Europas Vorzeigeautobauer VW hat auch mit der Absatzkrise zu kämpfen. Mit zahlreichen neuen Modellen will der Konzern aber gestärkt aus den Turbulenzen hervorgehen. Die Manager profitieren davon.
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Der Volkswagen-Konzern wagt für 2009 wegen der Krise der Autoindustrie weiter keine konkrete Geschäftsprognose. Wie der Wolfsburger DAX-Konzern auf seiner Bilanzpressekonferenz mitteilte, dürften die Einnahmen in Folge der sinkenden Fahrzeugverkäufe sinken und höhere Refinanzierungskosten das Ergebnis belasten. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt. Die VW-Aktie tendierte nahezu unverändert bei 211 Euro.
"Aufgrund des äußerst schwachen Geschäfts zu Beginn des Jahres ist das Erreichen des hohen Ergebnisniveaus der Vorjahre nicht möglich", erklärte der größte europäische Autohersteller. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres verkauften die Wolfsburger den Angaben zufolge angesichts der Zurückhaltung der Kunden 809.200 Fahrzeuge und damit 15 Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres.
Winterkorn: "Wir bleiben auf der Überholspur"
"Vor uns liegt ein extrem schwieriges Jahr", sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn. Er zeigte sich aber zugleich zuversichtlich, dass Volkswagen gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. "Die Stärken des Mehrmarkenkonzerns zahlen sich jetzt aus und deshalb sehe ich Volkswagen in der Pole Position in der Zeit nach der Krise, wenn die Märkte wieder anziehen werden", sagte Winterkorn. Er fügte hinzu: "Wir bleiben auf der Überholspur und der Tank ist gut gefüllt."
60 neue Modelle geplant
2009 will der Konzern rund 60 neue Modelle, Produktaufwertungen und Nachfolger auf den Markt bringen. "Unser erklärtes Ziel bleibt es, dass der Volkswagen Konzern besser abschneidet als der Gesamtmarkt und weltweit Marktanteile hinzugewinnt", sagte Winterkorn.
VW hatte die Zahlen für das Gesamtjahr bereits Anfang März veröffentlicht. Danach fuhr der Konzern ungeachtet der Wirtschaftsflaute im vergangenen Jahr mit 6,2 Millionen abgesetzten Golf, Polo, Passat, Audi, Skoda und Co. einen neuen Verkaufsrekord ein. Das Nettoergebnis stieg um 15 Prozent auf 4,75 Milliarden Euro.
Schwächen im vierten Quartal
Am Donnerstag berichtete der Konzern auch die Ergebnisse für das Schlussquartal 2008. Danach hinterließ die Flaute bei den Neuwagenverkäufen in den letzten drei Monaten des Jahres auch bei den Wolfsburgern deutliche Spuren.
Starke Marken: Audi und VW
Der Konzern machte auch erstmals Angaben zur Entwicklung der einzelnen Marken im vergangenen Jahr. Die Kernmarke VW steigerte das operative Ergebnis um 39,9 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Auch die Ingolstädter Tochter Audi trug mit knapp 2,8 Milliarden Euro nochmals 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr zum operativen Ergebnis bei. Der Beitrag der Nutzfahrzeugsparte stieg um 23 Prozent auf 375 Millionen Euro.
Seat bleibt Sorgenkind
Nicht alle der inzwischen neun Konzernmarken trugen jedoch im vergangenen Jahr zum Rekordergebnis bei. So fuhr Skoda operativ 565 Millionen Euro ein und damit 20,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Sorgenkind des Konzerns, die spanische Tochter Seat, die es 2007 endlich in die schwarzen Zahlen geschafft hatte, verbuchte 2008 einen operativen Verlust von 78 Millionen Euro nach einem Gewinn von 8 Millionen Euro im Vorjahr.
Der Volkswagen-Vorstand hat vom Höhenflug der VW-Aktie im vergangenen Jahr kräftig profitiert. Die Vorstandsvergütungen für die fünf Topmanager stiegen von rund 16,5 Millionen Euro im Jahr 2007 auf 45,4 Millionen Euro. Das geht aus dem Geschäftsbericht hervor.
Winterkorn-Bezüge verdoppelt
Topverdiener war Konzernchef Martin Winterkorn, der 12,7 Millionen Euro kassierte, nach 5,1 Millionen Euro im Jahr 2007. Die übrigen Vorstandsmitglieder bezogen zwischen 6,8 und 9,5 Millionen Euro. Der enorme Anstieg kam aus dem Verkauf von Aktienoptionen aller Vorstandsmitglieder im Herbst. Damals erlebte die VW-Aktie einen von Spekulanten ausgelösten Höhenflug, der das Papier auf bis zu 1.000 Euro Kurswert führte. Die Topmanager verkauften daraufhin ihre über Aktienoptionspläne bezogenen Anteilsscheine mit Gewinnen. Am Donnerstag lag die VW-Aktie bei 212 Euro.