Schlichter greifen ein

Fluglotsen-Streik vorerst abgewendet

Die Gewerkschaft der Fluglotsen hatte Streiks nach Ostern angekündigt. Nun hat die Flugsicherung Schlichter eingeschaltet. Damit ist der Streik vorerst vom Tisch - die Planungen laufen aber weiter.

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Der Streik bei den Fluglotsen ist vorerst vom Tisch: Schlichter versuchen nun, auf die Fronten einzuwirken.
Sie galt als "Königin der Lüfte", "schönster Vogel der Welt", schnellstes und teuerstes Flugzeug, als Wunder der Technik und …
… wegen ihrer Form auch als "fliegender Bleistift". Die Rede ist von der Concorde – dem weißen Deltaflügler. Nur 20 Exemplare wurden von dem eleganten Überschallflugzeug gebaut.
Ihr erstes Markenzeichen: die Nase. Sie wurde bei Start und Landung heruntergeklappt, um den Piloten eine bessere Sicht zu ermöglichen.
Das zweite Markenzeichen: die Schallgeschwindigkeit. Die Concorde war mehr als 2.000 Stundenkilometer schnell. Die Klappnase heizte sich …
… dabei auf 127 Grad auf. Folge: Die gut 62 Meter lange Maschine dehnte sich um 14 Zentimeter. Das faszinierende Kapitel …
… der Luftfahrtgeschichte begann vor 40 Jahren. Am Nachmittag des 2. März 1969 hob in Toulouse …
… die Concorde zum ersten Mal ab. Doch nicht nur Technikfreaks waren dem Charme des Jets erlegen, sondern auch Manager und Superstars. Sting (Foto), Elton John und Topmodel Claudia Schiffer sollen darin Platz genommen haben.
Der Rest der Menschheit fieberte derweil bei den Rekordversuchen mit. Gelungen sind folgende: Vom 15. bis 17. August 1995 gelang einer Air-France-Concorde mit 31 Stunden, 27 Minuten und 49 Sekunden der schnellste Flug um die Welt.
Auf der 36.784 Kilometer langen Flugreise konnten die Passagiere je zwei Sonnenaufgänge und -untergänge miterleben.
Eine Concorde der British Airways flog am 7. Februar 1996 von New York nach London in zwei Stunden, 52 Minuten und 59 Sekunden – die halbe Reisezeit einer Boeing 747.
Und: Am 11. August 1999 flogen zwei British-Airways- und eine Air-France-Concorde während der totalen Sonnenfinsternis mit zweifacher Schallgeschwindigkeit mit dem Mondschatten über den Nordatlantik.
So konnten die Passagiere eine drei bis vier Mal längere totale Sonnenfinsternis sehen als die Beobachter am Boden.
Silvestersüchtige nutzten die Concorde, um zwei Mal Neujahr feiern zu können: Ein Mal in Paris und noch einmal in New York.
Auch unter Termindruck stehende Superstars griffen auf die Concorde zurück: So konnte Phil Collins beim Live Aid am 13. Juli 1985 beiderseits des Atlantik auftreten.
Die Concorde war ein Triumph der französisch-britischen Ingenieurskunst. Doch die Konkurrenz schlief nicht. In der Sowjetunion hatte man zur gleichen Zeit eine Maschine entwickelt, die der Concorde ähnelte – die TU 144.
Beide Maschinen verwendeten Delta-Flügel und eine senkbare Spitze. Nur der Triebswerksbau war anders. Westliche Medien witterten Industriespionage. Kurzerhand verpassten sie der TU 144 den Namen "Konkordski".
Doch bis heute konnten diese Vorwürfe nicht bestätigt werden, zumal der Jungfernflug des TU-144-Prototyps am 31. Dezember 1968 noch vor der Concorde im März 1969 stattfand.
Letztlich sollten beiden Typen das gleiche Schicksal erleiden: Die TU 144 stürzte bei der Luftfahrtausstellung 1973 vor laufenden Kameras ab.
Dabei kamen sieben Einwohner der Gemeinde Goussainville und sechs Besatzungsmitglieder ums Leben.
Bei der Flugshow "Hahn in Motion" gastierte die Concorde im Juni 2000 unter dem Kommando von Christian Mary in Deutschland, …
… dem Kapitän des Unglücksflug AF 4590. Im Juli 2000 stiegen 96 deutsche Touristen in Paris in eine Concorde. Ihr Ziel: New York. Dort wollten sie das Kreuzfahrtschiff "MS Deutschland" besteigen.
Doch die Maschine rollte beim Start über ein Metallteil, das ein kurz zuvor abgeflogenes Flugzeug verloren hatte. Es zerfetzte bei einer Geschwindigkeit von 324 Stundenkilometern …
… einen Reifen, dessen Teile gegen die linke Tragfläche geschleudert wurden. Die Schockwellen zerrissen den Tank Nummer 5 von innen, herausströmendes Kerosin entzündete sich.
Kurz darauf ging die Concorde in Flammen auf. Etwa eine Minute taumelte sie in 60 Metern Höhe, dann neigte sie sich nach links und stürzte auf ein Hotel im Pariser Vorort Gonesse.
Alle 100 Passagiere, die vier Besatzungsmitglieder und vier Menschen am Boden wurden getötet.
Es war der Anfang vom Ende. Air France stellte daraufhin den Flugbetrieb ein, die britische Flugaufsicht entzog der Concorde die Flugtauglichkeitsbescheinigung.
Dazu kam, dass der wirtschaftliche Erfolg von Anfang an ausblieb. Schuld war der hohe Kerosinverbrauch. Als der Jet zu Beginn der 70er-Jahre durchstarten sollte, …
… kam es zum ersten Ölpreisschock. Alle Fluggesellschaften bis auf Air France und British Airways stornierten damals ihre Bestellungen.
Zweiter Nachteil: Viele Länder verweigerten damals dem lärmenden Jet den Überflug mit Schallgeschwindigkeit.
Nach einem kurzen Aufbäumen fand der letzte Flug einer Air-France-Concorde am 27. Juni 2003 statt. British Airways beendete die Concorde-Flüge am 24. Oktober 2003.
Für Concorde-Fans begann damit der Run auf Andenken: Bei einer Auktion in Toulouse wurde der Jet portionsweise verkauft – von der Kloschüssel bis zum Fahrwerk.
So ging der Geschwindigkeitsmesser für 26.000 Euro weg, ein 1,5 Tonnen schweres Fahrwerk mit Reifen brachte ebenfalls 26.000 Euro ein.
Aber auch sechs Jahre nach der Ausmusterung lebt der Traum eines Überschall-Passagierflugzeugs weiter. Zurzeit gibt es mehrere Projekte in den USA und Europa. Doch vor Mitte des nächsten Jahrzehnts wird kein Modell aufsteigen.
So lange muss man sich mit den Jets im Luftfahrtmuseum in Sinsheim (Baden-Württemberg) …
… oder in Filton im Südwesten Englands begnügen.
Anstehen für den Abflug: Wer vom Flughafen Atlanta abfliegt, sollte nicht menschenscheu sein - mit 89 Millionen Passagieren im Jahr 2007 ist der Flughafen der derzeit größte der Welt.
Auch auf Platz 2 liegt ein US-amerikanischer Flughafen: Im Gewusel auf dem Chicago O'Hare Airport suchen jährlich gut 76 Millionen Passagiere das richtige Terminal.
Berühmt-berüchtigt: London-Heathrow ist mit 68 Millionen Reisenden pro Jahr der größte Flughafen Europas.
Big in Japan: Der Flughafen Tokio-Haneda ist mit über 66 Millionen Passagieren der viertgrößte der Welt.
Auf Platz 5 folgt der Flughafen von Los Angeles. Unter den jährlich 61 Millionen Fluggästen finden sich natürlich auch viele Hollywood-Stars.
Sieht übersichtlich aus, ist es aber nicht: Auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle verlaufen sich jährlich fast 60 Millionen Passagiere.
Der Flughafen Dallas/Fort Worth liegt mit über 59 Millionen Fluggästen im Weltvergleich auf Platz 7.
Der Frankfurter Flughafen ist mit über 54 Millionen Passagieren der achtgrößte der Welt. Im Fracht-Ranking liegt Frankfurt mit jährlich fast 2,2 Millionen Tonnen auf Platz 9.
Ruhe vor dem Sturm: Der Flughafen von Peking wird zu Olympia sicherlich berstend voll sein. Auch sonst geht es hier wenig beschaulich zu, 2007 flogen hier fast 54 Millionen Reisende ab.
Der zehntgrößte Flughafen Europas liegt in Spanien: Madrid-Barahjas zählte im vergangenen Jahr über 52 Millionen Passagiere.

