Rückrunde aussetzen. Dafür hat der Verein ...
... den Kroaten Dino Drpic geholt. Der war bei Dinamo Zagreb gefeuert worden, als herauskam, dass er sich ein Schäferstündchen mit Gattin Neves Celsus (li.) auf dem Rasen des Dinamo-Stadions gegönnt hatte - es war der große Traum des bekannten Models.
Doch zurück zum Wesentlichen: In Cottbus kam es nur zu kleineren personellen Korrekturen. Neben dem Brasilianer Adi (im Bild) kamen Nils Petersen von Jena und Jan Rajnoch von Mlada Boleslav in die Lausitz. Igor Mitreski wurde nach Belgien ausgeliehen.
Auf Torejagd für Bochum geht in Zukunft der Argentinier Diego Klimowicz. Dortmund kassierte für ihn 400.000 Euro.
Bei Tabellenschlusslicht Borussia Mönchengladbach wurde kräftig aussortiert. Rösler, Voigt, Svärd und Ndjeng mussten gehen. Für sie kamen der Brasilianer Dante (von Standard Lüttic für 2,5 Millionen), ...
... der belgische Keeper Logan Bailly (von KRC Genk für 2,5 Millionen Euro), ...
... der Ex-Nürnberger Tomas Galasek (von Banik Ostrau für 50.000 Euro) und ...
... der Ex-Bremer Paul Stalteri (von Tottenham Hotspur; ablösefrei). Ob sie den Niederrhein-Verein wieder unten rausboxen können?
In der U21 war Mesut Özil bereits für Deutschland am Ball. Nun hat ihn Joachim Löw in sein Team berufen.

Mit dem Deutsch-Türken Mesut Özil und Andreas Beck, aber ohne Torjäger Lukas Podolski und Schlussmann Robert Enke: Bundestrainer Joachim Löw hat mit seinem Aufgebot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für das erste Länderspiel des Jahres am kommenden Mittwoch (11. Februar) in Düsseldorf gegen Norwegen (20.30 Uhr) wieder einmal für Überraschungen gesorgt.

Dass in Kapitän Michael Ballack und Torsten Frings im Gegensatz zum England-Länderspiel im vergangenen November (1:2) zwei Routiniers wieder dabei sind, die Ende 2008 noch als Rebellen in Erscheinung getreten waren und für die erste handfeste Krise in der Amtszeit von Löw gesorgt hatten, war nur eine Randnotiz. Ebenso die erneute Nichtberücksichtgung für den 21-köpfigen Kader von Christoph Metzelder (Real Madrid).

Bemerkenswert war dagegen die Entscheidung von Löw pro Özil, der womöglich gegen Norwegen als dritter Nationalspieler türkischer Abstammung nach Mustafa Dogan und Serdar Tasci in die Annalen eingeht und dadurch nicht mehr für die Türkei spielberechtigt wäre.

Özil spricht sich klar für Deutschland aus

"Um Mesut hat sich der türkische Verband in jüngster Vergangenheit intensiv bemüht, und wir hatten Verständnis für seine schwierige Situation. Deshalb war es selbstverständlich für uns, zunächst einmal abzuwarten, bis er sich entscheidet, ob er für die deutsche Nationalmannschaft spielen will", erläuterte Löw.

Der Bremer habe ihm in einem Telefongespräch am vergangenen Freitag "klar zum Ausdruck gebracht, dass er künftig für unser Team auflaufen will. Damit war für uns klar, dass wir ihn erstmals für das Länderspiel gegen Norwegen nominieren". Die letzten Modalitäten seien dann am Montag bei einem Besuch von Özil in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main geklärt worden. Unabhängig davon sei der 20-Jährige für das Mittelfeld "ein weiterer Kandidat mit Perspektive".

Der in Gelsenkirchen geborene Özil, der für die deutsche U21 bislang zehnmal im Einsatz war, reagierte nach den vielen Gerüchten der vergangenen Tage - unter anderem sollte er ebenfalls am Donnerstag vom türkischen Nationaltrainer Fatih Terim für den Test gegen die Elfenbeinküste nominiert werden - erleichtert: "Ich freue mich über die Einladung und werde meine Chance in der deutschen Nationalmannschaft suchen."

Enke muss erst Spielpraxis sammeln

Obwohl für ihn eigentlich immer festgestanden habe, für Deutschland zu spielen, habe er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht: "Das ist auch keine Entscheidung gegen meine türkischen Wurzeln. Meine Familie lebt nun in der dritten Generation in Deutschland, ich habe mich hier immer wohlgefühlt und meine Chancen in den Junioren-Auswahlteams des DFB bekommen. Deshalb hoffe ich auch, dass ich im Sommer bei der Europameisterschaft in Schweden den bisher erfolgreichen Weg mit der deutschen U21 fortsetzen kann."

Während sich Özil ebenso wie der Hoffenheimer Andreas Beck freuen durfte, musste Enke, der nach seinem Kahnbeinbruch im vergangenen Oktober zum Rückrundenauftakt mit Hannover 96 gegen Schalke 04 (1:0) wieder positive Schlagzeilen machte, eine bittere Pille schlucken. "Nach längerer Verletzungspause hat Robert bisher erst einmal in der Bundesliga gespielt. Wir wissen, was er kann. Für ihn ist es jedoch wichtig, dass er in den kommenden Wochen wieder Spielpraxis im Verein sammelt", begründete Löw seinen Entschluss.

Beck, der nach den diesmal nicht berücksichtigten Marvin Compper und Tobias Weis als dritter Hoffenheimer eine Einladung von Löw erhielt, wolle man dagegen eine Chance in der DFB-Auswahl geben, seine Leistungsfähigkeit auch bei der Nationalelf unter Beweis zu stellen. "Er hat eine gute Entwicklung in Hoffenheim gemacht und daher wollen wir ihn auf der rechten Seite testen", so der Bundestrainer.

Dass der Leverkusener Stefan Kießling anstelle von Podolski im Kader steht, erklärte Löw damit, dass der künftige Kölner seit drei Monaten durch Verletzungen und Krankheit nicht voll belastbar sei: "Wir wollen ihm die notwendige Zeit einräumen, damit er sich seine gewohnte Form erarbeiten kann."

Das Aufgebot:

Tor: Rene Adler (Bayer Leverkusen), Tim Wiese (Werder Bremen)

Abwehr: Andreas Beck (1899 Hoffenheim), Arne Friedrich (Hertha BSC Berlin), Andreas Hinkel (Celtic Glasgow), Philipp Lahm (Bayern München), Per Mertesacker (Werder Bremen), Serdar Tasci (VfB Stuttgart), Heiko Westermann (Schalke 04)

Mittelfeld: Michael Ballack (FC Chelsea), Torsten Frings (Werder Bremen), Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart), Marko Marin (Borussia Mönchengladbach), Mesut Özil (Werder Bremen), Simon Rolfes (Bayer Leverkusen), Bastian Schweinsteiger (Bayern München), Piotr Trochowski (Hamburger SV)

Angriff: Mario Gomez (VfB Stuttgart), Patrick Helmes (Bayer Leverkusen), Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Miroslav Klose (Bayern München)

(dpa, N24)

05.02.2009 13:47 Uhr

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