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WM-Quali in Wales

Löw-Team muss eine Schippe draufpacken

Dem Spiel gegen Wales soll ein entspannter Sommer für die deutschen Kicker folgen. Dazu müssen drei Punkte her - ein erholsamer Spaziergang steht Ballack und Co. aber nicht bevor.

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Er ist hochmotiviert - und versucht das auch seinen Kickern zu vermitteln: Joachim Löw, hier beim Abschlusstraining in Cardiff, fordert gegen Wales vollen Einsatz.
Video: WM-Qualifikation - DFB-Elf will Tabellenführung verteidigen
Video: WM-Qualifikation - Im Gespräch: Uli Köhler in Cardiff
Video: Fußball: WM-Qualifikation - Volle Konzentration auf Wales
Die Fußball-Nationalmannschaft will 2010 zur Fußball-WM nach Südafrika. Im fünften Qualifikationsspiel musste die Ballack-Elf daher in Leipzig gegen Liechtenstein ran.
Deutschland und das Fürstentum trafen im Leipziger Zentralstadion auf einander, das zwar 1954 für 100.000 Menschen errichtet wurde, seit dem Umbau im Jahr 2004 aber "nur" noch 44.000 Zuschauer fasst.
Bereits am Freitag nahm das DFB-Team den Leipziger Rasen genau unter die Lupe. Trainer Jogi Löw schwor die Jungs um Kapitän Ballack noch einmal darauf ein, auch gegen den vermeintlich leichten Gegner alles zu geben.
Anschließend war Training angesagt: Piotr Trochowski und Marcell Jansen sprinten um die Wette.
Auch Stefan Kießling, Lukas Podolski und Patrick Helmes machten sich noch einmal fit für das Match.
Und Keeper Robert Enke durfte sich noch einmal richtig ins Zeug legen. Immerhin war nicht sicher, ob er gegen Liechtenstein überhaupt jemals gefordert wird.
Trainer Jogi Löw im Gespräch mit Kapitän Michael Ballack: Der freut sich sichtlich auf die Partie gegen die Steueroase.
Vorfreude war kurz vor der Partie auch aus den Gesichtern der Fans zu lesen, ...
selbst wenn sie gar nicht aus Deutschland stammten.
Anpfiff zum Match: Der Vizeweltmeister von 2002 und Dritte von 2006 gegen die Elf aus dem 35.000-Einwohner-Zwergstaat, die bisher nur gegen ein anderes Fürstentum siegen konnte - Luxemburg.
Die Deutschen hatten sich die Ermahnungen des Trainers offenbar zu Herzen genommen und gingen offensiv ins Spiel.
Bereits in der vierten Minute nahm der Kapitän persönlich den Liechtensteiner Kasten ins Visier -Treffer! Das 1:0 für Deutschland.
Michael Ballack im Freudentaumel, das Zentralstadion tobt.
Nur wenig später erneut Grund zum Jubeln: Auch Marcell Jansen (9.) trifft den Kasten der Liechtensteiner.
Die deutschen Kicker sind in Hochstimmung. Der Auftakt zum Schützenfest?
Auch bei den Fans kommt der frühe Doppelschlag gut an. In der ersten Halbzeit sollte es jedoch dabei bleiben.
Die deutschen Kicker schalteten sichtlich nicht nur einen Gang zurück. Trainer Joachim Löw sah man die Unzufriedenheit an.
Auf dem Weg in die Halbzeitpause rechneten die Ballack-Jungs offenbar bereits mit der Standpauke des Trainers.
Die nahm sich das Team offenbar auch zu Herzen. Deutlich offensiver setzten sie das Spiel in der zweiten Halbzeit fort.
Diese spielte sich fast ausschließlich vor dem Liechtensteiner Tor ab. Deutschlands Keeper Robert Enke war nie ernsthaft gefordert.
Bei Peter Jehle, seinem Kollegen aus Liechtenstein, war das anders.
Bastian Schweinsteiger versenkte das Leder in der 48. Minute erneut im Tor der Gäste.
Nur vier Minuten später konnte Lukas Podolski noch eins drauf setzen und erzielte den 4:0-Endstand.
Nach dem Schlusspfiff sah man es Michael Ballack an: Der Pflichtsieg war geschafft, das Schützenfest fand jedoch leider nicht statt.

Die eigenen Ansprüche untermauern, Russland in Schach halten und Mario Gomez aus dem Tal der Tränen holen: Nach dem wenig aussagekräftigen Warm-up beim 4:0 gegen Liechtenstein hat sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft für das richtungweisende WM-Qualifikationsspiel in Wales am Mittwochabend eine Menge vorgenommen.

"Natürlich wollen wir gewinnen und unsere Ausgangsposition erfolgreich verteidigen", sagte Joachim Löw einen Tag vor dem Match in Cardiff, wo der Vize-Europameister die Weichen für die kommenden Monate stellt. Zugleich warnte der Bundestrainer aber davor, den Gegner nach dessen 0:2 am vergangenen Samstag gegen Finnland zu unterschätzen. "Wales hat zwar nur noch eine theoretische Chance auf die WM-Teilnahme. Aber wenn Briten in ihrem Stolz und ihrer Ehre verletzt sind, dann sind sie besonders gefährlich", verwies er auf die besondere Mentalität des Gegners.

