Die Liga ist in Aufruhr. Nach dem Vergehen Hoffenheims gegen Doping-Richtlinien stellen sich mehrere Funktionäre hinter Coach Rangnick. Sportrichter Martens kritisiert diese "Rudelbildung".
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Dirk-Reiner Martens, Richter am Internationalen Sportgerichtshof (CAS), hat die Aussagen verschiedener Fußball-Funktionäre in der "Doping-Affäre" beim Bundesliga-Herbstmeister 1899 Hoffenheim kritisiert. "Sie sollten besser informiert sein und das differenzierter sehen", sagte Martens der Tageszeitung "Die Welt": "Das Prinzip der Dopingkontrollen als solches kann man nicht infrage stellen. Das wäre ungeheuerlich."
Meier, Völler und Beiersdorfer stellen sich vor Hoffenheim
Martens leitete in einem ähnlich gelagerten Fall, bei dem zwei italienische Fußballer zu je einem Jahr Sperre verurteilt wurden, das CAS-Schiedsverfahren. In der Diskussion um die zehnminütige Verspätung der Hoffenheimer Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker bei einer Dopingkontrolle nach dem Spiel bei Borussia Mönchengladbach (1:1) hatte der Kölner Manager Michael Meier eine mögliche Sperre als "Ungeheuerlichkeit" bezeichnet.
Seine Kollegen Rudi Völler (Bayer Leverkusen) und Dietmar Beiersdorfer (Hamburger SV) hatten den Einspruch Mönchengladbachs gegen die Spielwertung ebenfalls kritisiert. Gleichzeitig betonte der Münchner Jurist, dass die Mindeststrafe für das Vergehen der Spieler ein Jahr betrage: "Die Standardsanktion für einen Dopingverstoß sind zwei Jahre. Diese Sperre kann ermäßigt werden bei nicht wesentlichem Verschulden, aber nur um höchstens die Hälfte. Da bliebe dann also ein Jahr übrig. Weniger als ein Jahr geht also nicht. Es sei denn, es liegt überhaupt kein Verschulden vor."
Ausmaß des Verstoßes unerheblich
Der Umfang der Verspätung könne "keinen Einfluss" auf das Ausmaß der Bestrafung haben, sagte Martens am Abend im DSF mit Bezug auf den italienischen Fall. Damals waren die betroffenen Spieler mit 30-minütiger Verspätung zur Dopingkontrolle erschienen.
Zuvor war Hoffenheim-Trainer Ralf Rangnick in die Offensive gegangen. Laut dem Coach sind Verstöße gegen die Anti-Doping-Richtlinien, wie sie seine beiden Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker begangen haben, in der Eliteklasse an der Tagesordnung.
Kurz frisch machen ist üblich
"Bei uns war es in der Vergangenheit des öfteren so, dass sogar der Dopingbeauftragte gesagt hat, die Spieler können nochmal kurz in die Kabine gehen und sollen sich ein frisches Trikot anziehen", sagte Rangnick im Südwestfernsehen: "Ich habe jetzt auch mit einigen Trainer-Kollegen gesprochen. Es ist auch in anderen Vereinen so, dass es durchaus die Möglichkeit gibt oder sogar aufgefordert wird, nochmal kurz ein Trikot anzuziehen."
Ibertsberger und Janker hatten bei den unangemeldeten Doping-Kontrollen nach dem Bundesliga-Spiel am 7. Februar 2009 bei Borussia Mönchengladbach (1:1) gegen die Richtlinien verstoßen, weil sie mit zehnminütiger Verspätung zur Kontrolle erschienen waren.
Die Vorschriften besagen, dass sich die Spieler unmittelbar nach dem Abpfiff direkt vom Spielfeld in den Dopingkontroll-Raum begeben müssen. Aufgrund dieses Regelverstoßes ermittelt der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf Antrag der DFB-Anti-Doping-Kommission gegen die Profis.
Tatsächlich zehn Minuten zu spät?
Die Verantwortlichen der Hoffenheimer widersprechen mittlerweile der bisherigen Darstellung, wonach eine Teamsitzung der Grund für die Verspätung von Ibertsberger und Janker war. "Es gab keine Mannschaftzssitzung", sagte Manager Jan Schindelmeiser dem kicker. Laut Schindelmeiser habe Rangnick nach dem Spiel "zwei, drei Sätze zur Mannschaft gesagt. Wer dabei alles anwesend war, muss noch recherchiert werden."
Schindelmeiser will außerdem überprüfen, ob die Verspätung der beiden Profis tatsächlich zehn Minuten betragen habe und ob ein Missverständnis zwischen dem Kontrolleur und dem Hoffenheimer Mannschaftsarzt zu der prekären Lage geführt habe.
Neben einer Sperre von einem Jahr für Ibertsberger und Janker droht Hoffenheim mittlerweile auch ein Punktabzug, da die Mönchengladbacher Verantwortlichen am Sonntagabend Einspruch gegen die Wertung des Spiels eingelegt haben.