Verloren, aber glücklich
Macher des RAF-Films feiern
Für den Oscar hat es nicht ganz gereicht - doch für die Filmcrew von "Der Baader Meinhof Komplex" kein Grund, allzu traurig zu sein. Schon die Nominierung war für sie ein großer Erfolg.
Die Oscar-Träume sind geplatzt - aber die Macher des RAF-Films "Der Baader Meinhof Komplex" lassen deshalb den Kopf nicht hängen. Nach der Preisvergabe in Hollywood feierte das Team um Erfolgsproduzent Bernd Eichinger und Regisseur Uli Edel bis in den frühen Morgen zumindest die Nominierung für den wichtigsten Filmpreis der Welt.
"Klar kommt man hierher, um zu gewinnen. Aber verlieren tut niemand", sagt Edel. "Es ist eine unglaubliche Ehre, so weit zu kommen und das alles hier mitzuerleben. Bei der Fussball-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren haben die Deutschen ja auch bewiesen, dass man feiern kann, ohne selbst Sieger zu sein."
Auch Schauspielerin Martina Gedeck, beim deutschen Empfang einen Tag zuvor als "Germany's leading lady" vorgestellt, weist jeden Gedanken an Enttäuschung zurück. "Das war ein ganz wunderschönes Erlebnis hier. Ich bin noch sehr erfüllt und voller Glück", sagt sie und nutzt gleich ihr aufgefrischtes Englisch: "If you win, you win. And if you don't win, you also win - so muss man das sehen."
Überraschungssieger "Departures"
Überraschend hatten bei der Vergabe des Auslands-Oscars weder "Der Baader Meinhof Komplex" noch der als Favorit gehandelte israelische Animationsfilm "Waltz Witz Bashir" das Rennen gemacht. Stattdessen wurde völlig unerwartet der japanische Film "Departures" (Abschiede) gekürt. Regisseur Yojiro Takita, bisher vor allem mit Pornofilmen bekannt, erzählt darin mit trockenem Humor die skurrile Geschichte eines arbeitslosen Cellisten, der seine Erfüllung als ritueller Leichenwäscher findet.
Er habe vorerst nur einen Ausschnitt des Films gesehen, sagte Edel. "Aber das war super. Und es zeigt, dass die Oscar-Akademie keine Vorurteile hat. Das finde ich grandios." Die Stimmung bei der Constantin-Party in der südländisch anmutenden Freiluftlandschaft des Nobelhotels Sunset Marquis ist deshalb glänzend. Es fließt Schampus in Strömen, die deutschen Hollywood-Altmeister Wolfgang Petersen ("Das Boot") und Roland Emmerich ("Independence Day") kommen zum Gratulieren - und auch der einzige neu mit einem Oscar bedachte deutsche Filmemacher Jochen Alexander Freydank taucht auf, seinen Goldmann fest im Griff.
"Ein tolles Gefühl"
"Den lasse ich vorerst nicht aus den Augen", sagt der 41-Jährige Berliner mit einem Lächeln, das von einem Ohr zum anderen reicht. "So ganz kapiert habe ich noch nicht, was da heute passiert ist, aber es ist jedenfalls ein tolles Gefühl." In seinem Holocaust-Drama "Spielzeugland", das als bester Kurzfilm ausgezeichnet wurde, erzählt er eindringlich und berührend von einer Mutter, die ihren Sohn vor dem Wissen um die Judenverfolgung bewahren will.
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Vier Jahre hat Freydank an dem nur 14 Minuten langen Streifen gearbeitet. "Ich denke, wir sollten solche Filme weiter machen, solange wir etwas zu sagen haben. Es war eine Art politisches Statement, auch wenn es als Film natürlich eine emotionale Geschichte sein muss", sagte er. Nach dem Erfolg will der Regisseur jetzt möglichst einen Langfilm drehen. Zwei, drei Geschichten habe er im Hinterkopf und hoffe auf Rückenwind durch den Oscar, sagte Freydank. "Es wird ein düsterer Thriller oder eine schwarze Komödie, mehr will ich noch nicht verraten."
(Nada Weigelt, dpa / N24)
23.02.2009 14:02 Uhr









