SPD-Landesvize Frank Walter gehörte zu den vier Abweichlern, die Andrea Ypsilantis Sturz in Hessen verursachten. Jetzt bekommt er die Quittung: Für zwei Jahre ruhen seine Mitgliedsrechte.
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Gegen den früheren SPD-Landesvize Jürgen Walter ist eine Parteistrafe von zwei Jahren verhängt worden. Für diese Zeit sollten seine Mitgliedsrechte eingeschränkt werden, teilte die Schiedskommission des SPD-Unterbezirks Wetterau offiziell mit. "Die Rechte des Antragsgegners aus seiner Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ruhen für die Dauer von zwei Jahren mit Ausnahme seines Antrags- und Stimmrechts in der Mitgliederversammlung des für ihn zuständigen Ortsvereins", lautet der Spruch. Walter hatte sich wie drei anderen SPD-Abgeordnete im November 2008 geweigert, die damalige Vorsitzende Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin einer rot-grünen Minderheitsregierung zu wählen.
Gegen die Entscheidung ist eine Berufung vor der Schiedskommission des SPD-Bezirks Hessen-Süd möglich. Eine Stellungnahme zu der Entscheidung der Unterbezirks-Schiedskommission lehnte die SPD Hessen-Süd am Montag ab. Vorher müsse nach die Begründung zu dem Schiedsspruch abgewartet werden, erklärte ein Sprecher. Die werde noch in dieser Woche erwartet. Walter war ebenso wie sein Rechtsbeistand Mathias Metzger am Montag zunächst nicht zu erreichen.
Der ehemalige SPD-Vize hatte allerdings schon vor der Verhandlung der Schiedskommission des Unterbezirks angekündigt, er werde keine Sanktionen hinnehmen und gegebenenfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Sein Rechtsanwalt hatte am Samstag erklärt, er sei sich zu 99,9 Prozent sicher, dass der frühere Fraktionschef im Landtag Rechtsmittel einlegen werde.
Art und Weise stieß bei Genossen auf Kritik
Insgesamt 16 Parteigliederungen wie Unterbezirke, Arbeitsgemeinschaften und der Bezirk Hessen Süd hatten das Parteiverfahren gegen Walter angestrengt. Die Kritik bezog sich nicht nur darauf, dass Walter zusammen mit den Abgeordneten Dagmar Metzger, Silke Tesch und Carmen Everts die Wahl Ypsilantis und eine rot-grüne Minderheitsregierung verhindert hatte. Auch die Art und Weise, wie Walter, Tesch und Everts handelten, hatte viele Parteimitglieder empört.
Am 1. November hatte ein Parteitag in Fulda Ypsilantis Marschroute zur Macht mit überwältigender Mehrheit gebilligt. Walter hatte sich in Fulda zwar offen gegen den rot-grünen Koalitionsvertrag gestellt, weil er Arbeitsplätze gefährdet sah. Zur Frage, ob er Ypsilanti im Landtag zur Ministerpräsidentin wählen würde, antwortete er, dazu habe er alles gesagt. Zuvor hatte er mehrfach erklärt, er werde Ypsilanti bei einem entsprechenden Parteitagsvotum unterstützen. Er hatte aber auch immer wieder die für eine rot-grüne Minderheitsregierung nötige Zusammenarbeit mit der Linken kritisiert.
Am 3. November und damit nur einen Tag vor der geplanten Wahl Ypsilantis traten Walter und die andere Rebellen vor die Presse und teilten mit, sie würden der Parteivorsitzenden die Stimme verweigern. Metzger hatte das schon im März erklärt, im Gegensatz zu Walter, Tesch und Everts gab es gegen sie kein Parteiverfahren.