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Stolze Hamburgerin

Loki Schmidt jetzt Ehrenbürgerin

Loki Schmidt, Ehefrau von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, ist zur Ehrenbürgerin Hamburgs ernannt worden. Mit ihrer "Loki-Art" habe sie sich dafür qualifiziert, so Bürgermeister Ole von Beust.

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Loki Schmidt ist zur Ehrenbürgerin der Stadt Hamburg ernannt worden.
"Ich bin der Mann mit der schnellen Schnauze." (1957, in seiner ersten Amtszeit als Bundestagsabgeordneter)
"Man muss die Tugenden wieder pflegen, nicht durch theoretischen Unterricht, sondern eben dadurch, dass man selber Beispiel und Vorbild gibt." (1999, im Foto mit SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier)
"Ein Punkt missfällt mir in Berlin. Die Gigantomanie des neuen Bundeskanzleramts, …
… der angeberische Abgeordneten-Neubau und das allzu riesig geplante Holocaust-Denkmal." (2000, im Foto mit SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier)
"Das Schneckentempo ist das normale Tempo in der Demokratie." (2003, im Foto mit SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier)
"Journalisten sind insgesamt wie Politiker, sie reichen vom Staatsmann bis zum Verbrecher." (2005, im Foto mit SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier)
"Willen braucht man. Und Zigaretten." (2006 auf die Frage, ob man Leidenschaft für seine Arbeit braucht, im Foto mit SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier)
"Für mich bleibt das eigene Gewissen die oberste Instanz." (im Foto mit SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier)
"Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen." (Über Willy Brandts Visionen im Bundestagswahlkampf 1980, im Bild mit Altkanzler Gerhard Schröder)
"Ich habe das Grundgesetz nicht angeguckt in jenen Tagen." (Zur Sturmflut in Hamburg 1962, wo er als Krisenmanager erstmals bundesweit bekannt wurde, im Bild mit Altkanzler Schröder)
"Politik entwickelt sich im Laufe des Lebens ohne Zweifel zu einer tiefgreifenden Leidenschaft." (1974, als Bundesfinanzminister; Im Foto mit Ex-Parteichef Hans-Jochen Vogel)
"Mir scheint, dass das deutsche Volk - zugespitzt - fünf Prozent Preisanstieg eher vertragen kann als fünf Prozent Arbeitslosigkeit."
"In der Krise beweist sich der Charakter."
"Die Demokratie lebt vom Kompromiss. Wer keine Kompromisse machen kann, ist für die Demokratie nicht zu gebrauchen." (Als Bundeskanzler)
"Denn keine Begeisterung sollte größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft." (Abschiedsrede im Bundestag am 10. September 1986)
"In den grundlegenden Fragen muss man naiv sein. Und ich bin der Meinung, dass die Probleme der Welt und der Menschheit ohne Idealismus nicht zu lösen sind." (1996 - Buch "Erinnerungen und Reflexionen")
"Wir Deutsche haben allen Grund, mit Zähigkeit an unserer Demokratie festzuhalten, …
… sie immer wieder zu erneuern und ihren Feinden immer wieder tapfer entgegenzutreten." (2007, bei der Entgegennahme der Ehrendoktorwürde der Universität Marburg)
"Wenngleich ich inzwischen der SPD mehr als 60 Jahre angehöre, weil sie nach meiner ungeminderten Meinung …
... bei weitem am besten meinen moralischen Wertvorstellungen entspricht, habe ich …
