Vor "extremem Jahr"

VW will sich in Krise profilieren

Europas Vorzeigeautobauer VW hat auch mit der Absatzkrise zu kämpfen. Mit zahlreichen neuen Modellen will der Konzern aber gestärkt aus den Turbulenzen hervorgehen. Die Manager profitieren davon.

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VW-Konzernabsatz ist in ersten beiden Monaten 2009 um 15 Prozent gesunken.
Von außen nur ein Touareg: Die Sensation verbirgt sich unterm Blech
Das Hybridmodul: Ganz links würde der Verbrennungsmotor liegen (nicht gezeigt), dann folgen die Trennkupplung sowie Stator und Rotor der E-Maschine. Rechts würde sich das Getriebe anschließen
Eine Spritsparmöglichkeit eröffnet die so genannte Lastpunktverschiebung. Dabei wird die Last des V6 zugunsten des Wirkungsgrads erhöht. Ein Teil der Kraft geht an die Achsen (orange Pfeile), die überschüssige, momentan nicht für den Antrieb benötigte Ene
Vorne die Motoren, hinten die Batterie: VW baut auf den Parallelhybrid
Die gewohnten Eigenschaften des konventionellen Touareg wie hohe Zuglast und dynamische Motorisierung sollten erhalten bleiben
Was das Auto kosten wird, steht natürlich noch nicht fest
Den Audi Q7 soll es, anders als ursprünglich geplant, nicht mit Hybridsystem geben (Bild: konventionell angetriebenes Q7-Modell)
Natürlich verfügt der Touareg Hybrid auch über die Möglichkeit zur Rekuperation (Bremsenergierückgewinnung). Dabei wird mechanische Energie von den Rädern an die E-Maschine geleitet, die nun als Generator arbeitet und elektrischen Strom produziert. Dieser
Der leistungsverzweigte Hybrid (z.B. im Toyota Prius) benötigt zwei E-Maschinen (orange). Ein Planetengetriebe (schwarzer Kreis in der Mitte) dient als Kraftweiche und verteilt die vom Verbrennungsmotor (blau) kommende Energie auf die Achse und die als Ge
Der Touareg Hybrid wird das erste Hybridmodell des Konzerns sein und gleichzeitig mit dem technisch identischen Porsche Cayenne auf den Markt kommen
Beim Parallelhybrid wird nur eine E-Maschine benötigt (orange). Sie erhält Strom von einer Hochvolt-Batterie (gelb). Der Verbrennungsmotor (blau) kann per Trennkupplung zugeschaltet werden. Über ein Getriebe (grün) gelangt die Kraft an die Achse (unten, m
Im Stillstand des Autos ist der V6 abgeschaltet und abgekoppelt. Alle elektrischen Verbraucher beziehen ihren Strom aus der Hybridbatterie (hellblau, rechts). Rechts oben zu sehen: Die Anzeige des Displays im Innenraum
Der Porsche Cayenne Hybrid - hier ein Prototyp - basiert auf der gleichen Hybridtechnik
Im hinteren Teil des Touareg liegt die Batterie, die von (klimatisierter) Innenraumluft gekühlt wird
In ein großes SUV wie den Touareg kann man die große und schwere Hybridtechnik relativ leicht integrieren
Erster Prototyp: Wir durften den VW Touareg mit Hybridsystem schon selbst fahren
Das Hybridsystem passt vollständig in den aktuellen Touareg
Der Kofferraum sieht fast aus wie beim Serienmodell. Die Ladefläche liegt allerdings rund sieben Zentimeter höher
Aus Gründen der Crashsicherheit ist die Batterie in ein stabiles Gehäuse integriert
Der V-Motor allein produziert bereits bis zu 440 Newtonmeter Drehmoment (blaue Kurve) und 333 PS (245 kW, rote Kurve). Mit Unterstützung des Elektromotors werden daraus kurzzeitig 550 Newtonmeter (bei 1 bis 3.000 U/min) und 374 PS (275 kW, ab etwa 5.500 U
Motorraum des Touareg Hybrid: Außer dem V6 sind nur ein paar orangefarbene Hochspannungskabel sichtbar
Konventioneller Betrieb ohne Elektro-Eingriffe: Die gesamte Kraft des V6 geht an die Achsen
Vorderer Teil des Touareg Hybrid: An den V6 Hybrid schließen sich nach der Trennkupplung die scheibenförmige E-Maschine (rötlich) und das Automatikgetriebe an
Der Touareg Hybrid kann rein elektrisch fahren, das heißt nur mit Strom aus der Batterie. Die E-Maschine im Hybridmodul arbeitet nun als Elektromotor und treibt alle vier Räder an
