Mordfall Kardelen
Polizei befürchtet Ehrenmord an Ali Kur
Um einem befürchteten Ehrenmord vorzubeugen, hat die Polizei ein Treffen zwischen Angehörigen der ermordeten Kardelen und der Familie des Verdächtigen Ali Kur organisiert.
Die Polizei befürchtet nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung, dass der Mordverdächtige im Fall Kardelen Opfer eines sogenannten Ehrenmords werden könnte. Deshalb habe die Paderborner Polizei vorsorglich ein Treffen von Angehörigen sowohl des ermordeten türkischstämmigen Mädchens als auch des türkischen Verdächtigen organisiert, berichtete "Bild".
Die Möglichkeit eines "Ehrenmordes" könne leider nicht ausgeschlossen werden, sagte Staatsanwalt Ralf Vetter der Zeitung. "Deshalb haben wir ein Gespräch zwischen den Familien des Opfers und des Täters vermittelt. Alle waren vernünftig, wollen die Tat nicht auf die Angehörigen übertragen."
DNA-Spuren von Kardelen in Ali Kurs Wohnung
Unterdessen werden immer neue Details des grausigen Verbrechens bekannt. Jetzt sind sich die Ermittler sicher, dass die Achtjährige aus Paderborn bereits in der Mietwohnung ihres türkischen Nachbarn Ali Kur missbraucht und ermordet wurde. Die Leiche des türkischstämmigen Mädchens wurde später 60 Kilometer entfernt am Möhnesee im Sauerland entdeckt. "Wir haben in der Wohnung des Beschuldigten DNA des getöteten Mädchens gefunden", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Horst Rürup. "Aufgrund der weiteren Spurenabgleiche steht nunmehr fest, dass es sich bei der Wohnung auch um den Tatort handelt."
Rürups Behörde steht in engem Kontakt mit der türkischen Polizei. Denn der flüchtige mutmaßliche Mörder Ali Kur wird in der Region von Izmir vermutet. Auch dort berichteten am Donnerstag Zeitungen groß, dass der Mann auf dem Fahndungsfoto das Mädchen mit den langen braunen Haaren missbraucht, getötet und in einem Wald versteckt haben soll. Die türkische Zeitung "Star" titelte auf ihrer Internetseite: "Der perverse Mörder von Kardelen ist in die Türkei geflohen." Kur werde auf der Flucht nicht lange unerkannt bleiben, sagte Rürup.
Hoher Fahndungsdruck auf Verdächtigem
Für den Fall, dass Ali Kur in der Türkei gefasst wird, rechnen die Staatsanwälte allerdings nicht mit seiner Auslieferung nach Deutschland. Die türkischen Behörden hätten dies den deutschen Ermittlern bereits signalisiert, bestätigte Rürup. Im Falle einer Festnahme planten die Türken ein eigenes Strafverfahren gegen Kur. "Wir werden das selbstverständlich respektieren", sagte der Sprecher. In der Türkei steht auf ein solches Verbrechen lebenslang.
"Der Verdächtige steht unter einem hohen Fahndungsdruck", sagte Rürup. "Er könnte in den nächsten Tagen gefasst werden." Beamte in der westtürkischen Stadt Aydin haben die Suche nach dem 29-Jährigen aufgenommen. In Aydin lebt der Vater von Kur. "Es steht fest, dass der Tatverdächtige mehrere Tage bei Verwandten in der türkischen Region Izmir verbracht hat. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nach wie vor unbekannt", sagte der Staatsanwalt. Ein Polizeisprecher betonte, dass man noch nicht sicher wisse, ob sich Kur derzeit tatsächlich noch in der Türkei aufhalte oder weitergereist sei.
Kurs Eltern beteuerten, ihren Sohn seit drei Monaten nicht gesehen zu haben. "Wir wollen nicht glauben, dass unserer Sohn etwas mit diesem Mord zu tun hat. Niemand wird uns mehr eines Blickes würdigen. Wenn er es getan hat, wird Allah ihn dafür bestrafen", sagte seine Mutter Zuhre Kur der Nachrichtenagentur Dogan.
In wessen Auto transportierte Kur die Leiche?
Die Leiche der kleinen Kardelen war drei Tage nach dem Verschwinden des Mädchens in einem Waldstück am Möhnesee gefunden worden. Über die Frage, wie der arbeitslose Verdächtige ohne Führerschein und Auto das tote Kind dorthin gebracht hat, rätseln die Ermittler noch immer. Falls jemand Kur damals seinen Wagen geliehen habe, täte er gut daran, sich zu melden: "Um die Aufklärung der Tat zeitnah zu unterstützen und um Verdachtsmomente gegen sich selbst auszuräumen", appellierten die Ermittler an den möglichen Zeugen.
(dpa, N24)
06.02.2009 10:35 Uhr








