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Flaggen auf Halbmast

Winnenden trauert um die Opfer

Tausende Menschen haben bei einem Gedenkgottesdienst Abschied von den 16 Opfern des Amoklaufs genommen. Bundesinnenminister Schäuble hat für Donnerstag eine bundesweite Trauerbeflaggung angeordnet.

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Video: Flaggen auf Halbmast - Winnenden trauert um die Opfer
Etwa tausend Menschen sind zu dem ökumenischen Gottesdienst. Fassungslosigkeit, Ratlosigkeit, Ohnmacht und blankes Entsetzen herrscht, so Weihbischof Thomas Maria Renz.
Bestürzung, Entsetzen, Trauer: Die Menschen sind von dem Tag des Amoklaufs seelisch gekennzeichnet.
Video: Wer war Tim K.? - Einzelgänger, Waffennarr, PC-Freak
Video: "Er kam rein und schoss" - Ein Überlebender berichtet
Video: Amoklauf in Winnenden - Philipp Stelzner berichtet vor Ort
Gräueltat in Winnenden: Ein ehemaliger Schüler der Albertville-Realschule erschoss 15 Menschen, anschließend sich selbst. Er sei ein Angeber gewesen, sagen manche. Andere beschreiben ihn als Einzelgänger.
Die Polizei war zwar sofort am Unfallort, für die 15 Opfer jedoch kam jede Hilfe zu spät.
Mitschüler legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Sie entgingen nur knapp den tödlichen Schüssen des Amokläufers, dessen Familie …
… von Augenzeugen als "sympathisch" beschrieben wurde.
Andere versuchten ihren Schmerz über diese Tragödie in Worte zu fassen und berichteten von den tragischen Zuständen.
Für diejenigen, denen es sehr schwer fiel mit den Verlusten umzugehen, standen Notfallseelsorger bereit.
In diesem Haus wohnte der Täter. Seine Eltern sollen legal ein ungesichertes Waffenarsenal zu Hause gehabt haben.
Eine der Waffen fehlte bei der Durchsuchung des Hauses.
Ein großer Schock für die Angehörigen der Opfer. Aber auch Eltern und Mitschüler waren fassungslos.
Die schrecklichen Spuren des Amoklaufes: Abgedeckte Leichen liegen auf dem Rasen vor dem Schulgebäude und …
… die Polizei begann mit dem Sammeln von Spuren. Vom Täter fehlte zu der Zeit noch jede Spur.
Währenddessen suchte das Spezialeinsatzkommando der Polizei den Täter. Dieser erschoss auf der Flucht noch einen Mitarbeiter der nahegelegenen Psychiatrie und ...
… zwang einen Autofahrer dazu, ihn einsteigen zu lassen. Nachdem er als nächstes in einem VW-Autohaus seine zwei nächsten Opfer erschoss, kam er selbst ums Leben.
Er schoss auf alles was ihm vor die Augen kam. Kamerateams versuchten, die schrecklichen Geschehnisse …
… in Bildern festzuhalten.
Die Eltern des Täters besitzen laut Polizei legal Waffen. Eine der Waffen fehlte, ...
… als die Polizei das Haus in Leutenbach in der Nähe von Winnenden durchsuchte.
Die Spurensammlung begann damit, Beweismaterial zu sichern.
In Leichenwagen wurden die Toten weggefahren.
Alles was die Beamten finden konnten, wurde zur Untersuchung mitgenommen.
Die Realschule blieb zunächst geschlossen.
Angela Merkel äußerte sich betroffen: "Es ist unfassbar, dass binnen Sekunden Schüler, Lehrer in den Tod gerissen wurden, durch ein entsetzliches Verbrechen."

Mit einem ergreifenden ökumenischen Gottesdienst haben etwa tausend Menschen der 16 Opfer des Amoklaufs von Winnenden gedacht. In der bis auf den letzten Platz gefüllten katholischen Kirche St. Karl Borromäus kamen Bewohner des Städtchens in der Nähe von Stuttgart zusammen, aber auch Politiker wie Ministerpräsident Günther Oettinger, Geistliche, Sanitäter und Polizisten. Sie beteten und zündeten Kerzen an. Viele hatten Tränen in den Augen.