… gleichwohl des öfteren Konflikte mit meiner Partei durchstehen müssen. ...
Aber tatsächlich bin ich immer Sozialdemokrat geblieben." (2008, Buch "Außer Dienst")
Das Ende seiner Amtszeit liegt zwar schon ein Vierteljahrhundert zurück, doch gilt Helmut Schmidt unter den Deutschen als der beliebteste Bundeskanzler. Er feiert am 23. Dezember seinen 90. Geburtstag.
In einem Zeitungsinterview wurde Schmidt gefragt, was er sich denn zum 90. wünsche. Der Alt-Kanzler, bekannt für klare Worte, erwiderte ganz einfach: "Zufrieden gelassen zu werden."
Gefeiert wird im engsten Kreise in Hamburg-Langenhorn, wo er schon seit Jahrzehnten mit seiner Frau Loki lebt.
Helmut Schmidt, Zeitzeuge des vergangenen und Kritiker des laufenden Jahrhunderts, vertrauten die Menschen in den größten Krisen, sei es bei der Hamburger Flutkatastrophe 1962 oder während der RAF-Hochphase.
Geboren wird Helmut Heinrich Waldemar Schmidt am 23. Dezember 1918 im Hamburger Arbeiterstadtteil Barmbek als Sohn des Studienrats Gustav Schmidt und dessen Frau Ludovica.
1937 macht Helmut Schmidt sein Abitur an der Lichtwark-Schule. Hier lernt er auch seine spätere Ehefrau Hannelore "Loki" Glaser kennen.
Ab 1939 ist Schmidt Soldat im Zweiten Weltkrieg. Zunächst bei der Bremer Luftabwehr, von 1941 bis 1942 an der Ostfront und 1944 bis 1945 als Oberleutnant an der Westfront. Nach seiner Rückkehr von der Ostfront im Frühjahr 1942 heiratet er seine Loki.
1944 wird sein Sohn Walter geboren, der aber mit nur acht Monaten an einer Hirnhautentzündung stirbt. 1947 wird sein zweites Kind, Tochter Susanne, geboren.
Bei Kriegsende gerät Schmidt in britische Kriegsgefangenschaft, kehrt aber am 31. August 1945 nach Hamburg zurück (Archivfoto vom 3.5.1945).
1945 beginnt Schmidt sein Studium der Volks- und Staatswissenschaft an der Universität Hamburg, unter anderem bei dem späteren Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller (SPD).
Seine Diplomarbeit verfasst Schmidt 1949. Das Thema ist zu der Zeit hochaktuell: "Die Währungsreform in Japan und Deutschland im Vergleich" (Archivfoto vom 21.6.1948).
1946 tritt Helmut Schmidt der SPD bei. Von 1953 bis 1962 ist er erstmals Mitglied des Deutschen Bundestages. Ab 1957 gehört er dem SPD-Bundesvorstand an.
Schmidt ist für sein Redetalent und für seine Schlagfertigkeit bekannt und trägt den Spitznamen "Schmidt-Schnauze". 1961 übernimmt er das neu geschaffene Amt des Hamburger Innensenators und legt sein Bundestagsmandat nieder.
Während der Flutkatastrophe 1962 übernimmt Schmidt das "Krisenmanagement" und macht sich bundesweit einen Namen durch sein energisches und umsichtiges Durchgreifen.
1965 schafft Schmidt wieder den Sprung in den Bundestag (bis 1987). Von 1967 bis 1969 ist er Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. 1968 wird er stellvertretender Vorsitzender (bis 1983). (Archivfoto vom 11.5.1968)
Zum ersten Mal bekleidet Helmut Schmidt das Amt eines Bundesministers - und zwar der Verteidigung (1969 bis 1972) im ersten sozialliberalen Kabinett der Regierung Willy Brandt. In seiner Amtszeit wird der Grundwehrdienst von 18 auf 15 Monate verkürzt.
Von Juli bis November 1972 übernimmt er kurzzeitig das Amt des Bundesministers für Wirtschaft und Finanzen nach dem Rücktritt von Karl Schiller. Im Dezember wird er im zweiten Kabinett Brandts Bundesfinanzminister.
