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Kein Glück in Hamar

Pechsteins Traum vom Double endet im Bett

Wegen Schüttelfrost und hohem Fieber muss die Eisschnelllauf-Europameisterin die Mehrkampf-WM in Hamar vorzeitig beenden. Schon beim 500-m-Rennen verletzte sich Pechstein mit der Kufe am linken Fuß.

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Bei ihrem 17. Start bei einer Mehrkampf-WM musste sich die erfolgreichste deutsche Wintersportlerin zum ersten Mal vorzeitig geschlagen geben.
Es war ein Horror-Sturz auf der berüchtigten Streif: Der Schweizer Daniel Albrecht stürzte beim Abschlusstraining für die Weltcup-Abfahrt in Kitzbühel ...
... bei seinem über 70 Meter weitem Zielsprung so heftig, ...
... dass er mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma ...
... in ein künstliches Koma versetzt werden musste.
Für das Publikum an der Strecke und die Zuschauer der Live- Übertragung im österreichischen Fernsehen war Albrechts Unfall ein schreckliches Déjà-vu.
Wie vor einem Jahr der Amerikaner Scott Macartney verlor der 25 Jahre alte Kombinations-Weltmeister beim Zielsprung die Kontrolle.
Bei einer Geschwindigkeit von 138,1 km/h geriet er in Rücklage und schlug ...
... aus gut vier Metern Höhe ungebremst mit dem Rücken auf die Piste.
Nach gut 20 Minuten notärztlicher Versorgung durch den Rennarzt sowie Bergrettung und Rotes Kreuz wurde Albrecht per Helikopter ins Krankenhaus im nahen St. Johann geflogen.
Unfälle, Ausrutscher und Stürze sind keine Seltenheit im Sport. Allerdings müssen sie nicht immer so schrecklich enden, wie bei Daniel Albrecht.
Hier kann der Spanier Dani Pedrosa seine Honda nicht mehr unter Kontrolle bringen.
Schwerkraft und Fliehkraft lassen Pedrosa sein Motorrad ...
... auf unkonventionelle Weise verlassen.
Der Rennfahrer landete hart, ...
... war aber auch nach dem Sturz bei guter Gesundheit.
Manche Ausrutscher wirken unfreiwillig komisch und gehen für die Sportler meist ohne größere Blessuren aus.
Der Griff der italienischen Eistänzerin Barbara Fusar-Poli war bei den Olympischen Winterspielen von Turin 2006 wohl etwas hart.
Ihr Partner Maurizio Margaglio versucht sich jedenfalls vergeblich aufzurichten.
Als er fast steht, gleitet er wieder aus und ...
... muss seine Partnerin fahren lassen. Für die beiden war es ein Wellental der Gefühle, verletzt wurde niemand.
Auch Stefan Koubek sorgte 2008 bei den Australien Open für einige Schmunzler. Ausfallschritt, ...
... Abgang nach hinten, ...
... Ansatz zur Rückwärtsrolle und ...
... aus dem Schneidersitz wieder aufstehen.
Weniger witzig sind Stürze im Radsport. Hier beim 90th Giro d'Italia.
In der Regel gegen die nicht so glimpflich ab.
Spektakulär der Sturz des italienischen Radprofis Alessandro Ballan (r) und des Russen Wladimir Gusew ...
... im Radrennen "Paris-Roubaix" (2006) von Compiegne nach Roubaix ...
... in einer der berüchtigten Kopfsteinpflastergassen.
Aber auch beim Pferdesport sind Ross und Reiter sich nicht immer einig. Hier steigt Alexa Bendfeldt bei der Geländeprüfung ...
... des Internationalen Vielseitigkeitsturniers in Luhmühlen ...
... unfreiwillig von ihrem Pferd El Greco. Gott sei Dank, nichts passiert.
Glück hatte auch der brasilianische Springreiter Alvaro Miranda.
Nach einem Sturz seines Pferdes AD Ornella bleibt er mit einem Fuß im Steigbügel hängen.
Es gab einen kurzen Aufschrei beim Weltfest des Pferdesports 2008. Miranda blieb aber unverletzt.
Apropos Ross und Reiter. Michael Schumacher hat ja umgesattelt und fährt inzwischen statt schneller Rennwagen, schnelle Motorräder.
Nicht immer beherrscht der Reiter sein Gefährt. Beim freien Motorrad-Training mit seiner IDM-Superbike, ...
... auf dem Sachsenring bei Zwickau, haut es den Formel-1-Weltmeister aus der Sachsenkurve.
Aber Schumacher ist eben ein Stehaufmännchen.
Unglaublich der Abgang des Spaniers Jorge Lorenzo von seiner 250er Yamaha.
2008 segelt Lorenzo in Shanghai beim Grand Prix von China im hohen Bogen durch die Luft.
Der Japaner Noriyuki Haga verliert in Valencia die Kontrolle über seine Yamaha.
Das Motorrad schlägt neben ihm wie ein Meteorit ein.
Spektakulär war auch der Sturz des Tschechen Antonin Hajek.
Beim Probedurchgang zu den Ski-Weltmeisterschaften 2005 in Oberstdorf verpasst Hajek den Absprung und ...
... landet unsanft, aber ohne Verletzungen im Auslauf.
Auch wer sich auf schnellen Kufen bewegt, muss mit Stürzen rechnen. Hier der kanadische Rennrodler Ian Cockerline, der 2007 in der regennassen Eisrinne von Oberhof unfreiwillig den Rodel verlässt.
Auch auf Kufen unterwegs, der südkoreanische Eisschnellläufer Kyou-Hyuk Lee. Nicht mehr ganz sicher auf den Beinen, ...
... reist er fast auch seinen Gegner Pekka Koskela aus Finnland zu Boden.
Auch Jenny Wolf verlor 2008 bei der Weltmeisterschaft in Nagano die Kontrolle über ihre Kufen und ...
... landete verwundert aber unverletzt ...
... im Aus.
Unvergessen auch der Fehlgriff von Fabian Hambüchen bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking.
Am Reck griff er daneben und ...
... rauschte unelegant nach unten auf die Matte.
Unfreiwillig elegant, aber hoch gefährlich der verpasste Absprung des Japaners Daito Takahashi beim ...
... Springen der Nordischen Kombinierer 2007 in Sapporo.
Bei den Snowboardern hätte Takahashi die höchste Punktzahl bekommen ...
... bei den Nordischen Kombiniereren hielt man nur den Atem an ...
... und hoffte, dass nichts passiert.