"Es herrscht Fassungslosigkeit, Ratlosigkeit, Ohnmacht und blankes Entsetzen", sagte der katholische Weihbischof Thomas Maria Renz. Seit dem Vormittag lähme die Menschen Hilflosigkeit. "In dieser Situation tut es gut, einen Ort zum gemeinsamen Trauern zu haben", sagte er.

Der evangelische Landesbischof Frank Otfried July sprach von einem "furchtbaren, blutigen Tag". Es mache sprachlos, "dass das hier in Baden-Württemberg, hier in Winnenden geschehen ist, und nicht auf fernen Fernsehbildern", sagte er und fügte an: "Der Tod hat Einzug gehalten in hässlicher und brutaler Form hier in Winnenden." Er habe in die Gesichter derer geblickt, die schwere Schläge empfangen haben. "Man kann nur erahnen, was dort in ihrem Inneren geschieht", sagte der Bischof.

Trauerfeier voraussichtlich kommende Woche

Oettinger zeigte sich beeindruckt von der großen Resonanz auf den Gottesdienst. Die Menschen hätten Zusammenhalt gezeigt. Zugleich kündigte er für voraussichtlich kommende Woche eine Trauerfeier an, zu der auch zahlreiche Spitzenpolitiker aus Berlin kommen sollten.

Der Landesvorsitzende der Grünen, Daniel Mouratidis, erklärte, die Nachricht von dem Amoklauf habe ihn sehr betroffen gemacht, besonders weil er selbst aus der Nähe stamme. "Eine Erklärung für die Tat wird man nicht finden", sagte er. Stadtrat Erich Pfleiderer erklärte, er wolle Anteilnahme zeigen. "Ich war sprachlos, das muss man jetzt erstmal verarbeiten", sagte er.

Ein weiterer Gottesdienst soll am Donnerstag um 19.00 Uhr in der Evangelischen Schlosskirche Winnenden stattfinden.

Bundesweit Fahnen auf Halbmast

Wegen des Amoklaufs von Winnenden hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble für Donnerstag bundesweite Trauerbeflaggung angeordnet. Auch für den Tag der Trauerfeier sollen als Zeichen der Anteilnahme und des Zusammenhalts an allen Bundesbehörden die Flaggen auf Halbmast wehen, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums.

(Isabell Scheuplein, AP, N24)

11.03.2009 10:33 Uhr

Minutenprotokoll des Amoklaufs

öffnenschließenkurz vor 9.30 Uhr Tim K. dringt in die Albertville-Realschule ein und erschießt während des Unterrichts acht Schülerinnen und einen Schüler im Alter von 14 bis 15 Jahre und drei Lehrerinnen.

öffnenschließen9.33 Uhr Aus der Albertville-Realschule alarmiert ein Schüler per Notruf die Polizei.

öffnenschließengegen 9.35 Uhr Auf seiner Flucht erschießt der Amokläufer in der Nähe des Psychiatrischen Landeskrankenhauses in Winnenden einen Mann, der dort gearbeitet hat.

öffnenschließen9.40 Uhr Zwei Interventionsteams der Polizei treffen in der Schule ein. Sie finden die erschossenen Schüler und Lehrerinnen vor. Eine Großfahndung mit mehreren Hubschraubern wird eingeleitet.

öffnenschließen9.45 Uhr Der Täter ist in die Innenstadt von Winnenden unterwegs. Er stoppt einen VW Sharan, kidnappt dessen Fahrer und zwingt ihn zur Fahrt in das 40 Kilometer entfernte Wendlingen.

öffnenschließengegen 10 Uhr Spezialeinheiten der Polizei stürmen das Elternhaus von Tim K. im Stadtteil Weiler zum Stein in Leutenbach (Rems-Murr-Kreis), es ist zwölf Kilometer von der Schule entfernt. Der Vater des Täters besitzt als Mitglied eines Schützenvereins Waffen.

