Doping zu DDR-Zeiten

Vorwürfe gegen Biathlon-Bundestrainer

Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich muss sich gegen heftige Vorwürfe wehren. Athleten aus der DDR-Zeit behaupten, Ullrich habe sie zur Einnahme verbotener Substanzen getrieben. Ullrich streitet ab.

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Biathlon-Trainer Frank Ullrich hält dagegen, dass er als junger Trainer gar nicht die Befugnis dazu gehabt hätte, den Athleten Vorschriften zu machen.
Faszination Biathlon: Die Sportart ist ein Phänomen.
Während anderen Wintersportarten die Sponsoren wegbrechen und die Zuschauer ausbleiben, sind die Biathlon-Rennen im Fernsehen ein Zuschauermagnet. Die Arenen - wie AufSchalke - prall gefüllt.
Der Sport fasziniert durch das Zusammenspiel von Natur und ...
... Sport oder anders ausgedrückt: ...
... dem Kampf Mann gegen Mann beziehungsweise Frau gegen Frau. Und das nicht nur ...
... mit Skiern auf der Strecke, sondern ...
... auch mit dem Gewehr am Schießstand.
Der Zuschauer ist hautnah dabei.
Ein weiterer Pluspunkt der Sportart: Die Stars der Szene kommen aus Deutschland und sind "zum Anfassen". Ein Autogramm der mehrfachen Weltmeisterin Martina Beck, ehemals Glagow, ist ...
... bei den Schlachtenbummlern ...
... genauso beliebt ...
... wie die bekannten Pins, die es an jedem Weltcup-Ort gibt.
Zur deutschen Dominanz in den vergangenen Jahren trugen etwa Stars wie Uschi Disl, ...
... Ricco Groß, ...
... Sven Fischer oder ...
... Superschütze Frank Luck ...
...ihr Scherflein bei. Zudem konnten sie in der Regel nach ihrem Karriereende adäquat ersetzt werden. Vor allem bei den Frauen stehen oft Deutsche auf dem Siegertreppchen - und da meist auf der obersten Stufe.
Neben den Thüringerinnen Kati Wilhelm (3x Olympiagold, 3x Weltmeistein), ...
... und Andrea Henkel (2x Olympiasiegerin, 6-fache Weltmeisterin) zählen vor allem ...
... Martina Beck (geb. Glagow; 3-fache Weltmeisterin) aus Garmisch-Partenkirchen und ...
... Magdalena Neuner aus Wallgau zu den absoluten Top-Stars.
Vor allem Magdalena Neuner (Spitzname "Gold-Lena") brachte dem Biathlon-Sport in Deutschland einen neuen Schub. In ihrer Debüt-Saison 2007/2008 wurde sie sowohl Doppel-Weltmeisterin bei den Juniorinnen, als auch Dreifach-Weltmeisterin bei den Frauen.
Neuner räumte in ihrer Debüt-Saison auch den Gesamt-Weltcup bei den Frauen ab. Und das trotz mäßiger Schießleistungen.
An Erholung war danach nur selten zu denken:
Neuner wurde zum "Juniorsportler des Jahres 2007" gewählt. Und auch ...
... die Auszeichnung zum "Sportler des Jahres 2007" erhielt die im Februar 1987 Geborene. Bei den Männern gewann Turner Fabian Hambüchen.
Auftritte in großen Fernseh-Shows waren die Folge.
Mit ihren Teamkolleginnen Andrea Henkel (M) und Kati Wilhelm (r.) ...
... war Neuner unter anderem 2008 bei "Wetten, dass ...?" in Erfurt.
Auf der Gästecouch saß damals auch Paris Hilton (l.).
Bei den Männern gewann mit Michael Greis 2006/2007 zuletzt ein Deutscher den Gesamt-Weltcup.
Der gebürtige Füssener wohnt seit Jahren in Nesselwang. Greis ist dreifacher Olympiasieger und Weltmeister.
Die Hauptkonkurrenten von Greis um die Weltcup-Einzel-, und um den Gesamtsieg kommen aus Russland und Norwegen. Stärkster Widersacher war in den vergangenen Jahren Ole Einar Björndalen.
Der Norweger gilt als der erfolgreichste Biathlet aller Zeiten. Er gewann beispielsweise bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City alle vier ausgetragenen Biathlon-Wettbewerbe.
Mit Emil Hegle Svendsen erwächst Björndalen aber im eigenen Team bereits starke Konkurrenz.
Die deutschen Hoffnungen ruhen unter anderem auf Alexander Wolf (Oberhof), ...
... Michael Rösch (Zinnwald), ...
... Andreas Birnbacher, der für den SC Schleching startet, und ...
... dem Gräfenrodaer Daniel Graf.
Der Biathlon-Gesamtweltcup umfasst zehn Weltcup-Stationen und die WM, die in dieser Saison im südkoreanischen Pjöngjang stattfindet. Die Saisonhighlights sind dabei die Weltcup-Rennen in der Rennsteig-Arena in Oberhof (im Bild), ...
... in der Chiemgau-Arena in ...
... Ruhpolding und ...
... in Antholz (Italien).
Weltcup-Disziplinen sind dabei der Sprint, bei dem jeweils zwei Mal geschossen wird (je ein Mal liegend und stehend) und der bei den Frauen 7,5 Kilometer und bei den Männern 10 Kilometer lang ist. Gelaufen werden drei Runden - im sogenannten Skating-Stil.
Im Einzel geht es über 15 Kilometer bei den Frauen und 20 Kilometer bei den Männern. Es wird insgesamt vier Mal geschossen, jeweils zwei Mal liegend und stehend. Der Unterschied zum Sprint besteht darin, ...
... dass Fehlschüsse nicht mit Strafrunden sondern mit Strafminuten ausgeglichen werden. Im Einzel sind daher eher sichere Schützen bevorteilt, beim Sprint schnellere Läufer.
Eine weitere Weltcup-Disziplin ist die Verfolgrung. Dabei wird nach dem Einlauf und den Zeitabständen im Sprint gestartet: Der Sprint- oder Einzelsieger läuft als Erster los. Der Rest der Starter folgt in den jeweiligen Zeitabständen.
Bei der Verfolgung werden insgesamt fünf Runden gelaufen, es wird vier Mal geschossen - wieder jeweils zwei Mal liegend und stehend. Dasselbe Szenario gilt beim Massenstart-Wettbewerb. Allerdings starten hier die 30 Weltcupbesten gleichzeitig.
Königsdisziplin ist der Staffel-Wettbewerb. Jedes Land wird durch vier Athleten vertreten, die nacheinander ins Rennen gehen. Gelaufen werden jeweils drei Runden. Es wird ein Mal liegend und ein Mal stehend geschossen.
Bei Fehlschüssen darf insgesamt drei Mal nachgeladen werden. Sollte dann immer noch eine Scheibe nicht gefallen sein, muss eine Strafrunde pro Fehler gelaufen werden.
Der Staffel-Wettbewerb ist in etwa mit dem DFB-Pokal vergleichbar: Er hat seine eigenen Gesetze. Die Spannung bleibt meist bis zum letzten Läufer erhalten, da ein Patzer eines Starters durch die anderen aufgefangen werden kann.
Biathlon ist mehr als nur ein simpler Wintersport, Biathlon ist eine Frage der Konzentration und Nerven: Hat man sie im Griff, ...
... kann man den Sieg genießen!

Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich und der frühere DDR-Chefcoach Wilfried Bock sind vom ehemaligen Biathleten Jürgen Wirth in einem Beitrag der ARD mit Doping-Praktiken in Verbindung gebracht worden. "Die Vorwürfe von Jürgen Wirth sind ungeheuerlich. Ich habe in meiner gesamten Trainerlaufbahn niemals einen Athleten dazu angewiesen, Dopingmittel einzunehmen. Ich lehne grundsätzlich jede Art von unerlaubter Leistungsmanipulation strikt ab. Jetzt werde ich so schnell wie möglich überprüfen lassen, wie ich gerichtlich gegen diese unwahren Anschuldigungen vorgehen kann", erklärte Ullrich.

Auch der Deutsche Skiverband (DSV) will sich mit der Angelegenheit befassen. "Was Wilfried Bock betrifft, werden wir die Aktenlage umfassend analysieren und überprüfen. Im Fall von Frank Ullrich, ist es aber so, dass sich in den vergangenen Jahren im Vorfeld von Olympischen Spielen mehrere Kommissionen mit der Vergangenheit aller Deutscher Bundestrainer beschäftigt haben. Der Deutsche Skiverband hat in all diesen Jahren keinerlei Hinweise oder Empfehlungen erhalten, nach denen Frank Ullrich nicht mehr für den Deutschen Skiverband als Cheftrainer hätte arbeiten können oder sollen", erklärte Stefan Schwarzbach, der Sprecher des Deutschen Skiverbandes (DSV).

Jens Steinigen, Goldmedaillengewinner mit der bundesdeutschen Biathlon-Staffel bei den Olympischen Spielen 1992 in Albertville, der in dem Beitrag als zweiter Kronzeuge zu Wort kam, sagte zu Ullrich: "An seine Rolle kann ich mich nicht mehr so im Detail erinnern. Er war nur bei den Gesprächen 1986, wie es um die konkrete Vergabe der Dopingmittel ging, anwesend." Steinigen, so hieß es in dem Beitrag, habe schon "nach dem Mauerfall Zweifel an Ullrichs Glaubwürdigkeit gesät. Er sagt heute, Ullrich habe bereits als Trainer in Oberhof von Doping-Praktiken gewusst."

Ullrich: War nicht befugt

Jürgen Wirth, der 1987 und 1988 zum DDR-Kader gehört hatte, stellte fest: "Frank Ullrich hat uns damals angewiesen, dieses Mittel Oral-Turinabol einzunehmen, damit wir schneller wieder regenerieren, das heißt, schnellere Erholungsphasen haben und bessere Trainingsleistungen bringen können."

In einer schriftlichen Stellungnahme von Ullrich, die in der Fernsehsendung eingeblendet wurde, stellte der Bundestrainer fest: Es müsse bekannt sein, dass "ich als junger Co-Trainer, der erst im Jahre 1987 seine Trainerlaufbahn begann, weder zu Anordnungen noch zu Kontrollmaßnahmen befugt war."

Tabletteneinnahme kontrolliert

Nach ARD-Angaben bleibt Wirth bei seiner Aussage und nannte noch einen weiteren Namen, Wilfried Bock, einst als DDR-Verbandstrainer der Chef von Frank Ullrich. "Wir haben dann die Tablette in den Mund genommen und sollten sie runterschlucken und sollten dann Zunge rausstrecken, das mans sieht, ob die Tablette noch im Mund ist." Auf die Frage "Haben auch die Trainer Frank Ullrich und Wilfried Bock die Einnahme kontrolliert?", antwortete Wirth: "Die Trainer Wilfried Bock und Frank Ullrich haben die Einnahme auch kontrolliert und damit jeder wirklich diese Tablette nimmt."

Jens Steinigen erklärte auf die Frage, wer Sie damals genötigt habe, die Dopingmittel zu nehmen? "Das waren die damaligen verantwortlichen Trainer, insbesondere der Cheftrainer, damals Herr Bock."

(dpa, N24)

22.03.2009 20:16 Uhr

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