Matthias Platzeck
Vom PDS-Gegner zu Rot-Rot
Lange hat Matthias Platzeck bei der Linkspartei Rot gesehen. Diese Aversion hat er nun abgelegt - aus Angst vor dem Machtverlust. So wird sogar aus dem PDS-Gegner ein Rot-Rot-Befürworter.
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Klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten. Auch wenn Matthias Platzeck die Ehre der SPD gerettet hat, bleibt von seinem Kurswechsel ein schaler Geschmack zurück. Platzeck - vom PDS-Gegner zum Rot-Rot-Befürworter. (im Bild mit seiner Frau Jeanette Jesorka) Während die Sozialdemokraten am Wahlabend des 27. September 2009 sowohl im Bund als auch in Schleswig-Holstein abstürzen, wird die märkische SPD mit ... ... Matthias Platzeck wieder stärkste Kraft. Damit bleibt der seit 2002 regierende Potsdamer auch die nächsten fünf Jahre Ministerpräsident des Landes – allerdings … … mit einem anderen Bündnispartner. Nach zwei großen Koalitionen hat sich der 55-Jährige für das erste rot-rote Bündnis im Land ausgesprochen. Die Entscheidung ist … … umstritten. Überschattet wird die Liaison von der Stasi-Vergangenheit der Linken-Chefin, Kerstin Kaiser. Das ist kein Geheimnis. Kaiser hat längst bekannt, dass ... ... sie sich als Schülerin zur IM-Tätigkeit beim Staatssicherheitsdienst der DDR verpflichtet und während ihres Studiums in Leningrad über Kommilitonen an die Stasi berichtet hatte. Auf Druck der SPD verzichtet Kerstin Kaiser nun auf ein Ministeramt. Rot-Rot kann kommen, obwohl ... … Matthias Platzeck lange Zeit als entschlossener PDS-Gegner galt. Wohl aus Angst vor dem "Simonis"-Effekt holt er nun deren Nachfolgepartei an den Kabinettstisch. Der Brandenburger SPD-Chef befürchtet angeblich, dass er nicht die nötige Parlamentsmehrheit für seine Wiederwahl erhält, wenn er die Koalition mit der CDU fortsetzt. (im Bild mit CDU-Landeschefin Wanka und Linke-Landeschefin Kaiser, l.) Noch 1998 setzte sich der als besonnen, aber auch machtbewusst und pragmatisch geltende Politiker im Rennen um das Amt des Potsdamer Oberbürgermeisters gegen eine PDS-Mitbewerberin durch. (im Bild: Platzeck bekommt die Amtskette umgelegt) Ein Jahr später verhinderte Platzeck gegen den Willen der SPD-Ikone Regine Hildebrandt eine Koalition mit der SED-Nachfolgepartei und stellte … … die Weichen für eine rot-schwarze Regierung mit der CDU, die zehn Jahre hielt. Platzeck ist mit Abstand Brandenburgs populärster und bekanntester Politiker. Er gilt als … (im Bild mit dem damaligen CDU-Landeschef Schönbohm) … fair, loyal und als einer, der die Bodenhaftung zum normalen Alltagsleben seiner Wähler nie ganz verloren hat. Zu DDR-Zeiten hat der Diplom-Ingenieur auf dem Gebiet der Lufthygiene gearbeitet. Die Umweltverschmutzung hat ihn zu politischem Engagement getrieben - auch gegen den herrschenden Staat. (im Bild Platzeck 1997 als Umweltminister an der Oder) Für die DDR-Grünen sitzt er in der ersten frei gewählten Volkskammer, später wird der Bündnis 90-Politiker Umweltminister im Kabinett von Manfred Stolpe (r.). Erst 1995 trat er der SPD bei, nachdem er die Fusion von Bündnis 90 mit den westdeutschen Grünen abgelehnt hatte. Und jetzt, fast 15 Jahre später, wählt Matthias Platzeck lieber den Neubeginn mit der Linken als die Verlängerung von Rot-Schwarz. Klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten. Und noch ein Rückzug: Oskar Lafontaine sagt Tschüss zur Bundespolitik. Er wird wegen seiner Krebserkrankung den Linken-Vorsitz aufgeben und sein Bundestagsmandat niederlegen. Der Mann von der Saar wird der Bundespolitik fehlen. Egal, ob man ihn als knallharten Oppositionspolitiker und brillanten Rhetoriker anerkennt oder ... ... als Linkspopulist und treulosen Genossen verurteilt. Vor allem aber wird er der Linkspartei fehlen. Denn er ist die zentrale Führungsfigur der Partei - und scheint damit unersetzlich. Das mag auch daran liegen, dass dieser Mann große Auftritte liebt. In seiner Karriere hat er schon für so manchen Paukenschlag gesorgt. Hier ein kurzer Rückblick: ... Landtagswahl im August 2009: Die Linke holt im Saarland mit Lafontaine als Spitzenkandidat das Traumergebnis von 21,3 Prozent der Stimmen. Damit wird sie drittstärkste Kraft. Anfang September 2009 wählt ihn die neue Fraktion eigentlich nur für den Übergang zum Vorsitzenden. Doch dann die große Überraschung! Ein paar Tage später eröffnet Lafontaine den Kollegen der Bundestagsfraktion plötzlich, dass er nicht mehr für den Fraktionsvorsitz kandidiert. Er will sich lieber auf sein Heimatland konzentrieren, das Saarland. Das schockt auch die Saar-Grünen. "Der Egomane Lafontaine zeigt wieder, dass ihm jegliches Verantwortungsbewusstsein fehlt", sagt Generalsekretär Stephan Toscani. "Heute so, morgen so. Das ist typisch Lafontaine." So entscheiden sich die Saar-Grünen wenig später gegen ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis und für eine "Jamaika"-Koalition – ein Novum in der bundesdeutschen Geschichte. Lafontaines Vorhaben, die seit 1999 regierende CDU unter Peter Müller (l.) zu stürzen, scheitert damit. Dementsprechend kritisch reagiert er auf die Entscheidung der Saar-Grünen: "Das Saarland wird in den nächsten Jahren von einer Koalition regiert, … … die durch Wahlbetrug und Wählertäuschung zu Stande gekommen ist." Das Saarland habe "diese