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Affenscharf

Schimpansen-Forscherin Jane Goodall feiert

Ihre Vorträge beginnt sie mit "Uch, uch, uch, uch-uuuh": Jane Goodall. Die "Botschafterin der Menschenaffen" wird 75. Ein Ruhestand kommt für sie aber erst in Frage, "wenn die Welt gerettet ist".

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Jane Goodall widmete ihr Leben und ihre Energie den Affen. Jetzt wird sie 75 Jahre alt. Gratulation!
Sensationsnachrichten aus dem Kongo: Tief in den Wäldern leben mehr als 125.000 Flachlandgorillas, die bislang in keiner Bestandsliste geführt waren.
Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass es nur mehr 100.000 Exemplare gibt. Wie andere Gorillaarten sind sie von Aussterben bedroht.
Die auch als Westliche Gorillas bekannten Tieren sind sonst meist nur in Zoos, wie hier in Heidelberg zu bewundern.
Die Artenschutzgemeinschaft, International Union for Conservation of Nature (IUCN), führte die Art als besonders bedroht (Bild: Zootiere in Leipzig).
Doch die Flachlandgorillas sind nicht die einzigen Affen, deren Existenz in Gefahr ist. Die Berggorillas, hier in den Wäldern Kongos, kommen auf eine Population von nur noch 700 Stück.
Touristen werden, wie hier in Ruanda, immer wieder nah an die Berggorillas herangeführt. Ein zweischneidiges Schwert: So erhöht man die Aufmerksamkeit für die bedrohten Tiere, gewöhnt sie aber auch an Menschen, die ihre größte Bedrohung darstellen.
Nur noch 10.000 bis 50.000 Exemplare gibt es von diesen fröhlichen Gesellen: Die Bonobo leben in tropischen Tieflandregenwäldern von bis zu 1.500 Metern (Zootier in Frankfurt/Main).
Auch sie sind in Regionen der Demokratischen Republik Kongo beheimatet. Diese beiden leben allerdings im Zoo Frankfurt/Main.
Artverwandt mit den Bonobo sind die Schimpansen. Sie gelten als die nächsten noch lebenden Verwandten der Menschen. Auch sie sind stark gefährdet.
Wonach diese bedrohte Affenart benannt ist, ist leicht zu erkennen. Von den auf Borneo lebenden Nasenaffen gibt es nur noch etwa 250.000 Stück.
Auf der selben Insel beheimatet sind die Borneo-Orang-Utans. Ihr malaiischer Name bedeutet übersetzt "Waldmensch", von ihnen gibt es nur noch 55.000 Individuen.
Noch schlimmer ist es um die Sumatra-Orang-Utans bestellt. Von ihnen gibt es nur noch 7.300 Stück (Bild: Zootier in Miami). Wenn die Menschen nicht bald etwas unternehmen, werden sie bald nicht mehr existieren.
Jetzt beginnt auf Prince Edward Island in Kanada wieder die offizielle Robbenjagd, bei der von der kanadischen Regierung 275.000 Tiere zum Töten freigegeben worden sind.
Diese Robbe wird in diesem Jahr wohl verschont bleiben: Jungtiere dürfen erst getötet werden, sobald sie ihr weißes Fell wechseln.
Die „Regularien“ des Gemetzels sind zwar verschärft worden, so müssen die Jäger durch drei unterschiedliche Tests vor der Häutung den Tod des Tieres garantieren:
Sie sollen den sogenannten Blinzelreflex testen, die Zerstörung der Schädeldecke prüfen und eine Schlagader durchtrennen, um die Robbe ausbluten zu lassen.
Tierschützer vom Internationalen Tierschutz-Fond (IFAW) argumentieren aber, dass die Regeln bei der Robbenjagd bisher kaum beachtet werden. Die verletzten Tiere werden demnach an Stahlhaken zu Sammelstellen gezogen….
… hier gehäutet und häufig erst anschließend getötet.
Vor der kanadischen Botschaft in Berlin protestieren schon 2007 Tierschützer gegen die Robbenjagd mit Pickel, Kunstblut und Eis.
Einige legen sich fast nackt und mit Kunstblut überströmt vor die kanadische Vertretung
Die Jäger verfolgen Robben mit kleinen, wendigen Booten durch das Packeis.
Auf den Eisschollen ruhen sich die Robben häufig mit ihren Jungtieren aus. Die arglosen Säuger ergreifen selten die Flucht und sind so leichte Beute für die Jäger.
Abnehmer für die Seehundprodukte sind Norwegen, Russland und China. Die EU hat den Import des weißen Fells von Robbenbabys 1983 verboten. In Deutschland werden seitdem kaum noch Robbenfelle gehandelt.
Auch in diesem Jahr werden die Proteste gegen das abschlachten der jungen Robben wohl ohne Konsequenzen bleiben.
Die Tierrechtsorganisation PETA kämpft seit 1980 für das Recht auf Leben von Tieren.
Ingrid Newkirk ist die Gründerin von PETA (= People for the Ethical Treatment of Animals). Die Organisation finanziert sich über Spendengelder, um ihre häufig krassen Kampagnen zu finanzieren.
PETA – Aktivistinnen demonstrieren vor dem Europäischen Parlament in Brüssel gegen Stierkampf in Spanien.
Parodie auf den Stierlauf in Pamplona: Seit 2002 veranstaltet PETA zwei Tage vor der Stierjagd einen Nacktlauf.