Nach dem Rücktritt Willy Brandts als Regierungschef wegen der Guillaume-Affäre wählt der Bundestag Schmidt am 16. Mai 1974 mit 267 Ja-Stimmen zum 5. Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.
Die größten Herausforderungen in seiner Regierungszeit waren die Ölkrisen der 1970er Jahre, die die Bundesrepublik unter seiner Führung besser überstand als die meisten anderen Industriestaaten, …
… und der Terrorismus der Rote Armee Fraktion im sogenannten Deutschen Herbst, der zu den schwierigsten Phasen in seinem Leben gehört. Vor allem die Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer setzt Schmidt zu.
Die RAF fordert die Haftentlassung von Andreas Baader und 11 weiteren Gefangenen. Schmidt weigert sich aus Gründen der Staatsräson ("Die Bundesrepublik ist nicht erpressbar") den Forderungen nachzugeben.
"Ich bin verstrickt in Schuld - Schuld gegenüber Schleyer und gegenüber Frau Schleyer", gibt Schmidt später zu. Seine Entscheidungen während der Entführung hält er nach wie vor für richtig - genauso wie sein Eintreten für die umstrittene Stationierung ...
... der US-Atomraketen "Cruise Missile" und "Pershing II" in der Bundesrepublik. 1980 wird er erneut zum Kanzler einer SPD-FDP-Koalition gewählt. Für die Union unterliegt Franz Josef Strauß. 1976 war schon Helmut Kohl (CDU) als Herausforderer gescheitert.
Schmidt, der Europa-Politiker: Gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing verbessert Schmidt die deutsch-französischen Beziehungen …
… und verwirklicht entscheidende Schritte hin zur weiteren europäischen Integration: Die Einführung des Europäischen Währungssystems und der Währungseinheit zum 1. Januar 1979.
Am 11. Dezember 1981 reist Schmidt zum ersten Mal in seiner Amtszeit in die Deutsche Demokratische Republik, um Staats- und Parteichef Erich Honecker zu treffen. Schmidt hält Willy Brandts Kurs in der Ostpolitik bei.
1982 wendet sich das Blatt: Am 1. Oktober wird Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt. Der Bundestag wählt Helmut Kohl (CDU) zu seinem Nachfolger.
Zuvor scheitert im Spätsommer 1982, vor allem wegen Differenzen im Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik, die sozialliberale Koalition. Am 17. September 1982 treten sämtliche FDP-Bundesminister zurück.
Während seiner politisch aktiven Zeit, aber auch danach, findet sein ökonomischer Sachverstand eine breite Anerkennung. Mit Valéry Giscard d'Estaing und mit dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger ist er freundschaftlich verbunden.
Helmut Schmidt setzt sich nicht zur Ruhe und bleibt im Blickpunkt des öffentlichen Geschehens: Ab 1983 wird er Mitherausgeber der Wochenzeitung die "Zeit".
1986 gründet er mit Valéry Giscard d'Estaing den Ausschuss für die europäische Währungsunion und unterstützt die Einrichtung der europäischen Zentralbank.
Schmidt veröffentlicht zahlreiche Bücher, …
… reist, hält Vorträge weltweit …
… und wird mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Helmut Schmidt ist bekennender Kettenraucher. Niemand kann ihm das Rauchen verbieten, sei es auf SPD-Parteitagen oder in Fernsehstudios. Einzig im Plenarsaal des Deutschen Bundestages steigt er auf Schnupftabak um.
Wie lautet sein Geheimrezept? "Willen braucht man. Und Zigaretten." Herzlichen Glückwunsch!

