Beichte im Internet

Klicken gegen die Sünde

Mit Gott auf der Datenautobahn: Über eine "gesegnete IP" können sich Gläubige von Sünden reinwaschen. Besonders schwere Fälle stellen sich selbst an den Online-Pranger. Erlösung garantiert?

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Ein Klick und die Sünde ist weg: Beichten im Internet heißt die Alternative zum herkömmlichen Beichtstuhl.
Jedes Jahr verrät "Google Zeitgeist" welche Nachrichten 2008 am wichtigsten waren, welche Bilder am meisten nachgefragt wurden oder welche Begriffe im Kommen sind. Platz 10 der meistgesuchten Personen belegt die schöne Jessica Alba ...
... Platz 9 der weniger attraktive, dafür umso erfolgreichere ehemalige Handyverkäufer Paul Potts.
Auch wenn sie sonst kaum wiederzuerkennen ist - gesucht wird Amy Winehouse wie verrückt. Platz 8 für die skandalträchtige Sängerin.
Ob mit 50stem Geburtstag, Tourauftakt oder Scheidung: Madonna weckt nach wie vor das Interesse der Suchenden. Platz 7 für die Queen of Pop.
Dieser Mann springt nicht wirklich ins Auge. Sein Name steht allerdings für eine viel nachgefragte Modesünde.
Mit Glitzertotenköpfen für Möchtegernrocker landet Ed Hardy auf Platz 6 der meistgesuchten Personen.
Mit der Modelkarriere hat es trotz guter Argumente zwar nicht geklappt ...
... trotzdem gehört Topmodel-Anwärterin Gina Lisa zu den meistgesuchten Personen 2008.
Bushidos Biographie war die Buchsensation 2008. Seither wissen wir auch, dass seine Fans wohl lesen und schreiben können. Zumindest seinen Namen in die Google-Suchmaske eingeben klappt ganz gut. Platz 4.
Nicht erst seit seinem Berlinbesuch im Sommer 2008 bei den deutschen Suchern heißbegehrt: Platz 3 für den neuen US-Präsidenten Barack Obama.
Nicht nur sein überraschender Tod im Januar 2008 machte Schauspieler Heath Ledger zum Zweitplatzierten unter den meistgesuchten Personen.
Sein kurz darauf erschienener Film "Batman - The Dark Knight" wurde zum Blockbuster und zu einem Topsuchbegriff in den USA.
Auch wenn man meinen könnte, man hätte schon alles von ihr gesehen: Die meistgesuchte Person 2008 ist Britney Spears. Bei der Suche nach Büchern ...
... zeigt sich der Deutschen Fähigkeit zum Spagat zwischen Fantasiewelt und harter Realität. In der Top-Ten der meistgesuchten Bücher finden sich neben Phantasy-Schmökern wie "El Secreto" ...
... und "Harry Potter" auch Fachliteratur zum Thema ...
... Controlling oder ...
... Marketing (was im Übrigen die Büchersuche anführt).
Ob Charlotte Roches Skandalbuch "Feuchtgebiete" dem Bereich Ratgeber zuzuordnen ist, ist streitbar. In der Top-Ten der meistgesuchten Bücher spielt ihr Erstlingswerk jedenfalls eine Rolle.
Wenn es um Bücher geht, wird auch der Begriff "Java" häufig gesucht. Allerdings werden die meisten "Googler" nicht nach der indonesischen Insel, sondern vielmehr nach Fachliteratur über die bekannte Programmiersprache suchen.
Der Klassiker unter den Buch-Suchbegriffen: Johann Wolfgang Goethe. Auch ...
... Sinnsuchende finden mit den Begriffen "Bibel" und ...
... "Duden" zum Ziel. Die Deutschen waren aber nicht nur auf der Suche nach Personen und großer Literatur. Unter den zehn meistgesuchten Nachrichten ...
... finden sich EM 2008 (wahrscheinlich war trotz erfolgreichem Timo Boll eher Fußball als Tischtennis gemeint) ...
... oder "Topmodel". Wobei hier fraglich ist, ob der Begriff auch Heidis Quotenauswahl einschließt oder ...
... lediglich richtige Superstars wie Naomi Campbell meint. Ganz vorne mit dabei waren Nachrichten zu ...
... "Deutschland sucht den Superstar". Die Namen der beiden Finalisten Godoj und Maalouf tauchen bezeichnenderweise in keiner Hitliste auf.
Frische Olympia-News aus Peking waren ebenso gefragt wie ...
... Hiobsbotschaften von der Börse ...
... Erfolgsgeschichten aus den USA ...
... die neuesten Trends aus der Hauptstadt Berlin ...
... Fahrplanänderungen der Bahn oder ...