Der Serien-Hybrid wird auf der nächsten Generation des Touareg basieren, die 2010 startet. Doch unser Prototyp (Bild) beruht auf dem aktuellen Modell
Unter dem Kofferraum liegt die Nickel-Metallhydrid-Batterie mit einer Kapazität von sechs Amperestunden oder 1,7 Kilowattstunden
Das kleine Nummernschild zeigt: Der Prototyp basiert auf einem US-Auto
Zauberwort Hybrid: Bald wird die moderne Technik keine reine japanische Domäne mehr sein
Beim Boosten unterstützt die als Elektromotor arbeitende E-Maschine den V-Motor beim Antrieb
Marktreif ist das Hybrid-SUV Ende 2010 oder Anfang 2011
Nur die Aufkleber weisen auf die neue Technik hin
Ganz der Alte, und auch wieder nicht. Schlecht sieht der Golf VI jedenfalls nicht aus
Der neue VW Golf erscheint im Oktober 2008
Zum Vergleich: Front des Golf V und des Golf VI
Die neuen Scheinwerfer laufen nun innen spitz zu statt rund (oben Golf VI, unten Golf V)
Der Scirocco (im Bild unten) hat eine ähnliche Linie, die sich von vorn bis hinten durchzieht
Das Design wirkt kantiger, nicht mehr so rundlich
In der Seitenansicht fällt die horizontale "Charakterlinie" des Neuen auf
Innenraum: Vieles wirkt vertraut
Das Heck erscheint nüchtern, die Leuchten sind nun breiter
Vergleich des Hecks: Hier wurde am meisten geändert
Das Heck ist der interessanteste Teil des neuen Modells
Ende des Wirtschaftswunders: In den 50er Jahren wuchs die deutsche Wirtschaft stark, im Rekordjahr 1955 beispielsweise um 12,1 Prozent.
Mitte der 60er Jahre schwächte sich der Boom ab und 1967 rutschte die heimische Wirtschaft in ihre erste Rezession.
Die Arbeitslosenzahl stieg deutlich. Die Wirtschaftskrise führte mit zur Bildung der ersten großen Koalition, der die Lösung der Probleme am ehesten zugetraut wurde.
1967 schrumpfte die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent.
Erste Ölkrise: Aus Protest gegen die Haltung westlicher Nationen im Nahost-Konflikt verhängten die arabischen Staaten 1973 einen Öllieferboykott.
Der Ölpreis vervierfachte sich in der Folge. Das traf die deutsche Wirtschaft hart
Auch die Verbraucher sparten wegen der hohen Benzinpreise.
Von Herbst 1974 an schrumpfte die deutsche Wirtschaft in vier Quartalen nacheinander. Im Jahr 1975 gab es ein Minus des Bruttoinlandsprodukts von 0,9 Prozent.
Zweite Ölkrise: Nach der Islamischen Revolution 1979 und dem Angriff des Iraks auf den Iran stieg der Ölpreis erneut stark.
Die Revolution wirkte sich mit leichter Verzögerung auch auf die deutsche Wirtschaft aus.
Sie schrumpfte Mitte 1982 in zwei Quartalen in Folge. Für das Gesamtjahr betrug das Minus 0,4 Prozent.
Ende des Booms der Wiedervereinigung: Die Wirtschaften der USA und anderer Länder rutschten schon 1990 in eine lang anhaltende Rezession - die Gründe dafür sind bis heute unter Ökonomen umstritten.
Der mit der Wiedervereinigung einsetzende Bauboom hielt die deutsche Wirtschaft dagegen zunächst weiter im Plus.
Als der Boom abebbte, holte die Rezession auch die heimische Wirtschaft ein. Von Frühjahr 1992 schrumpfte oder stagnierte die deutsche Wirtschaft über vier Quartale hinweg. 1993 sank das Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent.
Platzen de Internetblase: Zahlreiche Firmen setzten Anfang des Jahrtausends auf vermeintliche neue Chancen des Internets und anderer neuer Technologien.
Die Chancen aber wurden überschätzt.
Als klar wurde, dass die erhofften Gewinne nicht zu erzielen waren, rutschten viele Industrieländer in eine Rezession.
Von Ende 2002 bis Mitte 2003 schrumpfte die deutsche Wirtschaft in drei Quartalen in Folge.
Für das Jahr 2002 stand ein Minus von 0,2 Prozent unter dem Strich.
Die deutsche Konjunktur sprang erst im Jahr 2005 wieder richtig an.

