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"Vorraum zur Hölle"

Margot Honeckers Spezialknast

Der Jugendwerkhof Torgau war eine der gefürchtetsten Disziplinierungsanstalten in der DDR. 25 Jahre lang wurden Kinder und Jugendliche gefoltert. Nun ist der Ausbau zu einer Gedenkstätte geplant.

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Die Gedenkstätte des Jugendwerkhofes in Torgau: Von 1964 bis 1989 waren in der Stadt 50 Kilometer östlich von Leipzig sogenannte schwer erziehbare Jugendliche untergebracht.
Blick in eine nachgestaltete Arrestzelle des ehemaligen Jugendwerkhofs Torgau
Dass es die USA bei der Behandlung von Terrorverdächtigen ...
... mit den Menschenrechten nicht allzu genau nehmen (im Bild: US-Soldaten mit Gefangenem in Guantánamo), ...
... kritisieren Menschenrechtsgruppen schon lange (im Bild: Demonstration von Menschenrechtsaktivisten in New York).
Schlimmster Beweis für die Richtigkeit der Anschuldigungen: Die Misshandlungen von Häftlingen im Gefängnis Abu Ghoreib im Irak.
Die schrecklichen Bilder von den Erniedrigungen ...
... und Folterungen der Gefangenen hier ...
... gingen um die Welt.
Doch auch im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba kam es nachweislich zu Misshandlungen, ...
... wie nicht zuletzt aus Berichten des US-Pentagon hervorgeht.
In Guantánamo halten die USA zahlreiche Verdächtige gefangen, die sie im so genannten "Krieg gegen den Terror" festgenommen haben.
Bis heute sitzen rund 250 Personen in dem Hochsicherheitstrakt ein.
Menschenrechtsorganisationen haben immer wieder die Rechtlosigkeit der zum Teil jahrelang ohne Prozess gefangenen Häftlinge kritisiert ...
... und auf die Menschenrechtsverstöße in dem Lager hingewiesen.
Zu den bekannten Methoden, die bekanntermaßen angewandt wurden, um Gefangene gefügig zu machen, ...
... zählen etwa das Anketten in Kauerstellung auf dem Boden, ...
... Schändungen des für Muslime heiligen Koran, ...
... Schlafentzug der Gefangenen ...
... oder das besonders grausame Waterboarding (hier im Bild von Menschenrechtsaktivisten bei einer Demonstration in Washington nachgestellt), ...
... bei dem das Opfer mit dem Gefühl des Ertrinkens kämpft (im Bild: von Demonstranten in Washington nachgestellte Szene).
Ein soeben vom US-Senat veröffentlichter Bericht gibt dem früheren US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld eine Mitverantwortung an den Misshandlungen in Guantánamo und Abu Ghoreib.
Nahezu zeitgleich hat die Menschenrechtsgruppe "Reprieve" auf eine weitere von den USA angewandte "Verhörmethode" aufmerksam gemacht.
So sollen Häftlinge in Guantánamo mit ohrenbetäubend lauter Musik malträtiert worden sein - eine von den Vereinten Nationen geächtete Vorgehensweise.
"Reprieve" hat eine Liste von Musikgruppen und deren Songs erstellt, die zu Folterzwecken durch die Gefängniszellen in Guantánamo gehallt haben sollen. Mancher Titel könnte perfider kaum sein.
N24.de dokumentiert im Folgenden diese Liste.
AC/DC - Hell's Bells
AC/DC - Shoot to thrill
Aerosmith - ohne Titelangabe
Barney the Purple Dinosaur - Theme Tune
Bee Gees - Stayin' alive
Britney Spears - ohne Titelangabe
Bruce Springsteen - Born in the USA
Christina Aguilera - Dirrty
David Gray - Babylon
Deicide - Fuck your god
Don McLean - American Pie
Dope - Die MF die, take your best shot
Dr. Dre - Ohne Titelangabe
Drowning Pool - Bodies
Eminem - Kim
Eminem - Slim Shady
Eminem - White America
Lil' Kim - Ohne Titelangabe
Limp Bizkit - Ohne Titelangabe
Matchbox Twenty - Gold
Meat Loaf - Ohne Titelangabe
Metallica - Enter Sandman
Neil Diamond - America
Nine Inch Nails - March of the pigs
Nine Inch Nails - Mr. Self-Destruct
Prince - Rasperry Beret
Queen - We are the champions
Red Hot Chili Peppers - Ohne Titelangabe
Saliva - Click Click Boom
Sesamstraße - Titelmelodie
Tupac - All eyes on me
Im Irak gibt es ein neues Symbol für den Widerstand gegen die USA. Das Symbol ...
... ist ein Schuh.
Die Schuh-Attacke des irakischen Journalisten Montasser al-Saidi auf den scheidenden US-Präsidenten George W. Bush ...
... beschäftigt am Tag danach das ganze Land ...
... und scheint bereits Kinder zu Nachahmungstaten zu inspirieren.
SMS-Nachrichten machen die Runde, in denen es heißt: "Wir beglückwünschen Herrn Bush und (den irakischen Ministerpräsidenten) Maliki zu einem Paar Schuhe."
Und in zahlreichen Städten wie hier in Nadschaf ...
... oder hier in Bagdad gehen Menschen mit ihrem neuen Symbol für die Ablehnung der USA auf die Straße.
Auch US-Flaggen brennen, schließlich handelt es sich bei vielen der Demonstranten ...
... um Anhänger des radikalen Schiiten-Predigers Muktada Al-Sadr.
Was die Demonstranten in jedem Fall eint, ist ihre Wut auf Bush ...
... und ihre Sympathie für Montasser al-Saidi.
Rückblende: Es geschah auf einer Pressekonferenz von Bush und Maliki in Bagdad.
Al-Saidi zog mitten in der Veranstaltung seine Schuhe aus ...
... und schleuderte sie mit voller Wucht ...
... und den Worten "Das ist zum Lebewohl, Du Hund!" ...
... in Richtung des Noch-US-Präsidenten.
George W. Bush reagierte auf die ungewöhnliche Attacke außergewöhnlich geschickt ...
... und ging erfolgreich vor den heranfliegenden Latschen in Deckung.
Der Angreifer konnte schließlich überwältigt werden ...
... und Bush beschwichtigte die Umstehenden ebenfalls außergewöhnlich lässig.
Den Vorfall kommentierte er später lediglich mit den Worten: "Der Schuh hatte die Größe 43, falls Sie das interessiert."
Doch auch wenn Bush bei seinem anschließenden - von ähnlichen Vorfällen freien - Besuch in Afghanistan ...
... offenbar schon wieder schmunzeln konnte, so zeigen die jüngsten Geschehnisse im Irak doch eines.
Der Hass auf Bush ...
... wie auf die gesamten USA sitzt hier weiterhin tief. Die Gräben zu schließen, wird auch für den künftigen US-Präsidenten Obama alles andere als eine leichte Aufgabe sein.