Hamburg ehrt seine Loki - und schwärmt von der "Loki-Art": Bürgermeister Ole von Beust hat Loki Schmidt (89), Ehefrau von Altkanzler Helmut Schmidt, zur 34. Ehrenbürgerin der Freien und Hansestadt ernannt. "Sie waren nie nur die "starke Frau" im Hintergrund. Sie waren stets eigenständig, prägten den gemeinsamen Lebensweg deutlich mit", sagte Beust bei einem Festakt im Rathaus. "Sie sind im besten Sinne hamburgisch: bodenständig, ehrlich, humorvoll, hanseatisch zurückhaltend", beschrieb er die "Loki-Art".

Die neue Ehrenbürgerin bedankte sich für "die größte Ehre, die einem Hamburger widerfahren kann". "Ich bin stolz eine Hamburgerin zu sein", sagte sie den Tränen nah und erheiterte die Gäste, als das Mikrofon nicht gleich funktionierte: "Ist meine kleine Piepsstimme jetzt zu verstehen?", fragte sie in unüberhörbarer Hamburger Tonfall. Mehr als 200 Gäste waren zur Feier gekommen, zu der die Geehrte mit ihrem Ehemann erschien. Helmut Schmidt (90) ist bereits seit 1983 Ehrenbürger der Hansestadt.

"Verkörperung der Hamburger Seele"

Prominente Gäste gratulierten der 89-Jährigen, die am 3. März 90 Jahre alt wird. "Loki ist die Verkörperung der Hamburger Seele. Sie hat es mehr als verdient", meinte TV-Moderator Reinhold Beckmann, Mitautor ihres Buches "Erzähl doch mal von früher". Ex-Bürgermeister Hennig Voscherau berichtete: "Ich weiß, sie ist sehr hingerissen hinsichtlich dieser Ehre." Sie sei eine "engagierte, jahrzehntelange Naturschützerin" und auch "in schwierigen Lebenslagen eine ganz große Frau". Voscherau nannte ihre Art "nüchtern, hamburgisch, ehrlich und klug", Fußball-Idol Uwe Seeler lobte ihre Bodenständigkeit.

Die Stifterin und Professorin Loki Schmidt setzt sich seit Jahrzehnten für bedrohte Pflanzenarten ein. Seit 1980 kürt sie die "Blume des Jahres". "Natur- und Umweltschutz zu einem gesellschaftlich akzeptierten Wert zu machen und damit zum Durchbruch zu verhelfen, ist ein maßgebliches Verdienst von Loki Schmidt", sagte Berndt Röder, Präsident der Hamburgischen Bürgerschaft, die am Vorabend die Verleihung der Ehrenbürgerwürde einstimmig beschlossen hatte. Schon als "lütte Deern" hatten es ihr Blumen, Kräuter und Gräser angetan, wie Röder berichtete.

Vierte Frau mit Ehrentitel

Besonders bewunderte das Mädchen das Rosengewächs "Frauenmantel", erzählte er über die kleine Hannelore, die sich selbst als Kind den Namen Loki gab. "Wer kennt sie denn eigentlich unter dem wirklichen Vornamen?", fragte Röder und meinte: "Loki hingegen kennt jeder!" Bürgermeister Beust erinnerte daran, dass die Ausgezeichnete "nicht nur Siegfried Lenz für den Schutz von Pflanzen gewonnen, sondern eine ganze Nation dafür begeistert" hat. Beust: "Wir sind stolz auf Sie!"

Schriftsteller Lenz, bei dem sie "leise indirekt und in anmutig aufklärerischer Weise" für Wandlung sorgte, ist ein Freund der Familie Schmidt und selbst Hamburger Ehrenbürger. "Fast 200 Jahre nach der ersten Verleihung ist und bleibt das Ehrenbürgerrecht eine ganz besondere Auszeichnung", betonte Röder noch einmal. Loki Schmidt wurde als vierter Frau die Ehre zuteil. Von der Energie Loki Schmidts, die in der jüngsten Vergangenheit gesundheitlich angeschlagen wiederholt ins Krankenhaus musste, konnten sich die wartenden Kamerateams überzeugen. Als diese nach der Verleihung auf ein weiteres Statement warteten, rief sie ihnen nur kurz und energisch zu: "Das haben sie doch gemerkt, ich habe fast geheult!"

(dpa, N24)

12.02.2009 13:31 Uhr

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