...Neuigkeiten von König Fußball.
Von diesen Begriffen wollten sich die Deutschen 2008 ein Bild machen. Kunstdrucke waren ebenso gesucht wie ...
... Christiano Ronaldo, der nicht nur auf dem Platz ...
... gerne zeigt, was er hat. Viele schöne Bilder von ...
... "Sexiest Woman Alive", Megan Fox, suchten deutsche User im Netz ebenso wie von ...
... Ed-Hardy-Glitter oder Heidis "Germanys Next Topmodel". Ebenfalls bildgewaltig suchten die Deutschen ...
... nach "EM 2008", ...
... "Ostern" ...
...Miley Cyrus ...
... den Jonas Brothers oder Fast-Topmodel Gina Lisa.
Platz 10 unter den absoluten "Top-Suchbegriffen 2008 allgemein" belegt das Telefonbuch.
Platz 9 der meistgesuchten Begriffe geht an "Bild" ...
... Platz 8 belegt Web.de (trotz "Nomen est Omen"). Wissensdurstige googelten ...
... Wikipedia 2008 auf Platz 7.
Bewegte Bilder sind im World Wide Web auf dem Vormarsch. Platz 6 für den Begriff "Video".
Google googlen? Klingt komisch, ist aber so. Der Suchmaschinengigant landet auf Platz 5 der eigenen Liste.
Während mit GMX ein weiterer Online-Akteur in der Top Ten der meistgesuchten Wörter rangiert, geht Platz 3 ...
... endlich wieder an einen Klassiker: Das Wetter. Absolute Topsuchbegriffe in der deutschen ...
... Welt des Googlens sind das Online-Portal Youtube und ...
... das Auktionshaus eBay.
Fabrice Delage ist ein in Szenekreisen bekannter ... (Bild: Fabrice Delage)
… 3D-Künstler, ein Meister des digitalen Fotorealismus ... (Bild: Fabrice Delage)
... und der stimmungsvollen Pixelkunst. (Bild: Fabrice Delage)
Der Franzose ist seit mehreren Jahren ... (Bild: Fabrice Delage)
... als Grafik-Designer tätig. (Bild: Fabrice Delage)
Virtuelle Schönheiten und stimmungsvolle Porträts sind ... (Bild: Fabrice Delage)
... die Lieblingsthemen des Computerkünstlers. (Bild: Fabrice Delage)
Bei der Darstellung kommt es ihm ... (Bild: Fabrice Delage)
... neben dem möglichst lebensechten Aussehen ... (Bild: Fabrice Delage)
... auch auf ein ansprechendes Umfeld, ... (Bild: Fabrice Delage)
... auf interessanten und kreative Details sowie ... (Bild: Fabrice Delage)
... auf das Spiel mit Licht und Schatten an. (Bild: Fabrice Delage)
Entworfen werden die Grafiken unter anderem ... (Bild: Fabrice Delage)
... mit den Spezialprogrammen "Poser" und "Vue". (Bild: Fabrice Delage)
Diese ermöglichen das Modellieren und ... (Bild: Fabrice Delage)
... Gestalten natürlich wirkender, realistischer ... (Bild: Fabrice Delage)
Figuren und 3D-Grafiken. (Bild: Fabrice Delage)
Die Software wird auch im Profibereich eingesetzt, ... (Bild: Fabrice Delage)
... etwa für Spezialeffekte in Spielfilmen. (Bild: Fabrice Delage)
So wurden etwa durch die Special-Effects-Firma ... (Bild: Fabrice Delage)
... "Industrial Light & Magic" Szenen aus "Fluch der Karibik 2" ... (Bild: Fabrice Delage)
... unter Zuhilfenahme von "Vue" verwirklicht. (Bild: Fabrice Delage)
Fabrice Delage kommt es bei seinen ... (Bild: Fabrice Delage)
... virtuellen Porträts vor allem darauf an, ... (Bild: Fabrice Delage)
... ihnen ein ausdrucksvolles und ... (Bild: Fabrice Delage)
... emotionales Antlitz zu verleihen. (Bild: Fabrice Delage)
Dafür spielt er nach eigener Aussage ... (Bild: Fabrice Delage)
... stundelang mit den Einstellungen ... (Bild: Fabrice Delage)
... für Aussehen, Licht und Farben. (Bild: Fabrice Delage)
Seine Mädchen versetzt der Künstler häufig in ... (Bild: Fabrice Delage)
... fantastische oder futuristische Szenen. (Bild: Fabrice Delage)
Er verkleidet sie als sexy Soldatinnen, ... (Bild: Fabrice Delage)
... als kampfstarke Agentinnen, ...(Bild: Fabrice Delage)
... als Science-Fiction-Figuren oder auch ... (Bild: Fabrice Delage)
als Abenteurerinnen a la "Tomb Raider". Damit schafft Fabrice Delage (Bild: Fabrice Delage)
eine gelungene Mischung aus Fantasie und Realismus, aus Wunsch und Wirklichkeit. (Bild: Fabrice Delage)

