Auftakt zum NATO-Gipfel
Obamas Schulterschluss mit Europa
US-Präsident Obama strebt eine neue Einigkeit im NATO-Bündnis an. Ein Streitpunkt blieb aber auch beim Arbeitsessen zum Auftakt: Die Partner konnten sich nicht auf den neuen Generalsekretär einigen.
US-Präsident Barack Obama sucht den Schulterschluss mit den europäischen NATO-Verbündeten bei der Befriedung Afghanistans und im Kampf gegen den Terrorismus. Gleichzeitig kündigte er kurz vor dem NATO-Gipfel in Straßburg und Baden-Baden eine Initiative für eine Welt ohne Atomwaffen an. Grundsätzlich sprechen sich die USA für eine völlig neue Strategie der Allianz aus.
Auf einen neuen Generalsekretär konnte sich die NATO am Abend nicht mehr einigen. Dies verlautete am späten Abend aus diplomatischen Kreisen. Es werde noch mehr Zeit für die Diskussion am Samstag benötigt. Die Vertagung der Entscheidung ist ein Rückschlag für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie hat zum Auftakt des NATO-Gipfels erklärt, sie rechne mit einer Einigung auf den dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen noch während des Arbeitsessens in Baden-Baden.
NATO-Bewährungsprobe in Afghanistan
Obama forderte indes die Bündnispartner in Baden-Baden unmissverständlich zu mehr Engagement auf allen Ebenen auf: militärisch, zivil und diplomatisch. Deutschland nahm er trotz seines Lobes für den Einsatz der Bundeswehr nicht aus. Es seien verstärkte Anstrengungen "von allen Seiten" nötig, mahnte er. "Der Schwerpunkt in Afghanistan ist aus den Augen verloren gegangen."
Auch Merkel sagte, die NATO habe in Afghanistan eine Bewährungsprobe zu bestehen. "Davon hängt der Erfolg des Bündnisses ab." Sie sicherte Unterstützung zu, nannte aber keine konkreten Beiträge. Allgemein sagte Merkel: "In Afghanistan sind wir in großer Verantwortung." Obama zeigte sich in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Merkel demonstrativ "zuversichtlich", dass auch Deutschland als eine führende europäische Nation ihr Engagement verstärke.
Sarkozy gibt Obama Rückendeckung
Zur neuen Afghanistan-Strategie gehört Obama zufolge unverzichtbar eine bessere Einbeziehung und Unterstützung Pakistans. Dazu gehörten aber "keine Aktivitäten von NATO-Truppen" in dem Land. Es dürfe in Pakistan keine Zufluchtsorte für Terroristen mehr geben. Klar sei: "Wir können in Afghanistan nicht effektiv sein, wenn die Probleme auf der anderen Seite nicht gelöst sind." Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy gab Obama Rückendeckung: "Wir unterstützen vollständig die neue amerikanische Strategie in Afghanistan."
Die USA wollen künftig ihre Strategie am Hindukusch regelmäßig überprüfen und, wenn nötig, rasch anpassen. "Es ist eine schwierige Aufgabe, aber ich bin zutiefst überzeugt, dass wir erfolgreich sein werden", sagte der US-Präsident vor seinem ersten Auftritt im Kreis der Alliierten.
Nach einem Treffen mit Sarkozy, neben Merkel zweiter Gastgeber des Gipfels, forderte Obama von Europa eine massive militärische Aufrüstung im Kampf gegen den weltweiten Terrorismus. Obama sieht die Europäer am Zug, ihre Sicherheitspolitik neu auszurichten. "Wir wollen nicht der Schutzpatron Europas sein, wir wollen der Partner Europas sein", sagte Obama in Straßburg. "Europa sollte nicht denken, dass die USA die Lasten allein schultern können." Terrororganisationen wie El Kaida suchten keine Verständigung, ihr Kampf sei ideologisch motiviert und ziele auf die Tötung unschuldiger Zivilisten. Sarkozy sicherte Zusammenarbeit "Hand in Hand" zu.
Obama: Es ist an der Zeit, sich wieder näher zu kommen
Obama sagte, es habe in den vergangenen Jahren manche Differenzen in den transatlantischen Beziehungen gegeben. Nun sei es an der Zeit, sich wieder näher zu kommen. "Amerika hat sich geändert" - aber es könne nicht dass einzige Land sein, dass sich verändere, schrieb er den Europäern ins Stammbuch.
Obama plädierte dafür, die künftige Rolle der NATO neu zu definieren. "Ich komme nicht mit großen Vorstellungen hierher, ich komme, um zuzuhören und dabei zu helfen, unsere Vision für die Zukunft zu entwickeln." Er erwarte, dass die NATO-Partner Anstrengungen leisteten.
Viel Lob fand der US-Präsident für die Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. "Ich möchte allen Deutschen sagen, wie dankbar wir dafür sind, dass wir einen so außergewöhnlichen Verbündeten haben", sagte er. "Wir betrachten unsere Beziehung zu Deutschland als eine unserer wichtigsten Beziehungen."
(dpa, N24)
03.04.2009 22:54 Uhr