Ralf Weber kann sich an alles erinnern, als wäre es gestern gewesen. An die Angst und Ohnmacht bei der Einlieferung und die schlimme Zeit danach. An die brüllenden Erzieher, die Willkür, die Schläge. Der 53-Jährige war einer von rund 4.000 Jugendlichen, die in der DDR zwischen 1964 und 1989 ohne Gerichtsurteil in den geschlossenen Jugendwerkhof Torgau gesperrt wurden.

In der schwer bewachten Disziplinierungsanstalt, die dem Ostberliner Volksbildungsministerium von Margot Honecker unterstand und von der nur wenige wussten, sollten missliebige Jugendliche wieder auf sozialistischen Kurs gebracht werden. Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zur "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland" wertete die Einrichtung nach der Wiedervereinigung als Bankrotterklärung des Systems.

Weber kam mit 16 nach Torgau. Er hatte da schon jahrelang in verschiedenen Heimen und Jugendwerkhöfen gelebt. Schon bald nach der Einschulung hatte man ihn gegen den Willen seiner Mutter eingewiesen. Die Behörden warfen ihr vor, sich nicht genug um ihren Sohn zu kümmern. Dass sie als Verkäuferin lange arbeiten musste, spielte keine Rolle. Der Vater, ein Schläger und Trinker, hatte sich da längst aus dem Staub gemacht.

Weber litt unter der Trennung von seiner Mutter und umgab sich mit einem Gefühlspanzer. Bald galt er als aufsässig, immer wieder riss er aus. Das reichte aus, um ihn am 17. September 1971 nach Torgau einzuweisen, in den einzigen geschlossenen Jugendwerkhof des Landes.