Der Traum vom Double endete für Claudia Pechstein auf dem Hotelzimmer. Nachts um 2.30 Uhr rief die Eisschnelllauf-Europameisterin noch bei Verbandsarzt Gerald Lutz ein paar Zimmer weiter an, doch gegen den Schüttelfrost und das hohe Fieber war auch der Erfurter Sportmediziner machtlos. Vier Wochen nach ihrem EM-Triumph von Heerenveen gab die 37-Jährige vor dem zweiten Tag der Mehrkampf-WM in Hamar auf und zog damit einen Schlussstrich unter ein völlig verkorkstes Wochenende.

"Es kam völlig überraschend. Es ist bitter, ich hätte hier gerne eine Medaille mitgenommen, aber an Eislaufen ist derzeit unmöglich zu denken", sagte Pechstein, die nach zwei von vier Läufen noch aussichtsreich auf dem dritten Platz gelegen hatte.

Der Wettkampf im "Wikingerschiff" hatte für Pechstein schon mit einem kleinen Schock begonnen. Im 500-m-Rennen rammte sie sich nach etwa 35 Metern die rechte Kufe an die linke Achillessehne. Der Fehltritt zog eine kleine, aber schmerzhafte Wunde nach sich. "Gott sei Dank war der Schuh dazwischen, sonst wär es richtig übel geworden", sagte Pechstein. Die Entwicklung in der Nacht danach hatte mit diesem Unfall allerdings nichts zu tun.

Verkorkstes Wochenende für Pechstein

"Sie ist ganz tief am Boden. Sie liebt den Wettkampf, sie liebt das Eis, und jetzt liegt sie im Bett. Das ist große Scheiße", meinte Pechsteins Trainer Peter Mueller, der sich wie alle deutschen Teammitglieder im `Wikingerschiff" keine Mühe gab, seinen Frust zu verbergen.

"Von vorne bis hinten tragisch" sei die Woche verlaufen, sagte Frauen-Bundestrainer Markus Eicher und spielte damit auch auf Vize-Europameisterin Daniela Anschütz-Thoms an. Die Erfurterin hatte bereits am Mittwoch wegen eines Infekts ihren Startverzicht verkündet. Kleiner Trost für Eicher war, dass der Ausfall Pechsteins keine Auswirkungen auf Qualifikationsplätze für künftige Wettkämpfe hatte.

Pechstein verpasst Titel der ältesten Siegerin bei der Mehrkampf-WM

Dr. Lutz sprach mit Blick auf Pechsteins Symptomatik von einem "klaren Fall". Der Schüttelfrost, die plötzlich aufgetretenen Gliederschmerzen und das Fieber, das 39 Grad überstieg, sprächen für eine Influenza-Grippe, sagte Lutz. Neben dem Mediziner stand Teamleiter Helge Jasch und telefonierte fast pausenlos, um die vorzeitige Heimreise von Pechstein in die Wege zu leiten. "Claudia ist nicht unbedingt in der Stimmung, noch lange hier zu bleiben", sagte Jasch.

Pechstein verpasste es damit, sich in der 76-jährigen Geschichte der Mehrkampf-WM zur ältesten Siegerin zu krönen. Bei ihrem 17. Start bei einer Mehrkampf-WM musste sich die erfolgreichste deutsche Wintersportlerin zum ersten Mal vorzeitig geschlagen geben. Bislang stehen für Pechstein eine Gold-, acht Silber und zwei Bronzemedaillen zu Buche. Das Double aus Mehrkampf-WM- und EM-Titel war zuletzt Anni Friesinger 2005 gelungen.

(sid, N24)

08.02.2009 13:14 Uhr

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