Freude in Berlin, hängende Köpfe in Hamburg: Der HSV hat die Chance auf die Tabellenführung verpasst. Gegen Wolfsburg verloren die Hanseaten mit 1:3, Hertha bleibt damit vorn.
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Meisterliche Effizienz in Berlin, hängende Köpfe beim Hamburger SV: Im Titelkampf der Fußball-Bundesliga haben die Minimalisten von Hertha BSC Berlin wieder die besten Karten. Dem Hauptstadt-Team reichte ein 2:1 (2:0)-Zittersieg gegen Schlusslicht Borussia Mönchengladbach, um die Tabellenführung vom Hamburger SV zu übernehmen. Der HSV patzte am Sonntag und verlor 1:3 (0:2) gegen den VfL Wolfsburg.
Rückschlag für Bayern München
Derweil musste auch Titelverteidiger Bayern München einen erneuten Rückschlag hinnehmen: Trotz 75 Minuten in Überzahl kam der Rekordmeister bei Werder Bremen über ein 0:0 nicht hinaus und konnte damit den Schwung aus der Champions League nach dem 5:0-Sieg bei Sporting Lissabon nicht in die Bundesliga hinüberretten. Die Gäste scheiterten trotz eines bedingungslosen Sturmlaufs am Bremer Ersatztorhüter Christian Vander, der Werders verletzten Stammkeeper Tim Wiese hervorragend vertrat. Im dritten Sonntagsspiel stürzte der VfB Stuttgart mit einem 2:0 (0:0)-Derbysieg den Karlsruher SC noch tiefer in die Krise.
In Hamburg besiegelten der Brasilianer Grafite mit einem Doppelpack (12. per Foulelfmeter und 25.) und Sturmpartner Edin Dzeko (75.) die erste Heimniederlage des HSV. Für die Gastgeber konnte Paolo Guerrero (73.) zwischenzeitlich nur verkürzen.
Berlin will sich nicht "in Träumen verlieren"
In Berlin stellte Manager Dieter Hoeneß das Wort "Meisterschaft" derweil trotz des neunten Heimsieges in Folge vorerst auf den Index. "Wir verlieren uns nicht in Träumen", sagte Hoeneß nach dem mühsamen 2:1 (2:0) gegen Schlusslicht Borussia Mönchengladbach: "Dieses Spiel hat gezeigt, warum wir so zurückhaltend sind. Wenn wir drei Spieltage vor Schluss da oben stehen, können wir über mehr reden." Herbstmeister Hoffenheim setzte derweil mit dem 0:0 bei Borussia Dortmund seine Krise fort. Aus den vergangenen sieben Begegnungen gab es nur einen Sieg. "Was wir in der Hinrunde gespielt haben, ist erst zu 70 Prozent da", meinte Mittelfeldspieler Sejad Salihovic.
Sorgenfalten in Hoffenheim
Auch bei Trainer Ralf Rangnick waren die Sorgenfalten nicht zu übersehen. Neben dem Negativ-Trend und dem Wirbel um verspätet abgegebene Doping-Proben drückt nun auch ein Personalproblem auf die Stimmung. Gegen Bremen am kommenden Samstag muss der Aufsteiger auf Rotsünder Tobias Weis (77.) sowie die gelbgesperrten Luiz Gustavo und Selim Teber verzichten. Teber hatte jedoch Glück, dass er nach einem rüden Foul am Dortmunder Tamas Hajnal nicht bereits in der 4. Minute vom Platz flog.
Bei Bayer Leverkusen war die Stimmung noch angespannter. Nach dem 0:1 (0:1) bei Hannover 96 kritisierte erst Nationaltorhüter Rene Adler seine Vorderleute und kassierte dafür eine Schelte von Sportchef Rudi Völler. Genervt von der sportlichen Talfahrt mit nur einem Sieg aus den vergangenen sechs Spielen bemängelte Adler das Phlegma im Team: "Immer wenn es nicht läuft, wehren wir uns zu wenig."
Rudi Völler platzt der Kragen
Daraufhin platzte Völler der Kragen: "Mein guter Rat an den talentierten Nationaltorwart ist, sich mal an die eigene Nase zu fassen. Als er vor ein paar Wochen mal ein paar Bälle nicht gehalten hat, hat auch keiner seiner Mitspieler was gesagt."
Dagegen erscheint bei Schalke 04 nach dem hart erkämpften 2:1 (1:0) bei Eintracht Frankfurt auf einmal alles wieder königsblau. Nach den Turbulenzen der letzten Wochen träumt der Klub sogar wieder von der "Königsklasse". "Die Champions League zu erreichen wird zwar schwer, aber leicht kann ja jeder", sagte Schalke-Boss Josef Schnusenberg trotz sieben Punkten Rückstand auf Platz drei.