"Ich war im Vorraum der Hölle"

Seine Ankunft an jenem Spätsommertag hat er bis heute nicht vergessen. Wie er sich nackt ausziehen und voller Angst stundenlang mit dem Gesicht zur Wand auf einem weiß getünchten Flur ausharren musste. Wie ihn die Erzieher herumkommandierten, in die Beine traten. "Ich war im Vorraum der Hölle", sagt er. "Es war ein absoluter Schock."

Die Insassen der Anstalt sollten mit Gewalt «umerzogen» und "gebessert" werden. Die jüngsten waren erst 14. Wer hierher gebracht wurde, hatte sich gegen Staat und Erzieher aufgelehnt, Schule oder Arbeit geschwänzt, passte nicht ins Bild. Das genügte, ein Gerichtsverfahren gab es nicht. "In Torgau ging es darum, den Willen der Insassen mit einer Art Schocktherapie zu brechen", sagt Julia Thieme, Leiterin der Gedenkstätte. Dabei helfen sollten Einschüchterung, militärischer Drill und Sport als Strafe.

Hindernislauf bis zur Erschöpfung

So mussten die Zöglinge hinter der drei Meter hohen Anstaltsmauer immer wieder bis zur Erschöpfung laufen, im Entengang gehen oder über Hindernisse klettern. Sie durften sich nur im Laufschritt bewegen, bereits Blickkontakte zwischen Jungen und Mädchen standen unter Strafe. Offiziell gab es keine körperliche Gewalt. Ehemalige Insassen berichten aber von Schlägen mit dem Schlüsselbund, Tritten in die Genitalien. Wer nicht parierte, musste bis zu zwölf Tage in den Einzel-Arrest.

Viele hielten das nicht aus: Mindestens drei Insassen töteten sich, es gab etliche Versuche. Mehrfach schluckten Jugendliche in ihrer Not Schrauben aus der Metallwerkstatt oder Schmierfett, um so wenigstens vorübergehend ins Krankenhaus verlegt zu werden.

Seit etwa zehn Jahren erinnert eine kleine Gedenkstätte im einstigen Verwaltungstrakt der Anstalt an das bislang kaum bekannte Kapitel staatlicher Unterdrückung in der DDR. Bis zum zwanzigsten Jahrestag der friedlichen Revolution im Herbst soll sie nun ergänzt und zu einer zentralen Ausstellung über das DDR-Heimsystem ausgebaut werden.

Stumme Zeugnisse der Verzweiflung

In einem Raum können Besucher bereits jetzt zwei graue Holz-Pritschen sehen, die einst in den Arrestzellen standen. Auf der Unterseite der Pritschen finden sich zahlreiche Inschriften, die von der Verzweiflung der Insassen zeugen: "Ich will endlich wieder raus, ich halte das nicht mehr aus", heißt es da. Er würde "lieber in den Knast" gehen als noch mal nach Torgau, schrieb jemand. "Ich wollte lieben lernen, doch ich lernte hassen."

Viele Ehemalige litten bis heute unter posttraumatischen Störungen, sagt Thieme. Immerhin werden seit ein paar Jahren alle Ex-Insassen auf Antrag rehabilitiert. Bislang sind rund 300 der 4.000 Ehemaligen diesen Schritt gegangen. "Viele sind noch nicht so weit", sagte Thieme.

Verfahren gegen DDR-Ministerin eingestellt

Für Ralf Weber ist das Martyrium nach knapp einem halben Jahr zu Ende, am 5. Februar 1972. Endgültig aufgelöst wurde die Einrichtung aber erst im Herbst der friedlichen Revolution 1989. Jahre später leitete die Staatsanwaltschaft gegen die einstige Volksbildungsministerin Honecker ein Verfahren ein. Doch die Ermittlungen verliefen im Sande, weil ihr eine direkte Verantwortung für Misshandlungen nicht nachzuweisen war.

In einigen wenigen Fällen wurden Ex-Erzieher wegen nachgewiesener Übergriffe zu Geldstrafen verurteilt. Zum Prozess gegen den langjährigen Anstaltsleiter, der besonders gefürchtet war, kam es dagegen nicht mehr. Er verstarb nach schwerer Krankheit am 9. November 1989. Es war der Tag, an dem die Mauer fiel.

(AP, N24)

06.03.2009 09:26 Uhr

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