Regierung der Wahlbetrüger nicht verdient", sagt der ehemalige Landesvater. Lafontaine ist gebürtiger Saarländer. Am 16. September 1943 wurde er im Saarlouis-Roden geboren. Von 1985 bis 1998 war er Ministerpräsident des Landes. (hier bei einer Wahlkampfveranstaltung im Juli 2009) Nach dem Wahlsieg der SPD bei der Bundestagswahl 1998 ging er nach Berlin und wurde im Kabinett von Gerhard Schröder Bundesfinanzminister. Doch Lafontaine kann ... ... die Schrödersche Wirtschafts-, Sozial- und Steuerpolitik nicht mittragen. Sie ist ihm zu arbeitnehmerfeindlich. Es kommt zum Bruch des Zweckbündnisses Lafontaine/Schröder. Die Kanzler-"Standpauke" am 10. März 1999 im Kabinett bringt das Fass zum Überlaufen. Dabei soll es um Pläne des Ministers gegangen sein, die die Stromkonzerne belastet hätten. Am 11. März 1999 übermittelt Lafontaine dem "sehr geehrten Herrn Bundeskanzler" und der Partei seine kurzen Rücktrittsschreiben. In seinem Buch "Das Herz schlägt links" rechnet der Privatmann Lafontaine später mit der Politik des Kanzlers der "Neuen Mitte" ab. Lafontaine entfremdet sich immer mehr von seiner Partei und tritt nach 39 Jahren aus der SPD aus. Er begründet den Schritt mit Schröders "Agenda 2010" und der damit verbundenen Hartz-IV-Reform von Rot-Grün. Er tritt zunächst in die WASG ein, die später mit der PDS zur Linkspartei fusioniert. Im Jahr 2007 wird Lafontaine Parteichef der Linken. Schon in den Neunzigern war Lafontaine ein unbequemer Parteikollege. Nach dem Messer-Attentat einer geistig verwirrten Frau während einer Wahlkampfveranstaltung im April 1990 hält Lafontaine die SPD hin, ... … ob er an seiner Kanzlerkandidatur festhalten will. Die ungewisse Situation lähmt die Partei. Letztlich tritt er an, die SPD verliert aber die Wahl. Lafontaine will seine Partei darauf festlegen, … … den Staatsvertrag mit der DDR im Bundestag abzulehnen, im Bundesrat aber passieren zu lassen. Er setzt sich damit in der SPD nicht durch, respektiert aber das klare Ja seiner Partei zum Einigungsvertrag, der am 3. Oktober 1990 in Kraft tritt. Am 16. November 1995 tritt der damalige saarländische Ministerpräsident auf dem Bundesparteitag überraschend an die Spitze der SPD - nach einer beispiellosen Kampfkandidatur gegen … … Rudolf Scharping (l.). Scharping, seit 1993 im Amt, war eine innerparteiliche Krise und eine Serie von Wahlniederlagen in den Ländern angelastet worden. Den alten Weggefährten Lafontaines sind diese Vorfälle allgegenwärtig. Vor diesem Hintergrund und wegen seiner aggressiven Kritik an der SPD werfen sie ihm einen Rachefeldzug vor. Lafontaine bestreitet das. Doch als die Linke bei der Bundestagswahl 2009 mit 11,9 Prozent ein Rekordergebnis einfährt - während die SPD auf 23 Prozent abstürzt - dürfte ein wenig Schadenfreude aufgekommen sein. Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten! Beck, Müntefering, Platzeck: Die ... ... Wechsel an der SPD-Spitze häufen sich. Dabei war das Amt des Parteivorsitzenden lange Zeit ein sicheres Pfund. Kurt Schumacher etwa, der die Partei ... ... nach dem Krieg wieder aufbaute, leitete die SPD ab 1946 sechseinhalb Jahre lang bis zu seinem Tod im August 1952. Erich Ollenhauer blieb von 1952 bis 1963 sogar mehr als ein Jahrzehnt auf dem Posten des obersten Sozialdemokraten, ... ... trotz mehreren niederschmetternden Wahlniederlagen der Partei. (hier beim Tanz mit Hildegard Knef) Willy Brandt, der Architekt der deutsch-deutschen Annäherung, blieb von 1964 bis 1987 sogar 23 Jahre lang an der Spitze der SPD. Er führte die SPD in dieser Zeit in mehrere Bundesregierungen, zunächst mit der CDU, dann mit der FDP. Sein Nachfolger Hans-Jochen Vogel baute die SPD von 1987 bis 1991 - nach dem Ausscheiden aus der Bundesregierung im Jahr 1982 - wieder auf. Trotz der schwierigen Ausgangslage blieb auch er zumindest vier Jahre lang oberster Sozialdemokrat. Und sogar der heutige Linke-Politiker Oskar Lafontaine konnte sich von 1995 bis 1999 vier Jahre lang an der Spitze der SPD halten. Er verhalf Gerhard Schröder im Jahr 1998 ins Kanzleramt, hatte sich dann jedoch mit ihm überworfen und trat zurück. In gewisser Weise ... ... kann dies als Wendepunkt in der Geschichte des obersten SPD-Parteiamts gesehen werden. Als Bundeskanzler und Parteichef in einer Person ... ... hielt es Gerhard Schröder zwar zumindest bis 2004 an der Parteispitze. Doch an der Basis brodelte es inzwischen. Die Parteilager drifteten dank Agenda 2010 und Hartz IV allmählich auseinander. 2004 machte Schröder Platz für Franz Müntefering. Der wollte die unterschiedlichen Strömungen der Partei eigentlich wieder vereinen. Der Schröderianer scheiterte jedoch ausgerechnet an einer personellen Auseinandersetzung mit den Parteilinken. Schon 2005 trat er wieder zurück. Zum Nachfolger Münteferings wurde 2005 der Brandenburger Landeschef Matthias Platzeck gewählt, der damalige große Hoffnungsträger aus dem Osten. Doch ihm machte das Amt gesundheitlich zu schaffen. Nach mehreren Hörstürzen und einem Nervenzusammenbruch gab er den Parteivorsitz im April 2006 weiter. Nun durfte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck sein Glück versuchen. Ungeschickte Äußerungen zum Umgang mit der Linkspartei brachten den ... ... ohnehin schon nicht sonderlich beliebten Parteichef jedoch in die Bredouille und