Baden-Württemberg hat in einer Schweigeminute den Opfern des Amoklaufs von Winnenden gedacht. Auch am Mittwoch werden wieder drei von ihnen beigesetzt.
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Eine Woche nach dem Amoklauf von Winnenden hat Baden-Württemberg am Mittwoch um 10.00 Uhr mit einer Schweigeminute der 15 Opfer gedacht. Viele Behörden, Institutionen, kulturelle Einrichtungen und Unternehmen unterbrachen ihren Betrieb. In einigen Städten blieben Straßenbahnen stehen. Hörfunksender unterbrachen ihre Sendungen. Beim Autobauer Daimler standen die Bänder in Stuttgart, Sindelfingen und Rastatt für eine Minute still. Auch Amtsgerichte wie in Stuttgart beteiligten sich an der Gedenkminute. Vor dem Tatort, der Albertville-Realschule, gedachten 200 Menschen der Opfer.
Im Landtag in Stuttgart erhoben sich die schwarz gekleideten Parlamentarier zu Beginn der Sitzung zu einer Schweigeminute. Landtagspräsident Peter Straub (CDU) sagte: "Unsere Erschütterung und Beklommenheit sind übergroß und übermächtig. Unsere Trauer gerinnt zur Totenklage." Mit dem Amoklauf sei ein Alptraum Realität geworden. Eine Woche nach dem Blutbad wolle niemand das "parlamentarische Tagwerk geschäftsmäßig beginnen", sagte Straub. Das einzige Licht im Dunkel sei das Handeln von Menschen gewesen, die geistesgegenwärtig versucht hätten, Schlimmeres zu verhindern. Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) dankte den Helfern und Seelsorgern für ihren Einsatz.
Weitere Beerdigungen von Amok-Opfern
Unterdessen werden drei weitere Opfer der Gewalttat zu Grabe getragen. Auf dem Friedhof in Leutenbach-Weiler zum Stein (Rems-Murr-Kreis) werden zwei weitere Schülerinnen beigesetzt, auf dem Waldfriedhof in Backnang am Mittag eine ihrer Lehrerinnen. Parallel laufen die Vorbereitungen zu der zentralen Trauerfeier am Samstag. Bis zu 100.000 Gäste werden dabei erwartet - darunter Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Am Dienstag hatte die Familie des Amokläufers Tim K. erstmals den Opfern ihr Mitgefühl ausgesprochen. Unmittelbar nach der Tat des 17 Jahre alten Todesschützen hatten sie den Heimatort Leutenbach verlassen. In einem offenen Brief, der vom Anwalt der in dem Schreiben genannten "Familie Kretschmer" aus Leutenbach am Dienstagnachmittag in Stuttgart verbreitet wurde, hieß es nun: "Ihnen wurde das Wertvollste und Wichtigste, ein geliebter Mensch, durch die entsetzliche und unbegreifbare Tat unseres Sohnes und Bruders, genommen. (...) Wir hätten Tim so etwas nie zugetraut und kannten ihn anders. (...) Alle unsere Gedanken sind auch bei den körperlich und seelisch Verletzten."
Erstes Urteil gegen Trittbrettfahrer
In Stuttgart ist derweil der erste Trittbrettfahrer vor Gericht zu einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Urteil vor dem Amtsgericht Stuttgart erging nach Angaben von Richter Alexander Brost wegen erheblicher Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat. Der 24-jährige geständige Arbeitslose hatte am Tag des Amoklaufs im Internetportal Kwick.de einen fiktiven Pressetext eingestellt mit der Beschreibung einer Amoktat an einer Waiblinger Berufsschule. Der Mann muss zudem 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.