Der Volkswagen-Konzern wagt für 2009 wegen der Krise der Autoindustrie weiter keine konkrete Geschäftsprognose. Wie der Wolfsburger DAX-Konzern auf seiner Bilanzpressekonferenz mitteilte, dürften die Einnahmen in Folge der sinkenden Fahrzeugverkäufe sinken und höhere Refinanzierungskosten das Ergebnis belasten. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt. Die VW-Aktie tendierte nahezu unverändert bei 211 Euro.

"Aufgrund des äußerst schwachen Geschäfts zu Beginn des Jahres ist das Erreichen des hohen Ergebnisniveaus der Vorjahre nicht möglich", erklärte der größte europäische Autohersteller. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres verkauften die Wolfsburger den Angaben zufolge angesichts der Zurückhaltung der Kunden 809.200 Fahrzeuge und damit 15 Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres.

Winterkorn: "Wir bleiben auf der Überholspur"

"Vor uns liegt ein extrem schwieriges Jahr", sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn. Er zeigte sich aber zugleich zuversichtlich, dass Volkswagen gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. "Die Stärken des Mehrmarkenkonzerns zahlen sich jetzt aus und deshalb sehe ich Volkswagen in der Pole Position in der Zeit nach der Krise, wenn die Märkte wieder anziehen werden", sagte Winterkorn. Er fügte hinzu: "Wir bleiben auf der Überholspur und der Tank ist gut gefüllt."

60 neue Modelle geplant

2009 will der Konzern rund 60 neue Modelle, Produktaufwertungen und Nachfolger auf den Markt bringen. "Unser erklärtes Ziel bleibt es, dass der Volkswagen Konzern besser abschneidet als der Gesamtmarkt und weltweit Marktanteile hinzugewinnt", sagte Winterkorn.

VW hatte die Zahlen für das Gesamtjahr bereits Anfang März veröffentlicht. Danach fuhr der Konzern ungeachtet der Wirtschaftsflaute im vergangenen Jahr mit 6,2 Millionen abgesetzten Golf, Polo, Passat, Audi, Skoda und Co. einen neuen Verkaufsrekord ein. Das Nettoergebnis stieg um 15 Prozent auf 4,75 Milliarden Euro.

Schwächen im vierten Quartal

Am Donnerstag berichtete der Konzern auch die Ergebnisse für das Schlussquartal 2008. Danach hinterließ die Flaute bei den Neuwagenverkäufen in den letzten drei Monaten des Jahres auch bei den Wolfsburgern deutliche Spuren.

Starke Marken: Audi und VW

Der Konzern machte auch erstmals Angaben zur Entwicklung der einzelnen Marken im vergangenen Jahr. Die Kernmarke VW steigerte das operative Ergebnis um 39,9 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Auch die Ingolstädter Tochter Audi trug mit knapp 2,8 Milliarden Euro nochmals 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr zum operativen Ergebnis bei. Der Beitrag der Nutzfahrzeugsparte stieg um 23 Prozent auf 375 Millionen Euro.

Seat bleibt Sorgenkind

Nicht alle der inzwischen neun Konzernmarken trugen jedoch im vergangenen Jahr zum Rekordergebnis bei. So fuhr Skoda operativ 565 Millionen Euro ein und damit 20,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Sorgenkind des Konzerns, die spanische Tochter Seat, die es 2007 endlich in die schwarzen Zahlen geschafft hatte, verbuchte 2008 einen operativen Verlust von 78 Millionen Euro nach einem Gewinn von 8 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Volkswagen-Vorstand hat vom Höhenflug der VW-Aktie im vergangenen Jahr kräftig profitiert. Die Vorstandsvergütungen für die fünf Topmanager stiegen von rund 16,5 Millionen Euro im Jahr 2007 auf 45,4 Millionen Euro. Das geht aus dem Geschäftsbericht hervor.

Winterkorn-Bezüge verdoppelt

Topverdiener war Konzernchef Martin Winterkorn, der 12,7 Millionen Euro kassierte, nach 5,1 Millionen Euro im Jahr 2007. Die übrigen Vorstandsmitglieder bezogen zwischen 6,8 und 9,5 Millionen Euro. Der enorme Anstieg kam aus dem Verkauf von Aktienoptionen aller Vorstandsmitglieder im Herbst. Damals erlebte die VW-Aktie einen von Spekulanten ausgelösten Höhenflug, der das Papier auf bis zu 1.000 Euro Kurswert führte. Die Topmanager verkauften daraufhin ihre über Aktienoptionspläne bezogenen Anteilsscheine mit Gewinnen. Am Donnerstag lag die VW-Aktie bei 212 Euro.

(dpa, N24)

13.02.2009 10:30 Uhr

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