"Arme ignorante Person"

Chavez stichelt gegen Obama

In seiner wöchentlichen Fernsehansprache hob Venezuelas Präsident Chavez einmal mehr zu einer seiner berüchtigten Verbalattacken an. Diesmal traf es US-Präsident Obama.

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Hugo Chavez ist nicht gerade ein "Sensibelchen" - vor allem, wenn es um die richtigen Worte für Politkollegen geht (Bild vom 15.02.2009).
... "Ich habe zu viel Respekt vor der Intelligenz der Italiener, um zu glauben, sie könnten solche Trottel ("coglioni") sein und gegen ihre eigenen Interessen stimmen." (Über die Anhänger der Opposition, Parlamentswahl April 2006, Italien)
"Nur Napoleon hat mehr getan als ich. Aber ich bin definitiv größer." (Februar 2006)
"Ich bin der Jesus Christus der Politik. Ich bin ein geduldiges Opfer, habe mich selbst für alle geopfert." (Februar 2006)
"Gehen Sie und lesen Sie im Schwarzbuch des Kommunismus und Sie werden sehen, dass im China Maos keine Babys gegessen wurden, aber gekocht, um damit die Felder zu düngen." (März 2006)
"Nicht einmal die Wirtschaft läuft wirklich schlecht. Von meiner Villa aus habe ich eine herrliche Panorama-Sicht, die auch dieses Jahr durch den Blick auf viele Yachten besticht ...
... Niemand kann mehr Mobiltelefone, mehr Autos, mehr Fernseher sein Eigen nennen als die Italiener. Wissen sie wie viele unserer Frauen sich Schönheitsoperationen leisten können?" (In einem Interview mit "La Stampa", August 2005)
"Mussolini hat nie jemanden getötet. Mussolini schickte Menschen in Lager in den Urlaub." (Juni 2005)
"Herr Schulz, ich weiß, dass ein Mann in Italien einen Film über Konzentrationslager der Nazis produziert. Ich würde sie gern für die Rolle eines Aufsehers vorschlagen. Sie wären perfekt." Berlusconi zum deutschen EU-Abgeordneten Martin Schulz ...
… der ihn während einer Debatte im EU-Parlament kritisierte, Juli 2003.
"Ich habe ein Segelboot, aber in den vergangenen zwei Jahren war ich nur einen Tag darauf. Und in meinem Haus ...
... auf den Bermudas war ich seit zwei oder drei Jahren nicht mehr ... Mein Leben hat sich verändert …
... Die Qualität ist schrecklich geworden. Was für ein brutaler Job." (In einem Interview mit der "New York Times", Mai 2003)
"Die Klügsten können sicherlich einen zweiten Job finden, vielleicht inoffiziell." (Aufforderung an entlassene Fiat-Arbeiter, sich Jobs auf dem Schwarzmarkt zu suchen)
"Manchmal funktionieren Tretboote gut. Keine der Leichen hat sich beschwert." (Auf die Frage, warum die Polizei Tretboote benutzen muss, um schiffbrüchige Immigranten vor der Küste zu bergen, September 2002)
Berlusconi hebt bei einer Gruppenaufnahme beim EU-Gipfel hinter dem Kopf des spanischen Außenministers Josep Pique zwei Finger und macht die in südlichen Ländern gebräuchliche Geste für einen betrogenen Ehemann. (Februar 2002)
"Vor dem Gesetz sind alle Bürger gleich, aber vielleicht ist dieser hier noch ein bisschen gleicher als die anderen, angesichts der Tatsache ...
... dass ihm 50 Prozent der Italiener die Verantwortung übertrugen, ihr Land zu regieren." (Während eines gegen ihn gerichteten Korruptionsprozesses, Juni 2003)
Wie heisst es in seinem Wahlkampflied so schön? "Meno male che Silvio c'è" - Zum Glück gibt es Silvio. Immer gut für einen schrägen Spruch.
Prostitution: Wirtschaftsminister Michael Glos, hier bei der Grünen Woche in Berlin, nannte in Oppositionszeiten den damaligen Außenminister Joschka Fischer einen "Zuhälter".
Fischer selbst, hier bei seiner Vereidigung zum hessischen Umweltminister, war auch nicht immer zimperlich. Bundestagsvizepräsident Richard Stücklen kanzelte er schroff ab: "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch."
Fischers Kumpel Gerhard Schröder am Wahlabend 2005: "Glauben Sie im Ernst, dass meine Partei auf ein Gesprächsangebot von Frau Merkel einginge, in dem sie sagt, sie möchte Bundeskanzlerin werden? Wir müssen die Kirche mal im Dorf lassen!"
Noch einer aus der rot-grünen Riege: Wolfgang Thierse ging Altkanzler Helmut Kohl hart an. "Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal." Thierse nahm später seine Aussage zurück.
Legte sich mit der Kirche an: Claudia Roth nannte Bischof Walter Mixa einen "durchgeknallten, spalterischen Oberfundi". Die Reaktion: Roth weise "faschistoide Züge" auf, von NS-Propagandahetze war die Rede.
Apropos NS-Vergleiche - der polnische EU-Parlamentarier Maciej Giertych über Kanzlerin Merkel: "Hitler wollte auch eine Supermacht schaffen. Angela Merkel handelt ähnlich, aber sie ist geschickter."
Italiens Immer-Wieder-Ministerpräsident Silvio Berlusconi schlägt in dieselbe Kerbe: Wegen seiner Kritik an Berlusconi empfahl er den deutschen EU-Parlamentsabgeordneten Martin Schulz für die Rolle des KZ-Aufsehers in einem Spielfilm.
Immer für einen gut: Venezuelas Staatschef Hugo Chavez sagte über Angela Merkel und die CDU, die konservative Partei gehöre zum rechten Lager, "derselben Rechten, die Hitler und den Faschismus unterstützt hat".
Dabei muss Chavez auch einstecken. Beim letztjährigen Iberoamerikanischen Gipfel unterbrach er ständig den Spanier Luis Zapatero. Wenig royal die Reaktion von König Juan Carlos: "Warum hältst Du nicht die Klappe?"
Scheiterte an seiner Homophobie: Weil Rocco Buttiglione Homosexuelle verachtet, wurde er als designierter EU-Kommissar untragbar. Verteidigt wurde er vom ultrarechten Minister Mirko Tremaglia: "Armes Europa. Die Schwuchteln sind in der Mehrheit."
Beim Bad in der Menge gingen Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die Pferde durch. Zu einem älteren Herren, der sich von Sarko bei der Landwirtschaftsmesse im Februar nicht anfassen lassen wollte, sagte er: "Dann hau doch ab, du Idiot."

Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat US-Präsident Barack Obama als "ignorant" bezeichnet. Obama müsse noch viel über Lateinamerika lernen, sagte der Sozialist am Sonntagabend in seiner wöchentlichen Fernsehansprache. Beim Amtsantritt des US-Präsidenten sei er noch bereit gewesen, einen neuen Botschafter in Washington zu ernennen. Dies habe er jedoch ausgesetzt, nachdem ihn Obama beschuldigt habe, Terrorismus zu exportieren und ein Hindernis für den Fortschritt in der Region zu sein. "Zumindest kann man sagen: arme ignorante Person", sagte Chavez an die Adresse Obamas und fügte an: "Er sollte ein wenig lesen, damit er etwas über die Realität in Lateinamerika lernt." Er fordere nichts anderes als Respekt für sein Land. "Wir können die Auferlegungen des US-Imperiums nicht länger hinnehmen", sagte er.

In der Amtszeit von US-Präsident George W. Bush hatten sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern massiv verschlechtert. Chavez hatte den US-Botschafter des Landes verwiesen und seinen Botschafter aus Washington abgezogen. Im kommenden Monat sollen Obama und Chavez bei einem Gipfeltreffen amerikanischer Staats- und Regierungschefs aufeinandertreffen.

(AP, N24)

23.03.2009 07:25 Uhr

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