Erdbeben in Italien

Experte: Großbeben alle zehn Jahre

Beben der Stärke 6 und darüber ereignen sich in Italien laut Experten etwa alle zehn Jahre. Besonders prekär: Trotz der Gefahr werden viele Gebäude nicht erdbebensicher gebaut.

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Alle zehn Jahre kommt es in Italien laut Experten zu ähnlich schweren Erdbeben wie das vom Montag mit einer Stärke von 6,2 auf der Richterskala.
Italienische Rettungskräfte arbeiten sich in fieberhafter Eile auf der Suche nach Überlebenden durch die Trümmer eingestürzter Häuser. In der Nacht ...
... bebte um das Epizentrum L'Aquila die Erde.
Im Zentrum der Rettungsbemühungen: ein eingestürztes Studentenwohnheim, in dem sich ein halbes Dutzend Menschen befinden soll.
"Es ist die schlimmste Katastrophe seit Beginn des Jahrtausends", sagte Guido Bertolaso, Leiter des Zivilschutzes.
Bereits in den vergangenen Tagen gab es mehrfach Erschütterungen in der Region.
Mit bloßen Händen gruben Bewohner und Einsatzkräfte nach Verschütteten - die oft ...
... nur tot geborgen werden konnten.
Der Erdstoß riss die Menschen in der Region Abruzzen in der Nacht um 03.32 Uhr aus dem Schlaf.
"Wir sind beim ersten Zittern aus der Wohnung geflüchtet", berichtet ein Augenzeuge.
Tausende Menschen stehen vor den Trümmern ihrer Häuser.
Agostino Miozzo vom Zivilschutz sagte dem Sender Sky Italia: "Unser Ziel ist es, allen heute Abend ein Dach über dem Kopf zu geben."
Der Zivilschutz sprach von 10.000 bis 15.000 beschädigten Häusern.
Die frühen Morgenstunden ...
... bringen das ganze Ausmaß ...
... der Zerstörung ...
... ans Tageslicht.
Nach Angaben des Bürgermeisters Massimo Cialente wurden auch zahlreiche Häuser ...
... im historischen Kern der Stadt beschädigt.
Die Aufräumarbeiten sind zwar bereits in vollem Gange ...
... die Anwohner der Stadt L'Aquila, in der 70.000 Menschen leben, stehen aber noch immer unter Schock.
Video: Beben in Mittelitalien - Dutzende Tote und Verletzte

In Mittelitalien muss nach Expertenangaben im Schnitt alle zehn Jahre mit einem Erdbeben der Stärke 6 und mehr gerechnet werden. "Grund ist - vereinfacht gesagt - der Druck Afrikas auf den europäischen Kontinent", erläuterte der Direktor der Sektion Erdbebenrisiko und -frühwarnung am Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam, Jochen Zschau. Das Beben, das am frühen Montagmorgen Mittelitalien erschütterte, hatte nach Berechnungen des GFZ eine Stärke von 6,2; italienische Experten sprachen zunächst von 5,8.

Das verheerendste Erdbeben in der Region mit rund 29.000 Todesopfern ereignete sich laut Zschau im Jahr 1915, es hatte historischen Angaben zufolge eine Stärke von 7,5. Zuletzt habe es 1997 in Zentralitalien ein ähnlich starkes Beben wie das aktuelle gegeben, damals wurde eine Stärke von 6,4 gemessen. Nach dem jüngsten Beben muss nach Angaben des Experten noch Wochen oder gar Monate mit Nachbeben gerechnet werden. "Diese können durchaus eine Stärke von 5 und mehr erreichen."

Viele Häuser nicht erdbebensicher

Derart schwere Erdstöße wie jetzt in Italien sind laut Zschau auch in Deutschland möglich - wenn auch nicht so wahrscheinlich wie in Italien. "Dass die Erde jetzt in Mittelitalien gebebt hat, bedeutet aber nicht eine erhöhte Gefahr für Deutschland", betonte der Geophysiker. Die Häuser etwa im Raum der gefährdeten Schwäbischen Alb oder der Niederrheinischen Bucht seien zwar sicherer als in Italien gebaut. "Eine Katastrophe wäre bei einem Beben der Stärke 6 aber nicht ausgeschlossen."

Nach Darstellung von Zschau sind viele Häuser in Italien trotz der bekannten Erdbebengefahr keineswegs erdbebengerecht errichtet. "Es ist Aufgabe der Regierung, dies zu ändern, aber auch das Bewusstsein der Bevölkerung muss geschärft werden." Denn leider vergessen die Menschen generell in gefährdeten Regionen schnell die Gefahren, wie er meint. "Wichtig ist, dass sich die Menschen immer bewusst sind, dass sie unter Risiken leben." Vor dem jüngsten Beben habe es bereits Erd-Aktivitäten unter Mittelitalien geben, wie Zschau betonte. "Aber leider weiß man erst hinterher, ob es sich um ein kleines Beben handelt oder eben einen Vorläufer eines größeren Erdbebens."

(dpa, N24)

06.04.2009 10:52 Uhr

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