Merkels Wunschkandidat
Rasmussen neuer NATO-Generalsekretär
Der muslimischen Welt ist der designierte NATO-Chef ein Dorn im Auge. Letztlich gab aber auch die Türkei ihren Widerstand gegen den europäischen Wunschkandidaten Rasmussen auf.
Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen wird neuer NATO-Generalsekretär. Die Türkei gab ihren Widerstand gegen den Wunschkandidaten der Europäer nach heftigem Ringen auf. "Fogh Rasmussen ist der richtige Mann, um die Erneuerung der NATO einzuleiten", sagte der scheidenden Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer zum Abschluss des Jubiläumsgipfels am Samstag in Straßburg.
Die Einigung auf den Dänen kam überraschend. Die Türkei hatte erst im Laufe der Beratungen am Mittag ihren Widerstand gegen Fogh Rasmussen aufgegeben, der wegen der Mohammed-Karikaturen in Teilen der muslimischen Welt als rotes Tuch gilt. Bundeskanzlerin Angela Merkel war die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. "Zum Schluss hat die Kraft gesiegt, Einigkeit zu erzielen", sagte sie. Die Welt stehe vor so vielen Problemen, dass ein Scheitern der Personaldebatte nicht verstanden worden wäre.
Die Kanzlerin hatte schon mit einer Einigung auf Fogh Rasmussen zum Gipfelauftakt am Freitagabend gerechnet. Doch die Türkei lies sich zunächst nicht zur Zustimmung bewegen. Weil auch die Unterstützung der USA nur als halbherzig galt, war in Diplomatenkreisen mit einer Verschiebung der Entscheidung gerechnet worden. Dies wäre ein herber Rückschlag für Merkel gewesen.
Merkel erklärt Afghanistan zu "historischer Bewährungsprobe"
Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte am Samstagmorgen in einem langen Telefonat versucht, den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan für Rasmussen zu gewinnen, und deswegen das Familienfoto auf der Rheinbrücke verpasst.
Auf dem Jubiläumsgipfel zu ihrem 60-jährigen Bestehen stellte sich die NATO geschlossen hinter die neue US-Strategie für Afghanistan. Mit dem neuen Plan von US-Präsident Barack Obama werde "unser Konzept der vernetzten Sicherheit zu 100 Prozent umgesetzt", sagte Merkel. Dies werde stark zur Beschleunigung und Harmonisierung des Einsatzes beitragen.
Obama hat die Entsendung von 21.000 zusätzlichen Soldaten an den Hindukusch angekündigt. Zugleich will er den zivilen Wiederaufbau stärken und Nachbarstaaten wie Pakistan und den Iran in die Lösung des Konfliktes einbeziehen. Merkel hob hervor, dass sich Deutschland mit zusätzlichen 600 Soldaten an der Sicherung der Präsidentenwahl im Sommer in Afghanistan beteiligen werde.
Die Kanzlerin bezeichnete Afghanistan als "historische Bewährungsprobe" für den Nordatlantikpakt. Um sich besser auf die gegenwärtigen Bedrohungen einzustellen, setzte die NATO eine Erneuerung ihrer Sicherheitsstrategie in Gang. Der Gipfel beschloss die Einberufung einer Expertengruppe, die ein neues Sicherheitskonzept erarbeiten soll. Das neue strategische Konzept soll auf dem nächsten NATO-Gipfel beschlossen werden. Die NATO-Staaten betonen, dass die in Artikel fünf festgelegte Beistandspflicht ein "Eckpfeiler der Allianz" bleiben soll.
Kompromiss zwischen Weltpolizei und Territorialverteidigung
Weiter heißt es in dem Dokument, "wir werden die Fähigkeit der NATO stärken, eine wichtige Rolle im Krisenmanagement und der Konfliktbewältigung zu spielen, wo unsere Interessen berührt sind." In der Formulierung findet sich ein Kompromiss zwischen der US-Forderung, die NATO in eine flexible Weltpolizei umzuwandeln, und der Priorität Deutschlands und Frankreichs auf die Verteidigungskomponente für das Bündnisterritorium.
Die 28 Staats- und Regierungschefs bekräftigten ihren Willen, die Zusammenarbeit im NATO-Russland-Rat "so bald wie möglich vor dem Sommer 2009" wieder aufzunehmen. "Trotz unserer gegenwärtigen Differenzen ist Russland von besonderer Bedeutung für uns als Partner und Nachbar", heißt es in der Abschlusserklärung. Die NATO forderte Moskau gleichzeitig auf, den Truppenabzug aus Georgien abzuschließen und die Anerkennung der georgischen Region Südossetien als unabhängiger Staat rückgängig zu machen.
(AP, dpa, N24)
04.04.2009 11:41 Uhr









