Kur festgenommen
Kardelens Eltern erleichtert
Nach der Festnahme des mutmaßlichen Mörders der achtjährigen Kardelen, Ali Kur, zeigten sich die Eltern des Mädchens erleichtert. Kur hatte sich den Behörden in der Türkei gestellt.
Nach der Festnahme des mutmaßlichen Mörders der kleinen Kardelen hat sich der mit den Ermittlungen betraute Staatsanwalt Ralf Vetter in Paderborn erleichtert geäußert. Auch die Eltern des getöteten achtjährigen Mädchens sagten, sie freuten sich über die Festnahme und bedankten sich bei den Ermittlern. "Ich weiß, dass meine Tochter gestorben ist und freue mich, dass andere Kinder gerettet worden sind, weil er gefasst wurde", sagte Kardelens Mutter in türkischer Sprache vor Journalisten. Der Vater fügte hinzu: "Unser Schmerz ist unser Schmerz. Und das kann nur Gott wissen, was wir leiden mussten, was wir durchmachen mussten."
Laut Staatsanwaltschaft wurde der gesuchte Ali Kur aus einem Auto heraus in der Türkei festgenommen. "Die Staatsanwaltschaft Paderborn wird alles tun, dass das Verfahren in der Türkei durchgeführt werden kann", sagte Vetter. Die Ermittler hätten bislang vergeblich versucht, Kontakt zur Ehefrau von Kur in der Türkei zu bekommen.
Der mutmaßliche Mörder der achtjährigen Kardelen aus Paderborn hatte sich auf Druck seiner Familie der türkischen Polizei gestellt. Der Schwiegervater des Mordverdächtigen habe tagelang die Spur des Mannes verfolgt und die deutschen Ermittler schließlich davon verständigt, dass Kur aufgegeben habe. "Die türkische Polizei hat dem Bundeskriminalamt die Festnahme bestätigt", sagte der ermittelnde Staatsanwalt Ralf Vetter.
Die türkischstämmige Kardelen war am 12. Januar in der Nähe ihres Elternhauses in der ostwestfälischen Stadt verschwunden. Drei Tage später wurde ihre Leiche im Sauerland entdeckt. Die Ermittlungen ergaben später, dass die Achtjährige in der nahen Wohnung des türkischen Nachbarn Kur missbraucht und erstickt worden war.
Schwiegervater folgte Kur
Kur habe sich in der Ortschaft Didim im Haus einer Tante aufgehalten, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Der Schwiegervater Kurs, Kadir Ayaz, sagte, die Familie sei der Spur des Gesuchten bereits fünf Tage gefolgt. Kur habe sich schnell der Polizei ergeben, als er seinen Schwiegervater in der Kleinstadt Didim gesehen habe. In den vergangenen Tagen war in Deutschland die Befürchtung laut geworden, Kur könne wegen der Tat vor einer Festnahme umgebracht werden. Der Schwiegervater sagte, er habe Kur der Justiz übergeben wollen.
Der 29-Jährige war mit seiner Frau zwei Tage nach dem Verbrechen vom Flughafen Köln/Bonn aus nach Izmir in die Türkei geflohen. "Wir haben keine Anhaltspunkte, dass sie sich strafbar gemacht hat", sagte Vetter. Selbst wenn sie ihren Mann gedeckt haben sollte, wäre das gemäß deutschem Recht straffrei. Der Vater der Ehefrau lebe auch in Paderborn, sei dem Paar in die türkische Heimat hinterhergereist und habe Nachforschungen angestellt, auch "um seine Tochter zu finden und zurückzubringen", sagte der Staatsanwalt.
Keine Auslieferung an Deutschland
Die türkische Justiz will nach Angaben der deutschen Ermittler Kur nicht an Deutschland ausliefern. Er werde nach dem Stand der Dinge in der Türkei vor ein Gericht gestellt werden, sagte Vetter. "Ich gehe nicht davon aus, dass eine Auslieferung erfolgt." Allerdings erhoffe sich die deutsche Mordkommission von der Aussage der Ehefrau Aufschluss darüber, wie Kur das tote Mädchen nach dem Mord in Paderborn zu dem 60 Kilometer entfernten Möhnesee bringen konnte. Der 29-Jährige mutmaßliche Märder besitzt weder einen Führerschein noch ein Auto. Bisher gebe es aber keine Anhaltspunkte auf Komplizen. Das Verbrechen hatte in Deutschland und in der Türkei Wut, Trauer und Entrüstung ausgelöst.
Der Schwiegervater des mutmaßlichen Mörders habe sich nach Bekanntwerden des Verdachts mit den Eltern Kardelens getroffen, berichtete die Staatsanwaltschaft. Bei dem von starken Gefühlsausbrüchen geprägten Gespräch habe der Türke sich für die Tat seines Schwiegersohns entschuldigt und betont, dass dass Ali Kur gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden müsse.
(dpa, N24)
11.02.2009 12:53 Uhr