um seine Kanzlerkandidatur. Im September 2008 zog er Konsequenzen und trat auf Drängen der Parteispitze zurück. Kommissarisch übernahm zunächst Frank-Walter Steinmeier die Parteiführung. Schon im Oktober übergab der frisch auserkorene SPD-Kanzlerkandidat den Posten jedoch an ... ... Franz Müntefering. Nach drei Jahren Pause bekam er im Oktober 2008 eine neue Chance. Die SPD-Linke willigte nur zähneknirschend ein. Nach der verlorenen Bundestagswahl im September 2009 ... ... meldete sich der Parteiflügel jedoch erneut zu Wort, forderte personelle Konsequenzen. Müntefering tritt nach nur einem Jahr wieder ab. Sein Nachfolger ist Sigmar Gabriel. Ob es dem SPD-Konservativen und Mitglied des Seeheimer Kreises aber gelingen wird, ... ... die SPD-internen Strömungen zu vereinen, ist fraglich. Ebenso ist völlig offen, ob auch er wieder nur kurz an der Spitze der SPD stehen oder eher zu den langjährigen Parteivorsitzenden gehören wird. Frank-Walter Steinmeier ist am 18. Oktober 2008 mit 95 Prozent zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2009 gewählt worden. Er ist der zehnte SPD-Politiker, der als sozialdemokratischer Kandidat ins Rennen geht. N24.de zeigt seine Vorgänger. Der erste SPD-Kanzlerkandidat 1949: Kurt Schumacher. In den 1950er und 1960er Jahren wurde der Spitzenkandidat meist durch den SPD-Vorstand gewählt. 1953 und 1957: Erich Ollenhauer Willy Brandt kandidierte insgesamt viermal für das Kanzleramt. Nach 1961, 1965 und 1969 wurde Brandt 1972 dann Bundeskanzler. 1976 und 1980 Helmut Schmidt. Beide Male wurde er als Bundeskanzler ernannt. Erst seit 1983 wird der SPD-Kandidat auf den Wahlparteitagen nominiert. Hans-Jochen Vogel wurde einstimmig gewählt. 1987: Johannes Rau (99,06 Prozent) 1990: Oskar Lafontaine (98,74 Prozent) 1994: Rudolf Scharping (95,4 Prozent) 1998, 2002 und 2005: Gerhard Schröder erhielt 1998 93,01 Prozent der Delegiertenstimmen. 2002 und 2005 zog er ins Bundeskanzleramt ein. Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten! "Wir sind das Volk!" Eine Parole, die die Wendezeit wie keine andere prägt, hat ihren Ursprung in der friedlichen Revolution, die im Wesentlichen mit einer Stadt verbunden ist: ... ... Leipzig, "Heldenstadt der DDR". Nach der Wende haben sich viele die Verdienste an der Umwälzung ans Revers geheftet. Doch die wahren Helden sind die tausenden Leipziger, die im Herbst 1989 Montag für Montag auf die Straßen gehen. Die Bewegung findet ihren Ursprung hier, in der zur Legende gewordenen Nikolaikirche. Seit 1982, verstärkt aber Ende der 80er Jahre, wird das Gotteshaus bei den Montagsgebeten Zentrum der Debatte über die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR. Initiator und "Schutzpatron" dieser Treffen ist der Pfarrer der Kirche, Christian Führer, der noch bis 2008 den Kampf gegen Ungerechtigkeit als Kirchenmann führt, bis er in Pension geht. Weil die Stasi die Treffen immer mehr versucht zu kontrollieren, verlagern sich die Aktionen auf die Straße, ab Januar 1989 gibt es erste Demos. Die Staatsmacht beäugt die "konterrevolutionären Zusammenrottungen" mit Argwohn (Bild: 13.3.1989). Um die Bewegung zu beschwichtigen, wird ausgewählten Protagonisten des Protests die Ausreise bewilligt. Doch der Mut wächst. Vor allem in den Tagen der Leipziger Messe, zu der sich gewöhnlich viele ausländische Reporter in der Stadt aufhalten, ... ... ist der Unmut der Menschen nicht mehr zu übersehen. Sie wollen Veränderung - in der DDR. Am 4. September 1989, erste Massenfluchtbewegungen gen Westen sind bereits bekannt, wagen einige, Spruchbänder zu entrollen. Vor laufenden Kameras und den Linsen der Fotografen reißen Stasi-Mitarbeiter in Zivil den Demonstranten die Banner aus der Hand - hilflose Versuche, aufzuhalten, was nicht mehr aufzuhalten ist. In der Folge kommt es zu Festnahmen, die Sicherheitskräfte versuchen die Menschen einzuschüchtern. Doch die Montagsdemos finden dessen ungeachtet immer mehr Zulauf. Am 2. Oktober finden 20.000 Menschen den Weg auf die Straße. Die Polizei prügelt. Die DDR hat zum 40. Jubiläum mit dem Untergang zu kämpfen, selbst der sowjetische Bruder stellt die Weichen auf Perestroika und Glasnost. Doch die DDR-Führung setzt noch einmal zu einem großen Zeichen an: Die am 9. Oktober ... ... erwartete Demonstration soll im Keim erstickt werden. Doch dann kommt die große Trotzreaktion der Leipziger. Alle Drohungen helfen nichts, rund 70.000 Menschen wandern friedlich durch die Straßen. "Keine Gewalt" fordern sie lautstark - und ... ... die überforderte DDR-Führung lenkt ein: Die rund 8.000 in der Stadt konzentrierten Sicherheitskräfte halten sich zurück. Es kommt nicht zu einem befürchteten Massaker wie wenige Monate zuvor auf dem Tian'anmen-Platz in Peking. Der 9. Oktober 1989 ... ... kann als Wendepunkt der friedlichen Revolution bezeichnet werden. Immer mehr Menschen verlieren die Angst vor dem sozialistischen Staat, der nicht mehr ihrer ist. Zu den ... ... folgenden Montagsdemonstrationen finden sich immer mehr Teilnehmer ein. Eine Woche nach dem prekären 9. Oktober ... ... sind es bereits 120.000, am ... ... 