öffnenschließenkurz vor 12 Uhr Der Fahrer des Sharan gerät auf einer Autobahnabzweigung der A 81 in eine Böschung. Der Täter flüchtet zu Fuß zum nahe gelegenen Industriegebiet in Wendlingen. Der Fahrer benachrichtigt eine nahe Polizeistreife.

öffnenschließen12.01 Uhr Tim K. stürmt in ein VW-Autohaus. Dort eröffnet er sofort das Feuer und erschießt einen 46-jährigen Kunden und einen 36-jährigen Mitarbeiter, die gerade in einem Verkaufsgespräch sind.

öffnenschließen12.05 Uhr Als der Amokläufer aus dem Autohaus kommt, eröffnet die Polizei das Feuer und verletzt den jungen Mann am Bein, der sich dann auf einem Parkplatz versteckt. Bei dem Schusswechsel werden zwei Beamte in Zivil schwer verletzt.

öffnenschließen12.30 Uhr Die Beamten finden den Täter zwischen einer Wand und einem parkenden Fahrzeug tot auf dem Rücken liegend. Er hat sich nach Erkenntnissen der Polizei selbst in den Kopf geschossen.

öffnenschließen17.15 Uhr Die Leiche des Amokläufers wird abtransportiert. Etwa eine Stunde später werden auch in Winnenden die toten Schüler und Lehrer aus der Schule getragen.

Zitate zum Amoklauf

öffnenschließen"Frau Koma kommt" Mit einer verschlüsselten Lautsprecherdurchsage hat der Rektor der Albertville-Realschule in Winnenden vor dem Amokläufer gewarnt, während der 17-jährige Tim K. mordend durch Klassenzimmer zog: "Frau Koma kommt", habe der Rektor durchgesagt, berichtete eine Schülerin. Sie fügte hinzu: "Das heißt ja Amok rückwärts. Dann hat die Lehrerin die Tür abgeschlossen."

öffnenschließen"Raus jetzt!" "Wir haben vom Fenster aus gesehen, dass die alle durch die Feuerleiter gegangen sind, dann haben alle gesagt 'Raus jetzt' und dann sind wir in den Zwischenraum gegangen und die Lehrerin, die wurde dann von hinten durch die Tür erschossen", berichtet ein Schüler.

öffnenschließen"Rennt, rennt!" "Ich habe zwei Schüsse und Geschrei gehört. Erst dachte ich, es sei ein Scherz. Aber dann rief jemand: 'Rennt, rennt'. Dann hab ich gesehen, wie Mitschüler aus den Fenstern gesprungen sind und bin losgerannt", erzählt eine 15-Jährige.

öffnenschließen"Wir hörten die Schüsse" "Das war ganz schlimm heute. Wir haben die Schüsse gehört, mussten im Klassenraum eingesperrt warten. Viele haben dann auch angefangen, panisch zu weinen", erzählte ein Mädchen aus einer benachbarten Schule.

öffnenschließen"Noch Stifte in der Hand" "Die Toten hatten zum Teil noch ihre Schreibstifte in der Hand." Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech gab Aussagen des Interventionsteams wieder.

öffnenschließen"Das war so erschütternd" "Das kann man nicht in Worte fassen. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich geweint habe. Wie sie da in den Stühlen hingen, das war so erschütternd", sagte der baden-württembergische Polizeipräsident Erwin Hetger.

öffnenschließen"Er hatte mehr vor" "Die Menge der nicht abgefeuerten Munition deutet darauf hin, dass er weitaus mehr vorhatte", sagte der leitende Kriminaldirektor Ralf Michelfelder.

öffnenschließen"Noch nie erlebt" "Es war ein Amoklauf in Reinkultur. Er ist mit einer Waffe in die Schule rein und hat dann das Blutbad angerichtet. So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Landespolizeipräsident Erwin Hetger.

öffnenschließen"Sympathische Familie" "Die Familie ist gut in die Gemeinde integriert. Sie ist freundlich und sympathisch", sagte Jürgen Kiesl, Bürgermeister von Tim K.s Heimatort Leutenbach.

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