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Trümmer, Tränen, Ohnmacht

Albtraum für das malerische L'Aquila

Die Katastrophe kam nicht ohne Vorwarnung und dennoch unerwartet. Weite Teile der italienischen Stadt L'Aquila liegen in Trümmern. Darin suchen die Menschen verzweifelt nach Verschütteten.

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Vor einem eingestürzten Haus in L'Aquila warten Bewohner verzweifelt ab.
Italienische Rettungskräfte arbeiten sich in fieberhafter Eile auf der Suche nach Überlebenden durch die Trümmer eingestürzter Häuser. In der Nacht ...
... bebte um das Epizentrum L'Aquila die Erde.
Im Zentrum der Rettungsbemühungen: ein eingestürztes Studentenwohnheim, in dem sich ein halbes Dutzend Menschen befinden soll.
"Es ist die schlimmste Katastrophe seit Beginn des Jahrtausends", sagte Guido Bertolaso, Leiter des Zivilschutzes.
Bereits in den vergangenen Tagen gab es mehrfach Erschütterungen in der Region.
Mit bloßen Händen gruben Bewohner und Einsatzkräfte nach Verschütteten - die oft ...
... nur tot geborgen werden konnten.
Der Erdstoß riss die Menschen in der Region Abruzzen in der Nacht um 03.32 Uhr aus dem Schlaf.
"Wir sind beim ersten Zittern aus der Wohnung geflüchtet", berichtet ein Augenzeuge.
Tausende Menschen stehen vor den Trümmern ihrer Häuser.
Agostino Miozzo vom Zivilschutz sagte dem Sender Sky Italia: "Unser Ziel ist es, allen heute Abend ein Dach über dem Kopf zu geben."
Der Zivilschutz sprach von 10.000 bis 15.000 beschädigten Häusern.
Die frühen Morgenstunden ...
... bringen das ganze Ausmaß ...
... der Zerstörung ...
... ans Tageslicht.
Nach Angaben des Bürgermeisters Massimo Cialente wurden auch zahlreiche Häuser ...
... im historischen Kern der Stadt beschädigt.
Die Aufräumarbeiten sind zwar bereits in vollem Gange ...
... die Anwohner der Stadt L'Aquila, in der 70.000 Menschen leben, stehen aber noch immer unter Schock.

"Lassen Sie mich durch, mein Sohn ist ganz allein zu Hause", bettelt eine Frau die Polizisten vor einem zusammengebrochenen Gebäude an. "Ich wohne dahinten, das Telefon funktioniert nicht!" Hinter den Beamten graben Rettungskräfte fieberhaft nach Überlebenden, Spürhunde sind im Einsatz.

L'Aquila, die malerische Hauptstadt der bergigen Abruzzen-Region in Mittelitalien mit ihren 60.000 Einwohnern, ist nach dem schweren Erdbeben in der Nacht zum Montag Katastrophengebiet. Verstörte Bewohner sind mit dem Koffer in der Hand auf dem Weg aus der Stadt, andere sitzen mit leerem Blick und weißem Staub im Haar am Straßenrand und wissen nicht, was sie tun sollen.

"20 Sekunden reinste Hölle"

Eine Frau schaut auf die Schuttmassen und weint: "Ich komme mir vor wie in einem Film, das kann alles nicht wahr sein", klagt sie, bevor sie weitergeht, "zu einer Freundin, die in einem nicht zerstörten Stadtteil wohnt". Eine andere macht in ihrer Hilflosigkeit die Behörden für ihr Unglück verantwortlich: "Das ist ein Skandal, seit drei Monaten schon hat regelmäßig die Erde gebebt, die Behörden wissen das genau!" schimpft Maria Francesco. "Heute Nacht war es die Apokalypse, 20 Sekunden die reinste Hölle, es hat sehr lange gedauert". Maria Francescos Haus ist zerstört, "es gibt nichts mehr zu retten".

Sie sitzt neben ihrem Auto, das mit zerdelltem Dach und zerborstenen Scheiben am Straßenrand steht. Trotzdem schiebt Maria Francesco ihre Koffer durch das Loch an der Stelle, wo einst die Windschutzscheibe war - sie hofft, dass der Wagen noch fährt und will "so schnell wie möglich" aus L'Aquila fliehen, weil sie Angst vor Nachbeben hat.

Fieberhafte Suche nach Verschütteten

Im Stadtzentrum von L'Aquila mit seinen historischen Gemäuern und steilen Gassen graben dutzende Rettungskräfte in den Überresten eines komplett eingestürzten vierstöckigen Gebäudes. Sie haben schon mehrere Menschen lebend aus dem Schutt gerettet, jetzt hören sie die schwachen Hilferufe einer Frau aus den Trümmern. Mit einem Kran wollen sie das Dach heben, um die Frau zu retten. Weiter die Straße abwärts können vier Studenten nur noch tot aus den Trümmern eines teilweise eingestürzten Studentenwohnheims geborgen werden. Auch das Mittelschiff einer alten Kirche ist zerstört.

Marco und seine Freundin Clara sind um 23.00 Uhr von einem ersten Erdstoß aufgeschreckt worden, um 02.00 Uhr nachts folgte ein weiterer, und sie liefen auf die Straße. "Wir haben eine Weile gewartet, dann sind wir wieder reingegangen. Und das war der Moment, wo alles auf uns eingestürzt ist, ich bin in Unterhosen rausgerannt", berichtet Marco.

"Weiß nicht, was ich tun soll"

Clara hat sich eine Jacke über den rosa Schlafanzug gezogen, Stunden nach dem Beben kann sie das Zittern ihrer Hände noch immer nicht kontrollieren. Sie und ihrer Verlobter sind noch einmal kurz in ihre Wohnung, um Wertsachen zu retten, "aber alles ist zerstört", berichtet sie. "Was uns gerettet hat, ist ein großer Schrank in unserem Schlafzimmer, der die umstürzende Mauer gehalten hat. Sonst wäre alles über uns zusammengebrochen."

Der Student Luigi D'Andrea schlief, "als plötzlich Ziegelsteine auf mich fielen und dann eine ganze Mauer meines Zimmers einstürzte". Eine zweite Wand stürzte ein, Luigi floh durch die Wohnung seiner Nachbarn ins Freie. Von seinem Zimmer bleiben nur noch zwei Wände, Fußboden und Decke sind weggebrochen. "Ich habe großes Glück gehabt, dass ich nicht verletzt wurde", sagt der Student. "Jetzt weiß ich nicht, was ich tun soll, hierbleiben oder weggehen - ich warte."

(AFP, N24, Katia Dolmadjian )

06.04.2009 14:14 Uhr

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