23. Oktober kommen 200.000 DDR-Bürger. Auch Spruchbänder nehmen zu. Darauf ist zu lesen, was die Menschen stört. So ist damals keineswegs die ein Jahr später vollzogene Einheit das Ziel. Vielmehr trachten die Demonstranten nach ... ... Reformen, ... ... Reisefreiheit, ... ... freien Wahlen ... ... und der Zulassung neuer Bewegungen wie dem Neuen Forum. Bis zum Mauerfall am 9. November 1989 steigt derweil die Zahl der Demonstranten weiter an. Höhepunkt ist der 6. November. 300.000 bis 400.000 Menschen reisen aus der ganzen DDR nach Leipzig an, um ein Zeichen zu setzen. Drei Tage darauf ... ... ist die Mauer in Berlin Geschichte, die DDR auf dem Weg der Veränderung, der letztlich in die Wiedervereinigung mündet. Nach Öffnung der Grenzen ... ... nimmt die Zahl der Demonstranten in Leipzig ab, ein Teilziel ist erreicht. Doch noch immer verleihen in den folgenden Wochen Tausende ihren Wünschen und ihrem Stolz über die gewaltfreie Revolution Ausdruck. Und vieles, wogegen ... ... man gekämpft hat, hat noch immer Bestand. So richtet sich der Zorn vor allem gegen den Spitzelstaat DDR. Trutzburg der Staatssicherheit in Leipzig ... ... ist die sogenannte "Runde Ecke", ein Gebäude am Dittrichring. Am 4. Dezember 1989 gelingt es den Demonstranten, das Gebäude zu besetzen. Ein weiterer Triumph für diejenigen, die von ewigem Misstrauen die Nase voll haben. Mit der Zeit ändern sich aber die Inhalte der Proteste. Zu Beginn kein Thema übernehmen Einheitsbefürworter die Meinungshoheit. Der Zeitgeist ... ... behält in diesem Fall Recht. Erich Honecker geht im Januar 1990 in den Bau und die Deutsche Demokratische Republik hört mit dem Beitritt zum Gebiet der Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 auf zu existieren. Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten! Die Botschaftsflüchtlinge von Prag sind Wende-Legende geworden. Das Schicksal der tausenden DDR-Bürger, die über die Tschechoslowakei ihren Weg in den Westen fanden, bewegte die Menschen. Es ist die Geschichte von Verzweiflung, Hoffnung und Freude. Die DDR wankte im Sommer 1989 in ihren Grundfesten. Immer mehr Menschen wollten nicht mehr mit dem System leben. Eine vielversprechende Chance war die Ausreise über die bundesdeutsche Botschaft in Prag. Im August kamen ... ... täglich mehr und mehr Menschen. Schon bald wurde die Botschaft geschlossen. Tschechische Sicherheitskräfte versuchten, die DDR-Bürger von der Botschaft fernzuhalten. Doch der Ansturm wurde immer gewaltiger. Über den hinter dem Gebäude liegenden Zaun verschafften sich immer mehr Menschen Zutritt. Die tschechischen Polizisten wurde nachlässiger. Es war eine Zeit der ungewissen Trennungen. Manche konnten oder wollten nicht mit über den Zaun (Bild: Eine Mutter verabschiedet ihre Tochter mit einem letzten Kuss). Im Garten der Botschaft wurden Zelte aufgestellt, um die Menschenmassen zu beherbergen. Eine kleine ... ... Infrastruktur wurde geschaffen. Sanitäre Anlagen wurden herbeigeschafft, für die Kinder gab es einen notdürftigen Schulunterricht. Doch die Zustände wurden mit steigender Flüchtlingszahl immer schlechter. Nicht alle fanden Zuflucht in den Zelten, die Toiletten waren ständig belegt. Die Stimmung unter den Flüchtlingen war wegen der Lebensbedingungen und der ungewissen Zukunft gereizt. Manche wurden der Stasi-Spitzelei bezichtigt, es kam zu Auseinandersetzungen. Die Botschaftsflüchlinge wurden zunehmend zum Politikum. Die Bundesregierung verhandelte auf höchster Ebene über eine Ausreise der DDR-Bürger. Am 30. September 1989 trafen Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Kanzleramtschef Rudolf Seiters ein. Interviews verwehrten die beiden. Am Rande einer UN-Versammlung gelang im Gespräch mit dem sowjetischen Außenminister Eduard Schewardnadse der Durchbruch. Das wollte Genscher zuerst den Menschen im Botschaftsgarten mitteilen. So kam es zu diesem historischen und bewegenden Moment: "Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise ..." Das Ende des Satzes wurde von grenzenlosem Jubel verschluckt. Allen war klar, was Genscher meinte: Das bange Warten hatte ein Ende, die zu diesem Zeitpunkt 4.000 Flüchtlinge würden in die Bundesrepublik fahren können. Per Zug sollten sie nach Hof in Bayern gebracht werden. Letzte Schikane der DDR-Führung: Der Weg musste über DDR-Territorium führen. So sollte die Fassade einer regulären Ausreise aufrechterhalten bleiben. Der große Aufbruch begann: Die 4.000 Menschen wurden nach und nach ... ... an den Prager Bahnhof gebracht. Von Westdeutschen wurden die Ausreisenden in Hof empfangen. Die Botschaftsflüchtlinge konnten ihr Glück kaum fassen. Sie hatten es tatsächlich geschafft. Doch ihr Weg in den Westen war mehr als nur das glückliche Ende eines Abenteuers. Es war der erste große Riss im Eisernen Vorhang. Die DDR lockerte daraufhin die Visumsbedingungen, wenig später konnte von Prag aus jeder auf eigene Faust und ohne Bedingungen in die Bundesrepublik. Am 9. November schließlich ... ... teilte Günter Schabowski verblüfften Journalisten mit, dass Ausreisegenehmigungen gar nicht mehr nötig seien. Die Berliner Mauer fiel. Heute erinnert eine Skulptur des Künstlers David Cerny an diese bewegten Tage. Sie trägt den Namen "Quo Vadis" und soll den ungewissen Weg der tausenden DDR-Bürger symbolisieren. Auf dem legendären Balkon, auf dem Hans-Dietrich Genscher die entscheidenden Worte sagte, prangt heute ein Schild: "Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise möglich geworden ist."
