Leuchten in der Krise

Bayer mit Erfolgsjahr

Robuste Zahlen: Die breite Aufstellung hilft Bayer in der Wirtschaftskrise: Während das Chemiegeschäft schwächelt, können Gesundheit- und Pflanzenschutz dem Abschwung trotzen.

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BAyer-Logo leuchtet: Gesundheitsgeschäft und Pflanzenschutz-Sparte gleichen schwaches Chemiegeschäft aus.

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer erweist sich in der Krise robuster als viele Konkurrenten. Trotz drastischer Absatzeinbrüche in seiner Chemiesparte erwartet der Konzern nach Rekorden 2008 in diesem Jahr allenfalls einen Umsatzrückgang von drei Prozent und eine Verschlechterung des operativen Ergebnisses vor Sondereinflüssen um etwa 5 Prozent, wie Konzernchef Werner Wenning mitteilte. Die weniger von der weltwirtschaftlichen Entwicklung abhängigen Sparten Gesundheit und Pflanzenschutz dämpfen die Auswirkungen der Konjunkturkrise für das Unternehmen.

"Unsere Konzernstrategie bewährt sich auch in schwierigem Umfeld", sagte Wenning bei der Präsentation der Unternehmensbilanz 2008. Bayer profitiert jetzt davon, dass der Konzern trotz teilweise heftiger Kritik in der Vergangenheit an seiner Struktur als Mischkonzern mit drei starken Standbeinen in den Bereichen Gesundheit (Healthcare), Pflanzenschutz (CropScience) und Chemie (MaterialScience) festgehalten hat. Denn das Geschäft mit Medikamenten und Herbiziden zeigt sich bisher von der weltweiten Wirtschaftskrise unbeeindruckt. Hier erwarte der Konzern auch 2009 Umsatz- und Ergebniszuwächse, sagte der Vorstandschef.

Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf Rekordhöhe

Getrübt wird das Bild derzeit allerdings von der Chemie. Bereits im vierten Quartal 2008 brach der Umsatz der konjunkturabhängigen Sparte um mehr als 24 Prozent ein. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) rutschte MaterialScience sogar in die roten Zahlen. "Etwas Vergleichbares haben wir noch nie gesehen", sagte Wenning. Für 2009 stellt sich der Konzern auf gravierende Rückgänge bei Umsatz und Ergebnis ein.

Dennoch reagiert der Bayer bislang behutsam auf die Krise. Betriebsbedingte Kündigungen am Standort Deutschland sind durch Betriebsvereinbarungen bis zum Jahresende ausgeschlossen. Und Wenning signalisierte die Bereitschaft zu einer Anschlussregelung über das Jahr 2009 hinaus, wenn die Arbeitnehmervertretung dem Konzern in Fragen der Arbeitszeit- und Lohnflexibilität entgegenkomme.

Auch bei seinen Ausgaben für Forschung und Entwicklung will der Konzern vorläufig nicht auf die Bremse treten. Im Gegenteil: Die Ausgaben dafür sollen in diesem Jahr mit 2,9 Milliarden Euro Rekordhöhe erreichen.

Keine Großakquisitionen geplant

Zurückhalten will sich der Konzern dagegen bei in nächster Zeit bei Akquisitionen. Milliardenzukäufe stünden derzeit nicht auf der Tagesordnung, Vorrang habe die Sicherung der Liquidität und des Ergebnisses, sagte Wenning. Insbesondere dem Kauf eines Generika-Herstellers wie Ratiopharm erteilte der Manager eine klare Absage.

2008 war Wenning zufolge ungeachtet der ersten Auswirkungen der Konjunkturkrise «das operativ erfolgreichste Jahr in der langen Geschichte von Bayer». Der um Sondereinflüsse bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg um 1,3 Prozent auf das Rekordniveau von 4,3 Milliarden Euro. Der Umsatz nahm um um 1,6 Prozent auf knapp 33 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich lag der Konzerngewinn allerdings mit 1,7 Milliarden Euro um 3 Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert. Im Geschäftsjahr 2007 hatten Milliardeneinnahmen aus Unternehmensverkäufen und steuerliche Einmaleffekte den Gewinn um rund 3,3 Milliarden Euro aufgebläht.

Die Erfolgssträhne muss trotz der Wirtschaftsturbulenzen nach Einschätzung von Wenning auch 2009 nicht abreißen. Falls es kurzfristig zu einer spürbaren Erholung im Chemie-Geschäft komme, könne das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen in diesem Jahr sogar noch Rekordhöhe erreichen, meinte Wenning.

(AP, N24)

03.03.2009 14:11 Uhr

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