Mit einer Schlichtung in letzter Minute will die Deutsche Flugsicherung (DFS) einen bundesweiten Streik der Fluglotsen abwenden. Nach der Ankündigung von Arbeitskämpfen durch die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) schalte das Unternehmen am Donnerstag den SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi als Schlichter im Tarifstreit um Betriebsrenten ein, wie die DFS mitteilte.

Damit gilt wieder die Friedenspflicht. Die Gewerkschaft erklärte, während der Dauer der Schlichtung die Streikpläne auf Eis zu legen; die Vorbereitung von Arbeitskämpfen für den Fall des Scheiterns der Schlichtung laufe aber weiter.

Unabhängig von diesem Tarifstreit um Betriebsrenten plant die Gewerkschaft aber auch noch einen Unterstützungsstreik für ihre Mitglieder, die vom Stuttgarter Flughafen beschäftigt werden und dort bereits seit Anfang März im Streik seien. In diesem Konflikt geht es um die Gehälter und Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter der Verkehrszentrale und bei der Vorfeldkontrolle. Dieser Streik könnte bereits vor Ostern starten und würde den Verkehr von und nach Stuttgart treffen, sagte Gewerkschaftssprecher Marek Kluzniak.

Streiks sollen in jedem Fall 24 Stunden vorab angekündigt werden, 25 Prozent der Kapazität bliebe auch im Streikfall aufrechterhalten. In Deutschland gab es noch nie einen offiziellen flächendeckenden Streik von Fluglotsen. Bislang hatte die Gewerkschaft, die ähnlich wie die Vereinigung Cockpit eine Spezialgewerkschaft ist, lediglich einen regionalen Streik in Braunschweig organisiert. In den 70er Jahren hatten allerdings wilde Streiks von Fluglotsen für massive Behinderungen im Flugverkehr gesorgt.

(dpa, N24)

02.04.2009 17:32 Uhr

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