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Kaiser hat längst bekannt, dass ... ... sie sich als Schülerin zur IM-Tätigkeit beim Staatssicherheitsdienst der DDR verpflichtet und während ihres Studiums in Leningrad über Kommilitonen an die Stasi berichtet hatte. Auf Druck der SPD verzichtet Kerstin Kaiser nun auf ein Ministeramt. Rot-Rot kann kommen, obwohl ... … Matthias Platzeck lange Zeit als entschlossener PDS-Gegner galt. Wohl aus Angst vor dem "Simonis"-Effekt holt er nun deren Nachfolgepartei an den Kabinettstisch. Der Brandenburger SPD-Chef befürchtet angeblich, dass er nicht die nötige Parlamentsmehrheit für seine Wiederwahl erhält, wenn er die Koalition mit der CDU fortsetzt. (im Bild mit CDU-Landeschefin Wanka und Linke-Landeschefin Kaiser, l.) Noch 1998 setzte sich der als besonnen, aber auch machtbewusst und pragmatisch geltende Politiker im Rennen um das Amt des Potsdamer Oberbürgermeisters gegen eine PDS-Mitbewerberin durch. (im Bild: Platzeck bekommt die Amtskette umgelegt) Ein Jahr später verhinderte Platzeck gegen den Willen der SPD-Ikone Regine Hildebrandt eine Koalition mit der SED-Nachfolgepartei und stellte … … die Weichen für eine rot-schwarze Regierung mit der CDU, die zehn Jahre hielt. Platzeck ist mit Abstand Brandenburgs populärster und bekanntester Politiker. Er gilt als … (im Bild mit dem damaligen CDU-Landeschef Schönbohm) … fair, loyal und als einer, der die Bodenhaftung zum normalen Alltagsleben seiner Wähler nie ganz verloren hat. Zu DDR-Zeiten hat der Diplom-Ingenieur auf dem Gebiet der Lufthygiene gearbeitet. Die Umweltverschmutzung hat ihn zu politischem Engagement getrieben - auch gegen den herrschenden Staat. (im Bild Platzeck 1997 als Umweltminister an der Oder) Für die DDR-Grünen sitzt er in der ersten frei gewählten Volkskammer, später wird der Bündnis 90-Politiker Umweltminister im Kabinett von Manfred Stolpe (r.). Erst 1995 trat er der SPD bei, nachdem er die Fusion von Bündnis 90 mit den westdeutschen Grünen abgelehnt hatte. Und jetzt, fast 15 Jahre später, wählt Matthias Platzeck lieber den Neubeginn mit der Linken als die Verlängerung von Rot-Schwarz. Klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten. Und noch ein Rückzug: Oskar Lafontaine sagt Tschüss zur Bundespolitik. Er wird wegen seiner Krebserkrankung den Linken-Vorsitz aufgeben und sein Bundestagsmandat niederlegen. Der Mann von der Saar wird der Bundespolitik fehlen. Egal, ob man ihn als knallharten Oppositionspolitiker und brillanten Rhetoriker anerkennt oder ... ... als Linkspopulist und treulosen Genossen verurteilt. Vor allem aber wird er der Linkspartei fehlen. Denn er ist die zentrale Führungsfigur der Partei - und scheint damit unersetzlich. Das mag auch daran liegen, dass dieser Mann große Auftritte liebt. In seiner Karriere hat er schon für so manchen Paukenschlag gesorgt. Hier ein kurzer Rückblick: ... Landtagswahl im August 2009: Die Linke holt im Saarland mit Lafontaine als Spitzenkandidat das Traumergebnis von 21,3 Prozent der Stimmen. Damit wird sie drittstärkste Kraft. Anfang September 2009 wählt ihn die neue Fraktion eigentlich nur für den Übergang zum Vorsitzenden. Doch dann die große Überraschung! Ein paar Tage später eröffnet Lafontaine den Kollegen der Bundestagsfraktion plötzlich, dass er nicht mehr für den Fraktionsvorsitz kandidiert. Er will sich lieber auf sein Heimatland konzentrieren, das Saarland. Das schockt auch die Saar-Grünen. "Der Egomane Lafontaine zeigt wieder, dass ihm jegliches Verantwortungsbewusstsein fehlt", sagt Generalsekretär Stephan Toscani. "Heute so, morgen so. Das ist typisch Lafontaine." So entscheiden sich die Saar-Grünen wenig später gegen ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis und für eine "Jamaika"-Koalition – ein Novum in der bundesdeutschen Geschichte. Lafontaines Vorhaben, die seit 1999 regierende CDU unter Peter Müller (l.) zu stürzen, scheitert damit. Dementsprechend kritisch reagiert er auf die Entscheidung der Saar-Grünen: "Das Saarland wird in den nächsten Jahren von einer Koalition regiert, … … die durch Wahlbetrug und Wählertäuschung zu Stande gekommen ist." Das Saarland habe "diese Regierung der Wahlbetrüger nicht verdient", sagt der ehemalige Landesvater. Lafontaine ist gebürtiger Saarländer. Am 16. September 1943 wurde er im Saarlouis-Roden geboren. Von 1985 bis 1998 war er Ministerpräsident des Landes. (hier bei einer Wahlkampfveranstaltung im Juli 2009) Nach dem Wahlsieg der SPD bei der Bundestagswahl 1998 ging er nach Berlin und wurde im Kabinett von Gerhard Schröder Bundesfinanzminister. Doch Lafontaine kann ... ... die Schrödersche Wirtschafts-, Sozial- und Steuerpolitik nicht mittragen. Sie ist ihm zu arbeitnehmerfeindlich. Es kommt zum Bruch des Zweckbündnisses Lafontaine/Schröder. Die Kanzler-"Standpauke" am 10. März 1999 im Kabinett bringt das Fass zum Überlaufen. Dabei soll es um Pläne des Ministers gegangen sein, die die Stromkonzerne belastet hätten. Am 11. März 1999 übermittelt Lafontaine dem "sehr geehrten Herrn