Mannschaft muss sich "brutal" einsetzen

Der 49-Jährige rechnet im 74.500 Zuschauer fassenden Millennium-Stadion, in dem nach der Pleite gegen die Finnen nur rund 40.000 Besucher erwartet werden, gegen einen hochmotivierten Gegner mit einem knallharten "Abnutzungskampf" mit "brutalem körperlichen Einsatz". Deshalb verlangt er von seinen Akteuren "hohe Laufbereitschaft, ein ausgeprägtes Zweikampfverhalten und unbedingten Einsatzwillen."

Der Bundestrainer ist aber überzeugt davon, dass seine Mannschaft vier Tage nach dem Spaziergang gegen Liechtenstein in Leipzig noch zulegen kann. "Wir wissen um die Gefährlichkeit des Gegners und die Bedeutung des Spiels, werden entsprechend auftreten", erklärte Löw, der auch in Cardiff auf den seit 13 Spielen und 643 Spielminuten glücklosen Mario Gomez setzt.

Löw hält um glücklosen Gomez fest

"Er macht einen ganz gefestigten Eindruck. Er ist absolut positiv und wirkt nicht niedergeschlagen", berichtete Löw nach einem längeren Gespräch mit dem Stuttgarter Stürmer, der die Dienste von DFB-Psychologe Hans-Dieter Hermann nicht in Anspruch genommen hat. Der Bundestrainer verwies zudem noch einmal auf die vielen guten Ansätze, die Gomez gegen Liechtenstein gezeigt habe, und stellte klar: "Wir zweifeln nicht an ihm und stärken ihm den Rücken. Wir brauchen Mario auf dem Weg zur WM und werden ihn nicht nur an Toren messen."

Gegen einen Kontrahenten, der es in der Vergangenheit der deutschen Mannschaft oftmals sehr schwer gemacht hat, würden Gomez-Tore enorm helfen. Denn nur mit einem Sieg würde die DFB-Auswahl sicherstellen, dass sie einen ruhigen Sommer verbringt und als Gruppenerster in den heißen Herbst startet. Denn während Deutschland (13 Punkte) in der WM-Qualifikation erst wieder am 12. August bei Außenseiter Aserbaidschan mit dem früheren Bundestrainer Berti Vogts auf der Bank gefordert ist, kann Russland (9 Punkte) am 10. Juni in Finnland noch Boden gutmachen.

Ballack braucht keinen Extra-Nervenkitzel

Nur der Tabellenerste qualifiziert sich direkt für die WM-Endrunde 2010 in Südafrika, der Zweite muss im November zwei Play-off-Spiele bestreiten. Die Russen spielen am Mittwoch beim noch torlosen Schlusslicht Liechtenstein und haben am 10. Oktober im möglicherweise entscheidenen Match um den Gruppensieg Heimrecht gegen Deutschland.

"Wir wollen uns ohne Umwege für die WM qualifizieren", betonte Michael Ballack, der 2001 bereits die nervenaufreibende Play-off-Prozedur auf dem Weg zur WM 2002 in Japan und Südkorea miterlebt und mit drei Treffern in den beiden Spielen gegen die Ukraine (1:1, 4:1) zu einem glücklichen Ende beigetragen hatte. Deshalb fordert der DFB-Kapitän ebenfalls am Mittwoch einen Sieg, weiß aber auch: "Wales wird kein Spaziergang."

Angeschlagener Jansen muss um Einsatz bangen

Dies sieht Löw genauso, angesichts der noch präsenten Niederlagen gegen England (1:2) und Norwegen (0:1) baute er aber schon einmal vor. "Eine Qualifikation ist wie ein Marathon. Es gibt immer mal Phasen, in denen man sich durchbeißen muss. Das Wales-Spiel ist möglicherweise so eine Phase", meinte der Bundestrainer. Falls es mit den drei Punkten nicht klappen sollte, würde die Welt aber auch nicht untergehen: "Wenn wir ein Unentschieden erreichen, ist das nicht das Ende der Qualifikation. Selbst wenn wir nicht gewinnen, haben wir noch gute Aussichten. Denn ich gehe nicht davon aus, dass Russland alle Spiele gewinnt."

Personell steht nur hinter dem Einsatz von Marcell Jansen ein Fragezeichen. Der Hamburger fehlte beim Abschlusstraining wegen eines grippalen Infekts. Die Entscheidung über einen Einsatz soll erst am Mittwoch fallen. Für ihn stünde sein Mannschaftskollege Piotr Trochowski, der das Siegtor im Hinspiel erzielt hatte, als gleichwertiger Ersatz parat, so Löw. Ansonsten denke er über die ein oder andere Änderung in der Starformation nach, obwohl es grundsätzlich dafür keine Notwendigkeit gebe.

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung: Enke - Hinkel (Beck), Mertesacker, Tasci, Lahm - Schweinsteiger, Ballack, Hitzlsperger, Trochowski (Jansen) - Gomez, Podolski.

(dpa, N24)

31.03.2009 21:05 Uhr

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