Zittrige Knie auf dem Weg zum Beichtstuhl, dem Pfarrer beim Geständnis ins Auge blicken? - nein, vielen Dank, das war doch wohl gestern. Beichten im Internet heißt die Alternative, und immer mehr Menschen finden die gar nicht so schlecht. "Es wurde noch nie so viel gebeichtet wie heute", sagt Christian Sieberer, katholischer Pfarrer aus Österreich und im Internet aktiv wie wenige andere seiner Profession. "Das passiert im Internet, im Forum, in Talkshows oder beim Psychiater - aber eben nicht in der Kirche." Online mit Jesus kommunizieren, ist gar nicht schwer, glaubt man Internetseiten wie beichte.de oder beichthais.com. Ein Klick und die Sünde ist weg. Zwischendurch allerdings muss man auf einigen der privat betriebenen Seiten noch gewinnbringende Werbeanzeigen über sich ergehen lassen.

Die Verfehlung eintippen, mit der Maus auf das Feld "Herr, ich habe gesündigt" - und schon geht das ganze über eine "gesegnete IP" gen Himmel. So einfach läuft das Ritual bei der privat betriebenen Seite "beichte.de". Im Hintergrund läuten die Glocken. "Wenn Sie Ihre Verfehlungen wirklich bereuen, wird Ihnen wahrscheinlich vergeben", heißt die letzte Warnung, bevor sich die Message auf den Weg in Jesus Postfach macht. Die Sünden bleiben anonym. Bei "beichthaus.com" hingegen gilt das Prinzip des öffentlichen Prangers.

"Ich (20, männlich) habe in der Cottbuser Fußgängerzone eine Taube mit dem Fahrrad überfahren", gesteht ein "beichthaus"-User in der Kategorie "Gewalt" auf der nach Angaben des Betreibers meistgenutzten Beichtseite Deutschlands. Unter "Boshaftigkeit" wird es dramatischer: "Ich habe einmal einen Aschenbecher aus dem Dönerladen um die Ecke geklaut. Eine Woche darauf hat er zugemacht". Wiederholungstäter sind auch dabei: "Ich muss zugeben, dass ich immer, wenn ich Zeit habe, Fahrschulautos verfolge und bei jeder Kleinigkeit, die der Fahrschüler falsch macht, übertrieben genervt mit den Armen fuchtel und hupe."