Bundeskanzler" und der Partei seine kurzen Rücktrittsschreiben. In seinem Buch "Das Herz schlägt links" rechnet der Privatmann Lafontaine später mit der Politik des Kanzlers der "Neuen Mitte" ab. Lafontaine entfremdet sich immer mehr von seiner Partei und tritt nach 39 Jahren aus der SPD aus. Er begründet den Schritt mit Schröders "Agenda 2010" und der damit verbundenen Hartz-IV-Reform von Rot-Grün. Er tritt zunächst in die WASG ein, die später mit der PDS zur Linkspartei fusioniert. Im Jahr 2007 wird Lafontaine Parteichef der Linken. Schon in den Neunzigern war Lafontaine ein unbequemer Parteikollege. Nach dem Messer-Attentat einer geistig verwirrten Frau während einer Wahlkampfveranstaltung im April 1990 hält Lafontaine die SPD hin, ... … ob er an seiner Kanzlerkandidatur festhalten will. Die ungewisse Situation lähmt die Partei. Letztlich tritt er an, die SPD verliert aber die Wahl. Lafontaine will seine Partei darauf festlegen, … … den Staatsvertrag mit der DDR im Bundestag abzulehnen, im Bundesrat aber passieren zu lassen. Er setzt sich damit in der SPD nicht durch, respektiert aber das klare Ja seiner Partei zum Einigungsvertrag, der am 3. Oktober 1990 in Kraft tritt. Am 16. November 1995 tritt der damalige saarländische Ministerpräsident auf dem Bundesparteitag überraschend an die Spitze der SPD - nach einer beispiellosen Kampfkandidatur gegen … … Rudolf Scharping (l.). Scharping, seit 1993 im Amt, war eine innerparteiliche Krise und eine Serie von Wahlniederlagen in den Ländern angelastet worden. Den alten Weggefährten Lafontaines sind diese Vorfälle allgegenwärtig. Vor diesem Hintergrund und wegen seiner aggressiven Kritik an der SPD werfen sie ihm einen Rachefeldzug vor. Lafontaine bestreitet das. Doch als die Linke bei der Bundestagswahl 2009 mit 11,9 Prozent ein Rekordergebnis einfährt - während die SPD auf 23 Prozent abstürzt - dürfte ein wenig Schadenfreude aufgekommen sein. Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten! Beck, Müntefering, Platzeck: Die ... ... Wechsel an der SPD-Spitze häufen sich. Dabei war das Amt des Parteivorsitzenden lange Zeit ein sicheres Pfund. Kurt Schumacher etwa, der die Partei ... ... nach dem Krieg wieder aufbaute, leitete die SPD ab 1946 sechseinhalb Jahre lang bis zu seinem Tod im August 1952. Erich Ollenhauer blieb von 1952 bis 1963 sogar mehr als ein Jahrzehnt auf dem Posten des obersten Sozialdemokraten, ... ... trotz mehreren niederschmetternden Wahlniederlagen der Partei. (hier beim Tanz mit Hildegard Knef) Willy Brandt, der Architekt der deutsch-deutschen Annäherung, blieb von 1964 bis 1987 sogar 23 Jahre lang an der Spitze der SPD. Er führte die SPD in dieser Zeit in mehrere Bundesregierungen, zunächst mit der CDU, dann mit der FDP. Sein Nachfolger Hans-Jochen Vogel baute die SPD von 1987 bis 1991 - nach dem Ausscheiden aus der Bundesregierung im Jahr 1982 - wieder auf. Trotz der schwierigen Ausgangslage blieb auch er zumindest vier Jahre lang oberster Sozialdemokrat. Und sogar der heutige Linke-Politiker Oskar Lafontaine konnte sich von 1995 bis 1999 vier Jahre lang an der Spitze der SPD halten. Er verhalf Gerhard Schröder im Jahr 1998 ins Kanzleramt, hatte sich dann jedoch mit ihm überworfen und trat zurück. In gewisser Weise ... ... kann dies als Wendepunkt in der Geschichte des obersten SPD-Parteiamts gesehen werden. Als Bundeskanzler und Parteichef in einer Person ... ... hielt es Gerhard Schröder zwar zumindest bis 2004 an der Parteispitze. Doch an der Basis brodelte es inzwischen. Die Parteilager drifteten dank Agenda 2010 und Hartz IV allmählich auseinander. 2004 machte Schröder Platz für Franz Müntefering. Der wollte die unterschiedlichen Strömungen der Partei eigentlich wieder vereinen. Der Schröderianer scheiterte jedoch ausgerechnet an einer personellen Auseinandersetzung mit den Parteilinken. Schon 2005 trat er wieder zurück. Zum Nachfolger Münteferings wurde 2005 der Brandenburger Landeschef Matthias Platzeck gewählt, der damalige große Hoffnungsträger aus dem Osten. Doch ihm machte das Amt gesundheitlich zu schaffen. Nach mehreren Hörstürzen und einem Nervenzusammenbruch gab er den Parteivorsitz im April 2006 weiter. Nun durfte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck sein Glück versuchen. Ungeschickte Äußerungen zum Umgang mit der Linkspartei brachten den ... ... ohnehin schon nicht sonderlich beliebten Parteichef jedoch in die Bredouille und um seine Kanzlerkandidatur. Im September 2008 zog er Konsequenzen und trat auf Drängen der Parteispitze zurück. Kommissarisch übernahm zunächst Frank-Walter Steinmeier die Parteiführung. Schon im Oktober übergab der frisch auserkorene SPD-Kanzlerkandidat den Posten jedoch an ... ... Franz Müntefering. Nach drei Jahren Pause bekam er im Oktober 2008 eine neue Chance. Die SPD-Linke willigte nur zähneknirschend ein. Nach der verlorenen Bundestagswahl im September 2009 ... ... meldete sich der Parteiflügel jedoch erneut zu Wort, forderte personelle Konsequenzen. Müntefering tritt nach nur einem Jahr wieder ab. Sein Nachfolger ist Sigmar Gabriel. Ob es dem SPD-Konservativen und Mitglied des Seeheimer Kreises aber gelingen wird, ... ... die SPD-internen Strömungen zu vereinen, ist fraglich. Ebenso ist völlig offen, ob auch er wieder nur kurz an der Spitze der SPD stehen oder eher zu den langjährigen Parteivorsitzenden gehören wird. Frank-Walter Steinmeier ist am 18. Oktober 2008 mit 95 Prozent zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2009 gewählt worden. Er ist der zehnte SPD-Politiker, der als sozialdemokratischer Kandidat ins Rennen geht. N24.de zeigt seine Vorgänger. Der erste SPD-Kanzlerkandidat 1949: Kurt Schumacher. In den 1950er und 1960er Jahren wurde der Spitzenkandidat meist durch den SPD-Vorstand gewählt. 