Künstliche Bräune

Sonnenstudios tabu für unter 18-Jährige

Der Traum vom perfekten Teint treibt Tausende in die Sonnenstudios. Vor allem Jugendliche eifern dem Schönheitsideale von der braunen Haut nach. Dem schiebt die Regierung nun einen Riegel vor.

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Nur Erwachsene dürfen auf die Sonnenbank. Jugendliche unter 18 Jahren sollen so besser vor Hautkrebs geschützt werden. (Bild: dpa)

Blasse Haut törnt viele Jugendliche ab. Trotz der Risiken legen sich viele ins Solarium - oft wieder und wieder. Manche sind hinterher krebsrot. Die Haut vergisst die Strahlen nicht. Hautkrebs droht, Tendenz steigend.

Deshalb beschloss das Bundeskabinett ein Sonnenstudio-Verbot bis zum Alter von 18 Jahren. Rund 3,5 Millionen erwachsene Solariennutzer haben laut Krebshilfe bereits zwischen 10 und 17 Jahren mit dem künstlichen Bräunen begonnen. Mindestens jeder zehnte Minderjährige folgt nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention diesem Schönheitsideal.

"Schon Zwölfjährige, insbesondere Mädchen, bräunen ihre Haut mit Hilfe künstlicher UV-Strahlung", berichtet der Geschäftsführer der Krebshilfe, Gerd Nettekoven. Er mahnt: "Wer unter 30 beginnt, regelmäßig auf die Sonnenbank zu gehen, der erhöht sein Lebenszeit-Risiko für Hautkrebs immerhin um 75 Prozent."

Eckhard Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention spricht von "einer richtigen Zeitbombe". Die unsichtbar angelegten Schäden können noch 30 Jahre oder später Hautkrebs auslösen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 140.000 Menschen neu an dem heimtückischen Leiden, mindestens 22.000 davon am hochgefährlichen Schwarzen Hautkrebs. 3.000 Bundesbürger sterben daran im Jahr.

Auch Erwachsene brutzeln sich oft in Hochrisikobereichen der Strahlung. In Hamburg haben 59 von 64 befragten Hautärzten in einem Jahr Patienten mit Verbrennungen durch Solarien behandelt. Als Jugendlicher denkt man in der Regel besonders wenig an mögliche Folgen in späteren Jahren. Im Moment zählt nur, sich schick und braun zu machen für Clique, Disco-Nächte, Schule.

Die Entscheidung sei "sehr sinnvoll" angesichts der Zunahme von Hautkrebserkrankungen in Deutschland von sieben bis zehn Prozent pro Jahr, sagt Prof. Eggert Stockfleth, Leiter des Hauttumor-Centrums am Universitätsklinikum Charité in Berlin. Der Zusammenhang zwischen UV-Exposition und Hautkrebs sei wissenschaftlich längst belegt. UVA-Strahlen dringen dabei tief in die Haut ein und lassen sie zum einen schneller altern.

Zum anderen sind sie für einen späteren Hautkrebs verantwortlich. Jugendliche Haut sei vor schädlichen Sonnenstrahlen deutlich weniger geschützt als die eines Älteren - sie ist empfindlicher. "Sie ist dünner und hat weniger Abwehrmöglichkeiten gegen veränderte Zellen." Schützende "Lichtschwielen" bildeten sich erst im späteren Leben.

Untersuchungen haben gezeigt, dass jede zweite 14-Jährige einmal pro Woche ins Sonnenstudio geht. Eine laut Stockfleth bedenkliche Zahl: Denn je öfter ein Mensch seit frühester Kindheit der Sonnenbestrahlung ausgesetzt war, umso ist höher sein Hautkrebsrisiko. "60 Prozent der UV-Belastung nimmt der Körper in jungen Jahren auf."

Schon während der monatelangen Debatten um das Verbot machten Solarien-Freunde in einschlägigen Blogs Front dagegen. In den USA habe sich nicht viel am Verhalten jugendlicher Bräune-Fans geändert, seitdem in vielen Staaten Sonnenbank-Verbote in Kraft seien, heißt es da. Oder die Studios sollten lieber zu mehr Anleitung für die bessere Handhabung der Geräte gezwungen werden. Ansätze der Freiwilligkeit brachten allerdings in Deutschland keinen Erfolg. Nur rund 300 von etwa 7.000 Studios machten bei einer entsprechenden Aktion für mehr Beratung, weniger Strahlung und dem verstärkten Abweisen von Jugendlichen mit.

(DPA, N24)

13.03.2009 15:08 Uhr

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