Indische Models kleiden sich à la Lettuce Lady und Broccoli Boy. Sie sprechen sich in der Aktion für vegetarische Ernährung aus.
"Latex in – Leather out": Um ein schickes Lederoutfit tragen zu können, werden Tiere misshandelt und getötet. Für Latex statt Leder demonstrieren diese PETA-Mitglieder in Hongkong.
Ein Ziel erreichte die PETA fünf Jahre nach der Gründung: 1985 wurde das Tierschutzgesetz verabschiedet. Die Aktivisten und Aktivistinnen …
… zeigen bei den Kampagnen immer viel Haut, …
… abstoßende Tierhaltung …
… und immer: jede Menge (Kunst-)Blut.
Dieses als Kellner verkleidete PETA-Mitglied steckt einer Aktivistin einen Schlauch in den Mund, der mit Mais gefüllt ist. Die Aktivistin ist durch ihre Fesseln völlig wehrlos …
… und lässt sich den Trichter so lange in den Mund stopfen, bis ihr scheinbar Blut aus Mund rinnt. Die Aktion: Kampf gegen die Produktion und Verkauf von Gänsestopfleber.
Unterstützt wird die Organisation von vielen Stars. Darunter: Sängerin Pink.
Vor allem die Aktion gegen Pelztierhaltung wurde von Berühmtheiten unterstützt. Die US-amerikanische Schwimmerin und Goldmedaillen-Gewinnerin Amanda Beard …
… und auch die japanische Schauspielerin Aya Sugimoto würden eher nackt gehen, als sich in Pelze zu kleiden.
Pamela Anderson ist schon lange PETA-Mitglied und wirbt auf diesem Plakat in einem Kohlblatt-Bikini für die vegetarische Ernährung.
Auch Dennis Rodman …
… und Schauspieler Steve-O zeigen sich nackt.
PETA kämpft gegen Pelztierhaltung – und deshalb auch gegen die aus Bärenfell hergestellten Mützen des Wachregiments vor dem Buckingham-Palast in London.
Die Organisation kümmert sich auch um streunende Hunde und Katzen, verpflegt diese und nimmt sie auf, bis sie ein neues Zuhause finden.
Extrem misshandelte und leidende Tiere, die kein neues Zuhause finden, werden von Tierärzten unter Beobachtung von PETA eingeschläfert.
Gegen den Fleischverzehr, …
… die Tötung und die Jagd von Tieren, …
… Massentierhaltung und …
… das Angeln demonstriert PETA immer wieder mit Aufsehen erregenden Aktionen.
Sie sind für eine tierfreundliche Welt, in der das Tier nicht für menschliche Zwecke benutzt wird und leiden muss.
"Gekocht werden tut weh“ oder "Fischen tut weh" sind noch harmlose Banner-Sprüche der Aktivisten.
PETA versucht es auch so: Es ist altmodisch, Tiere als Kleidung, Möbelstücke oder sogar Schmuck zu benutzen.
Auch Großkonzerne werden regelmäßig von PETA attackiert: Darunter McDonald’s, Burger King …
… und immer wieder: Kentucky Fried Chicken.
Mitarbeiter von PETA schmuggeln sich als Angestellte in Labore, Zoos, …
... Zirkusse und auf Bauernhöfe ein, um dort…
… in monatelanger Arbeit Tierquälerei aufzudecken und dagegen anzugehen.
Die unmenschliche Tötung von Hühnern für Chicken McNuggets ...
... Chickenburger und Co. wird mit harten Aktionen seitens PETA angeprangert.
Auch Deutsche unterstützen die Organisation: Hier Dirk Bach am übergroßen PETA-Erdbeerkuchen mit Désirée Nosbusch und Chrissie Hynde.
Weltweit hat PETA mehr als 650.000 Mitglieder, die sich für einen ethischen Umgang mit Tieren stark machen.
Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts: "Würden Sie ihre Katze tragen?"
Auch diese Models, darunter Naomi Campbell, sprechen sich gegen Tiertötung und Pelzproduktion aus. Naomi war jahrelanges PETA-Mitglied, …
… bis sie hinausgeworfen wurde: Bei einer Modenschau trug sie Pelz – damit hatte ihre Aktivistenzeit ein Ende.
Das australische Model Imogen Bailey: Ebenfalls Anti-Pelz-Aktivistin.
Mit der Aktion "Holocaust on Your Plate" verglich PETA die Massentierhaltung mit Bildern von Juden, die in Konzentrationslager transportiert wurden. Ingrid Newkirk sagte: "In KZs starben sechs Millionen Juden, …
… aber sechs Milliarden Hühner werden beim Schlachter enden, um als Brathähnchen verkauft zu werden.“ Diese Models sprechen sich auch für Tiere und gegen die Haltung dieser in Zoos aus.
Diese Aktivisten führen die abschreckende und blutige Abschlachtung von Robben vor.
PETA versucht sogar Städte zu überreden, ihre Namen zu ändern: Darunter Hamburg. Hier wurde der Name "Veggieburg" vorgeschlagen. Auch für Fischen (Stadt im Allgäu) gab es einen neuen Namensvorschlag: Wie wär's mit "Wandern".
Aktivistinnen sperren sich häufig in Käfige, …
… oder legen sich nackt auf die Straße, um das Leiden der Tiere zu verdeutlichen.
Wo PETA auftaucht, sind immer viele Menschen, um sich die Aktionen und Kampagnen anzusehen.
Trotz – oder gerade wegen – der krassen Sprüche und skurrilen Auftritte der Aktivisten sollte man manchmal vielleicht darüber nachdenken …
… was der Mensch dem Tier antut.