Sex, Drugs und Rock'n'Roll

Vielleicht ist mancher Pfarrer gar dankbar, dank der virtuellen Beichtstühle von Sünden solchen Kalibers verschont zu bleiben: "Ich bestelle meinen Nachbarn die Zeugen Jehovas nach Hause. Man kann sie online einladen und sie erscheinen gewissenhaft pünktlich zur gewünschten Zeit." Religiöse Themen werden überhaupt gerne angeschnitten: "Ich unterrichte Religion am Gymnasium und ich bereite nie die Stunden vor. Die Schüler haben genau so viel Lust auf den Scheiß wie ich, also warum sollte ich mir da Mühe geben?" Die beliebtesten Themen sind allerdings weltlich, gerne geht es um Sex, Drugs und den Rock'n'Roll, den Seitensprünge mit sich bringen.

Für die Kirche ist diese Entwicklung wenig erfreulich, sie sieht den Begriff Beichte zum Teil missbraucht. Pfarrer Sieberer selbst kann sich über die witzigen Seiten der Internet-Beichte amüsieren, erkennt aber auch durchaus einen ernsthaften, einen traurigen Trend. Weil viele Menschen niemanden zum Reden hätten, müssten sie sich im Internet Luft verschaffen. "Es ist oft ein Erleichtern, oder aber Selbstdarstellung", erklärt er. Mit dem Original, der Beichte vor einem Pfarrer, habe die Onlinevariante sowieso nichts zu tun. "Sünden werden da garantiert nicht vergeben. Bei vielen dieser Dinge fehlt die Reue, und die ist bei der Beichte das Wichtigste."

Die echte Beichte allerdings ist derzeit alles andere als nachgefragt. Vor allem ältere Menschen gingen noch Beichten, die Jüngeren wüssten aber oft gar nicht, welche Freude und Erleichterung dieses Sakrament mit sich bringe, heißt es in einem Bericht des Bistums Würzburg. Hier hat man sich mit den einschlägigen Internetseiten auseinandergesetzt. Betont wird dabei immer wieder: Nur Gestehen alleine reicht nicht zur Vergebung. Neben der Reue gehört auch der Vorsatz, sein Verhalten wieder gut zu machen und sich zu bessern zu den wichtigsten Voraussetzungen für die Absolution, schreibt Dominic Winkel in dem Bericht.

"beichthaus"-Erfinder Robert Neuendorf hofft, dass die Nutzer seiner Seite sich im Klaren sind, dass das Internet keine Alternative zur echte Beichte sein kann. "Die Beichte im Internet kann ein persönliches Gespräch mit einem Priester nur schwer ersetzen", gesteht der selbstständige Marketing-Kommunikationswirt mit Wohnsitzen in Berlin und Bangkok.

Als der 30-Jährige vor einigen Jahren in den USA auf eine ähnliche Seite aufmerksam wurde, beschloss er, eine deutsche Variante zu gründen. Ein christlicher Anspruch habe allerdings nicht unbedingt dahinter gestanden, gibt er zu. Ein Teil seines virtuellen Beichtstuhls sind auch Werbeanzeigen. Der Erfolg überraschte ihn selbst. Heute werden auf seiner Seite täglich 300 Beichten hinterlassen. "Im Grunde ist das die Essenz für das, was überall im Internet passiert, in Weblogs oder bei Twitter: Die Leute schreiben auf, was sie bewegt. Dabei sind sie anonym. Sie müssen sich nicht trauen, mit jemandem zu sprechen."

(Britta Gürke, dpa, N24)

08.04.2009 06:44 Uhr

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