1953 und 1957: Erich Ollenhauer Willy Brandt kandidierte insgesamt viermal für das Kanzleramt. Nach 1961, 1965 und 1969 wurde Brandt 1972 dann Bundeskanzler. 1976 und 1980 Helmut Schmidt. Beide Male wurde er als Bundeskanzler ernannt. Erst seit 1983 wird der SPD-Kandidat auf den Wahlparteitagen nominiert. Hans-Jochen Vogel wurde einstimmig gewählt. 1987: Johannes Rau (99,06 Prozent) 1990: Oskar Lafontaine (98,74 Prozent) 1994: Rudolf Scharping (95,4 Prozent) 1998, 2002 und 2005: Gerhard Schröder erhielt 1998 93,01 Prozent der Delegiertenstimmen. 2002 und 2005 zog er ins Bundeskanzleramt ein. Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten! "Wir sind das Volk!" Eine Parole, die die Wendezeit wie keine andere prägt, hat ihren Ursprung in der friedlichen Revolution, die im Wesentlichen mit einer Stadt verbunden ist: ... ... Leipzig, "Heldenstadt der DDR". Nach der Wende haben sich viele die Verdienste an der Umwälzung ans Revers geheftet. Doch die wahren Helden sind die tausenden Leipziger, die im Herbst 1989 Montag für Montag auf die Straßen gehen. Die Bewegung findet ihren Ursprung hier, in der zur Legende gewordenen Nikolaikirche. Seit 1982, verstärkt aber Ende der 80er Jahre, wird das Gotteshaus bei den Montagsgebeten Zentrum der Debatte über die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR. Initiator und "Schutzpatron" dieser Treffen ist der Pfarrer der Kirche, Christian Führer, der noch bis 2008 den Kampf gegen Ungerechtigkeit als Kirchenmann führt, bis er in Pension geht. Weil die Stasi die Treffen immer mehr versucht zu kontrollieren, verlagern sich die Aktionen auf die Straße, ab Januar 1989 gibt es erste Demos. Die Staatsmacht beäugt die "konterrevolutionären Zusammenrottungen" mit Argwohn (Bild: 13.3.1989). Um die Bewegung zu beschwichtigen, wird ausgewählten Protagonisten des Protests die Ausreise bewilligt. Doch der Mut wächst. Vor allem in den Tagen der Leipziger Messe, zu der sich gewöhnlich viele ausländische Reporter in der Stadt aufhalten, ... ... ist der Unmut der Menschen nicht mehr zu übersehen. Sie wollen Veränderung - in der DDR. Am 4. September 1989, erste Massenfluchtbewegungen gen Westen sind bereits bekannt, wagen einige, Spruchbänder zu entrollen. Vor laufenden Kameras und den Linsen der Fotografen reißen Stasi-Mitarbeiter in Zivil den Demonstranten die Banner aus der Hand - hilflose Versuche, aufzuhalten, was nicht mehr aufzuhalten ist. In der Folge kommt es zu Festnahmen, die Sicherheitskräfte versuchen die Menschen einzuschüchtern. Doch die Montagsdemos finden dessen ungeachtet immer mehr Zulauf. Am 2. Oktober finden 20.000 Menschen den Weg auf die Straße. Die Polizei prügelt. Die DDR hat zum 40. Jubiläum mit dem Untergang zu kämpfen, selbst der sowjetische Bruder stellt die Weichen auf Perestroika und Glasnost. Doch die DDR-Führung setzt noch einmal zu einem großen Zeichen an: Die am 9. Oktober ... ... erwartete Demonstration soll im Keim erstickt werden. Doch dann kommt die große Trotzreaktion der Leipziger. Alle Drohungen helfen nichts, rund 70.000 Menschen wandern friedlich durch die Straßen. "Keine Gewalt" fordern sie lautstark - und ... ... die überforderte DDR-Führung lenkt ein: Die rund 8.000 in der Stadt konzentrierten Sicherheitskräfte halten sich zurück. Es kommt nicht zu einem befürchteten Massaker wie wenige Monate zuvor auf dem Tian'anmen-Platz in Peking. Der 9. Oktober 1989 ... ... kann als Wendepunkt der friedlichen Revolution bezeichnet werden. Immer mehr Menschen verlieren die Angst vor dem sozialistischen Staat, der nicht mehr ihrer ist. Zu den ... ... folgenden Montagsdemonstrationen finden sich immer mehr Teilnehmer ein. Eine Woche nach dem prekären 9. Oktober ... ... sind es bereits 120.000, am ... ... 23. Oktober kommen 200.000 DDR-Bürger. Auch Spruchbänder nehmen zu. Darauf ist zu lesen, was die Menschen stört. So ist damals keineswegs die ein Jahr später vollzogene Einheit das Ziel. Vielmehr trachten die Demonstranten nach ... ... Reformen, ... ... Reisefreiheit, ... ... freien Wahlen ... ... und der Zulassung neuer Bewegungen wie dem Neuen Forum. Bis zum Mauerfall am 9. November 1989 steigt derweil die Zahl der Demonstranten weiter an. Höhepunkt ist der 6. November. 