Mehr als 150 Tote

Erde bebt in Mittelitalien

Ein schweres Erdbeben hat Mittelitalien heimgesucht. Nach neuesten Angaben verloren mehr als 150 Menschen ihr Leben. Die Suche nach Verschütteten läuft weiter auf Hochtouren.

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Video: Schweres Erdbeben - Mehr als 50 Tote in Mittelitalien
Italienische Rettungskräfte arbeiten sich in fieberhafter Eile auf der Suche nach Überlebenden durch die Trümmer eingestürzter Häuser. In der Nacht ...
... bebte um das Epizentrum L'Aquila die Erde.
Im Zentrum der Rettungsbemühungen: ein eingestürztes Studentenwohnheim, in dem sich ein halbes Dutzend Menschen befinden soll.
"Es ist die schlimmste Katastrophe seit Beginn des Jahrtausends", sagte Guido Bertolaso, Leiter des Zivilschutzes.
Bereits in den vergangenen Tagen gab es mehrfach Erschütterungen in der Region.
Mit bloßen Händen gruben Bewohner und Einsatzkräfte nach Verschütteten - die oft ...
... nur tot geborgen werden konnten.
Der Erdstoß riss die Menschen in der Region Abruzzen in der Nacht um 03.32 Uhr aus dem Schlaf.
"Wir sind beim ersten Zittern aus der Wohnung geflüchtet", berichtet ein Augenzeuge.
Tausende Menschen stehen vor den Trümmern ihrer Häuser.
Agostino Miozzo vom Zivilschutz sagte dem Sender Sky Italia: "Unser Ziel ist es, allen heute Abend ein Dach über dem Kopf zu geben."
Der Zivilschutz sprach von 10.000 bis 15.000 beschädigten Häusern.
Die frühen Morgenstunden ...
... bringen das ganze Ausmaß ...
... der Zerstörung ...
... ans Tageslicht.
Nach Angaben des Bürgermeisters Massimo Cialente wurden auch zahlreiche Häuser ...
... im historischen Kern der Stadt beschädigt.
Die Aufräumarbeiten sind zwar bereits in vollem Gange ...
... die Anwohner der Stadt L'Aquila, in der 70.000 Menschen leben, stehen aber noch immer unter Schock.
Video: Erdbeben in Italien - Am Telefon: Philipp Zahn in Rom

Ein verheerendes Erdbeben hat in Mittelitalien mehr als 150 Menschen in den Tod gerissen. Das teilten die Krankenhäuser der betroffenen Region mit, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Besonders stark geschädigt wurde die Regionalhauptstadt in den Abruzzen, L'Aquila. Nach unterschiedlichen Messungen lag die Stärke des Bebens zwischen 5,8 und 6,2. In dem Gebiet 100 Kilometer nordöstlich von Rom wurden Tausende von Häusern zerstört oder stark beschädigt. 1500 Menschen sind verletzt. Dutzende werden noch vermisst, 70.000 sind obdachlos, schätzte der Zivilschutz. Es war das schwerste Beben in Italien seit November 1980. Damals kamen im Süden des Landes 2570 Menschen um.

Die Erdstöße überraschten die Menschen in der Nacht um 3.32 Uhr. Ganze Wohnblocks in L'Aquila klappten zusammen wie Kartenhäuser. Im historischen Zentrum der Stadt suchten Helfer auch Stunden nach dem Beben in den Trümmern nach Verschütteten. Durch Nachbeben stürzten weitere zuvor bereits beschädigte Gebäude ein. Viele Straßen waren erst nach Stunden erreichbar. Vor den Eingängen zu den Notaufnahmen der Krankenhäuser stauten sich Rettungsfahrzeuge. Augenzeugen berichteten von Überlebenden, die in Decken gehüllt wie in Trance durch die Straßen liefen oder auf den Plätzen und vor Supermärkten campierten. Aber auch erste Plünderer wurden festgenommen.

"Es ist nicht Teil unserer Kultur, in seismischen Zonen der Gefahr angemessen zu bauen", kritisierte der Chef des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (Ingv), Enzo Boschi. So seien Häuser eingestürzt, "die nicht dafür konstruiert worden sind, einen solchen - nicht besonders heftigen - Erdstoß zu ertragen." Dabei habe sein Institut doch eine detaillierte Karte zu der Bebengefahr erarbeitet.

"Die Wand donnerte"

Dass in der Nacht etwas Furchtbares geschehen war, spürten die Menschen auch in anderen Teilen Italiens. Bis nach Neapel und Salerno war das Beben zu spüren. "Ich bin aufgewacht, weil mein Bett gegen die Wand donnerte", berichtete eine Leserin der "Repubblica" aus Rom. "Mir kam es vor wie der Ausbruch des Vesuvs." Eine bei L'Aquila lebende Österreicherin berichtete: "Wir haben wirklich Angst gehabt um unser Leben, dass es so stark kommt, hat niemand ahnen können."

Regierungschef Silvio Berlusconi rief den Notstand aus und sagte eine Reise nach Moskau ab. Er versprach im Erdbebengebiet den Opfern Hilfe. Papst Benedikt XVI. drückte seine tiefe Anteilnahme aus. Er bete vor allem für die toten Kinder und ermutige die Helfer, sagte er. Italiens Zivilschutz-Chef Guido Bertolaso wehrte sich gegen den Vorwurf, Warnungen von Experten in den Wind geschlagen zu haben.

"Schlimmste Ztagödie seit Beginn des Jahrtausends"

Trotz der häufiger auftretenden Erdstöße in den vergangenen Tagen sei nicht absehbar gewesen, wann es zu einem starken Beben kommen konnte, sagte Bertolaso. Zu dem Schluss seien Fachleute gekommen. Bertolaso sprach von der "schlimmsten Tragödie seit Beginn des Jahrtausends." Aus Italiens Opposition wurde der Ruf nach seinem Rücktritt laut. Hintergrund könnten Behauptungen des Forschers Gioacchino Giuliani sein, wonach gezielte Radon-Gasmessungen vor einem solchen Beben warnen könnten. Das bestreiten viele Experten.

Anteilnahme aller Orten

Neben US-Präsident Barack Obama und Papst Benedikt XVI. drückten auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler ihre Anteilnahme aus. Durch das Beben kam auch ein tschechischer Student um. Mehrere griechische Studenten wurden verletzt.

Nach Expertenangaben muss in Mittelitalien im Schnitt alle zehn Jahre mit einem Erdbeben der Stärke 6 und mehr gerechnet werden. Grund sei der Druck Afrikas auf den europäischen Kontinent, erklärte der Direktor der Sektion Erdbebenrisiko und -frühwarnung am Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam, Jochen Zschau. Das schlimmste Erdbeben in der Region ereignete sich laut Zschau im Jahr 1915. Es hatte eine Stärke von 7,5. Etwa 29.000 Menschen kamen ums Leben.

L'Aquila ist das Industrie- und Verwaltungszentrum der Region Abruzzen. Die Stadt hat 70 000 Einwohner. Gegründet wurde der Ort im 13. Jahrhundert vom Staufenkaiser Friedrich II. Touristen schätzen den historischen Stadtkern mit Palazzi, Springbrunnen und Kirchen. Unter den beschädigten Kirchen ist auch die Kathedrale von L'Aquila.

(dpa, N24)

06.04.2009 06:20 Uhr

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