Ungeahnte Dimensionen?
HRE: Falschinterpretation der Lage
Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate hat Medienberichte zurückgewiesen, wonach Milliardengeschäfte gemacht wurden, die nicht in der Bilanz standen. Die Lage wurde falsch interpretiert.
Der schwer angeschlagene Münchener Staats- und Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) hat einen Medienbericht über einen angeblichen Refinanzierungsbedarf in Höhe von einer Billion Euro zurückgewiesen. Dies sei eine Falschinterpretation der Sachlage, erklärte der MDAX-Konzern. Die HRE verfüge zwar über Derivate mit einem Nominalvolumen in der genannten Größenordnung. Doch müsse nur der Marktwert in der Bilanz verbucht werden, nicht das dahinterliegende Nominalvolumen.
Derivate bedürften keiner Refinanzierung des Nominalwertes. Wie andere Banken und Marktteilnehmer decke auch die HRE mit Derivategeschäften Kredit- und Marktrisiken ab, die sich etwa aus Veränderungen bei Zinssätzen und Währungskursen ergäben. Die Absicherung ziele auf die Vermeidung von Risiken ab, nicht auf das Eingehen zusätzlicher Risiken. Da Derivatepositionen nach den gängigen Marktregeln zumeist mit zusätzlichen Sicherheiten unterlegt werden, könnten sich Liquiditätsbelastungen nach Darstellung des Instituts aus Martkwertveränderungen ergeben.
"Falsche Schlussfolgerung"
Die "Hannoversche Allgemeinen Zeitung" hatte berichtet, die HRE habe knapp eine Billion Euro verliehen und müsse sich in dieser Größenordnung refinanzieren. Dadurch sei die Lage weit dramatischer als angenommen, hatte das Blatt geschlussfolgert.
Flowers-Verhandlungen gehen weiter
Die HRE hat bereits 102 Milliarden Euro an Garantien und Kapital erhalten. Am Mittwoch hatte die Bundesregierung das umstrittene "Rettungsübernahmegesetz" auf den Weg gebracht, mit dem erstmals in der bundesdeutschen Geschichte Banken notfalls auch verstaatlicht und deren Eigentümer enteignet werden können. Zunächst will sich der Bund über Kapitalmaßnahmen die Mehrheit an der HRE sichern. Allerdings steht dem noch der US-Finanzinvestor J.C. Flowers im Weg, der knapp 25 Prozent an der Bank hält.
Flowers verlangt von der Bundesregierung im Falle des Ausstiegs eine Entschädigung, die sich an dem Aktienkurs orientieren soll, der in den zwei Wochen vor dem Aufkommen der Verstaatlichungsgerüchte am 8. Januar gegolten habe. "Hier sprechen wir über knapp drei Euro pro Aktie", sagte Christopher Flowers der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er hatte bei seinem Einstieg 22,50 Euro für die HRE-Aktie bezahlt. Am Donnerstagnachmittag lag der Kurs bei 1,64 Euro
(ddp, dpa, N24)
20.02.2009 06:50 Uhr