300.000 bis 400.000 Menschen reisen aus der ganzen DDR nach Leipzig an, um ein Zeichen zu setzen. Drei Tage darauf ... ... ist die Mauer in Berlin Geschichte, die DDR auf dem Weg der Veränderung, der letztlich in die Wiedervereinigung mündet. Nach Öffnung der Grenzen ... ... nimmt die Zahl der Demonstranten in Leipzig ab, ein Teilziel ist erreicht. Doch noch immer verleihen in den folgenden Wochen Tausende ihren Wünschen und ihrem Stolz über die gewaltfreie Revolution Ausdruck. Und vieles, wogegen ... ... man gekämpft hat, hat noch immer Bestand. So richtet sich der Zorn vor allem gegen den Spitzelstaat DDR. Trutzburg der Staatssicherheit in Leipzig ... ... ist die sogenannte "Runde Ecke", ein Gebäude am Dittrichring. Am 4. Dezember 1989 gelingt es den Demonstranten, das Gebäude zu besetzen. Ein weiterer Triumph für diejenigen, die von ewigem Misstrauen die Nase voll haben. Mit der Zeit ändern sich aber die Inhalte der Proteste. Zu Beginn kein Thema übernehmen Einheitsbefürworter die Meinungshoheit. Der Zeitgeist ... ... behält in diesem Fall Recht. Erich Honecker geht im Januar 1990 in den Bau und die Deutsche Demokratische Republik hört mit dem Beitritt zum Gebiet der Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 auf zu existieren. Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten! Die Botschaftsflüchtlinge von Prag sind Wende-Legende geworden. Das Schicksal der tausenden DDR-Bürger, die über die Tschechoslowakei ihren Weg in den Westen fanden, bewegte die Menschen. Es ist die Geschichte von Verzweiflung, Hoffnung und Freude. Die DDR wankte im Sommer 1989 in ihren Grundfesten. Immer mehr Menschen wollten nicht mehr mit dem System leben. Eine vielversprechende Chance war die Ausreise über die bundesdeutsche Botschaft in Prag. Im August kamen ... ... täglich mehr und mehr Menschen. Schon bald wurde die Botschaft geschlossen. Tschechische Sicherheitskräfte versuchten, die DDR-Bürger von der Botschaft fernzuhalten. Doch der Ansturm wurde immer gewaltiger. Über den hinter dem Gebäude liegenden Zaun verschafften sich immer mehr Menschen Zutritt. Die tschechischen Polizisten wurde nachlässiger. Es war eine Zeit der ungewissen Trennungen. Manche konnten oder wollten nicht mit über den Zaun (Bild: Eine Mutter verabschiedet ihre Tochter mit einem letzten Kuss). Im Garten der Botschaft wurden Zelte aufgestellt, um die Menschenmassen zu beherbergen. Eine kleine ... ... Infrastruktur wurde geschaffen. Sanitäre Anlagen wurden herbeigeschafft, für die Kinder gab es einen notdürftigen Schulunterricht. Doch die Zustände wurden mit steigender Flüchtlingszahl immer schlechter. Nicht alle fanden Zuflucht in den Zelten, die Toiletten waren ständig belegt. Die Stimmung unter den Flüchtlingen war wegen der Lebensbedingungen und der ungewissen Zukunft gereizt. Manche wurden der Stasi-Spitzelei bezichtigt, es kam zu Auseinandersetzungen. Die Botschaftsflüchlinge wurden zunehmend zum Politikum. Die Bundesregierung verhandelte auf höchster Ebene über eine Ausreise der DDR-Bürger. Am 30. September 1989 trafen Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Kanzleramtschef Rudolf Seiters ein. Interviews verwehrten die beiden. Am Rande einer UN-Versammlung gelang im Gespräch mit dem sowjetischen Außenminister Eduard Schewardnadse der Durchbruch. Das wollte Genscher zuerst den Menschen im Botschaftsgarten mitteilen. So kam es zu diesem historischen und bewegenden Moment: "Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise ..." Das Ende des Satzes wurde von grenzenlosem Jubel verschluckt. Allen war klar, was Genscher meinte: Das bange Warten hatte ein Ende, die zu diesem Zeitpunkt 4.000 Flüchtlinge würden in die Bundesrepublik fahren können. Per Zug sollten sie nach Hof in Bayern gebracht werden. Letzte Schikane der DDR-Führung: Der Weg musste über DDR-Territorium führen. So sollte die Fassade einer regulären Ausreise aufrechterhalten bleiben. Der große Aufbruch begann: Die 4.000 Menschen wurden nach und nach ... ... an den Prager Bahnhof gebracht. Von Westdeutschen wurden die Ausreisenden in Hof empfangen. Die Botschaftsflüchtlinge konnten ihr Glück kaum fassen. Sie hatten es tatsächlich geschafft. Doch ihr Weg in den Westen war mehr als nur das glückliche Ende eines Abenteuers. Es war der erste große Riss im Eisernen Vorhang. Die DDR lockerte daraufhin die Visumsbedingungen, wenig später konnte von Prag aus jeder auf eigene Faust und ohne Bedingungen in die Bundesrepublik. Am 9. November schließlich ... ... teilte Günter Schabowski verblüfften Journalisten mit, dass Ausreisegenehmigungen gar nicht mehr nötig seien. Die Berliner Mauer fiel. Heute erinnert eine Skulptur des Künstlers David Cerny an diese bewegten Tage. Sie trägt den Namen "Quo Vadis" und soll den ungewissen Weg der tausenden DDR-Bürger symbolisieren. Auf dem legendären Balkon, auf dem Hans-Dietrich Genscher die entscheidenden Worte sagte, prangt heute ein Schild: "Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise möglich geworden ist."
(kat, dpa, AP, N24)
27.02.2009 19:16 Uhr
Matthias Platzeck
Vom PDS-Gegner zu Rot-Rot