Als etwa zehnjähriges Mädchen schwärmte sie für Tarzan, der unter Affen aufwuchs. Und sie war eifersüchtig auf Tarzans Gefährtin Jane, mit der sie auch noch den Vornamen teilte. Sie wollte unbedingt in den Urwald und Bücher über Tiere schreiben. "Jeder lachte über mich", erinnert sich Jane Goodall an ihre Kindheit in England. Heute lacht niemand mehr über die britische Forscherin. Sie machte ihren Traum wahr, revolutionierte die Affenforschung und wurde mit ihren jahrzehntelangen Studien zum Verhalten der Schimpansen zur renommiertesten Expertin für die nächsten lebenden Verwandten des Menschen. An diesem Freitag feiert Jane Goodall ihren 75. Geburtstag.

Zwischen dem Schwärmen für Tarzan und der Ankunft in Afrika verging noch ein gutes Jahrzehnt. Als 23-Jährige kam Goodall, die mittlerweile als Sekretärin und Kellnerin arbeitete, auf Einladung eines Freundes nach Kenia. Im Nachtbarland Tansania traf sie den berühmten Paläoanthropologen Louis Leakey, der den fossilen Überresten der ersten Menschen auf der Spur war. Leakey wollte mehr über die Menschenaffen wissen und beauftragte Goodall mit dem Studium der Schimpansen.

"Uch, uch, uch, uch-uuuh",

Damit hatte Goodall ihre Berufung gefunden. Sie beschrieb erstmals die sozialen Kontakte und Hierarchien der Schimpansen. Sie entdeckte, dass diese keineswegs nur glücklich und zufrieden im Wald lebten, sondern dass es unter ihnen neben Lust und Liebe auch Rache und Krieg gab. Und sie zeigte, dass Schimpansen Werkzeuge anfertigen und benutzen, um beispielsweise Ameisen aus Baumstämmen herauszuholen - eine Fertigkeit, die man bis dahin nur den Menschen zubilligte.

Dabei sieht sie nicht aus wie eine Frau, die die meiste Zeit ihres Lebens unter Affen verbracht hat. So zierlich wie in ihrer Jugend ist sie auch im Alter geblieben. Auch die einst blonden Haare trägt sie - inzwischen ergraut - immer noch zum Pferdeschwanz gebunden. Jane Goodall wirkt zart, beinahe zerbrechlich. Unvorstellbar, dass diesem Körper ein markerschütternder Schrei entfahren kann. Aber wahr: Ihre Vorträge beginnt sie gerne mit einem kehligen "Uch, uch, uch, uch-uuuh", das erst tief beginnt und dann immer höhere Tonlagen erreicht - der Ruf, mit dem Schimpansen untereinander Kontakt halten.

Und obwohl sie ohne Studium an der Universität von Cambridge als Doktorandin zugelassen wurde und dort glanzvoll promovieren konnte, waren ihre ersten Schritte in die Welt der Wissenschaft voll von Hindernissen. Ihr allererster Beitrag für die Zeitschrift "Nature" kam postwendend zurück, weil sie bei ihren beobachteten Affen von "er" und "sie" als Individuum sprach. Als erste Wissenschaftlerin gab sie den Tieren in ihrem Forschungszentrum in Gombe keine Nummer, sondern Namen, wodurch viele Kollegen ihre Objektivität bedroht sahen.

In Rente? Von wegen!

Doch das ist alles Vergangenheit. Seit Jahrzehnten ist Goodall anerkannt - und gefragt als Tier- und Umweltschützerin. Vehement kämpft sie bei Vorträgen gegen die Ausrottung ihrer geliebten Schimpansen und ist dafür trotz ihres Alters unermüdlich in der Welt unterwegs. An Ruhestand verschwendet die "Botschafterin der Menschenaffen" keinen Gedanken. "Ich kann erst in den Ruhestand gehen, wenn die Welt gerettet ist."

(dpa, N24)

02.04.2009 14:24 Uhr

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