314-facher Missbrauch

Anklage gegen Musiker Oliver Shanti erhoben

Oliver Shanti ist wegen Kindesmissbrauchs in 314 Fällen angeklagt worden. Der Esoterik-Musiker soll sich an den Kindern seiner Sektenanhänger vergangen haben.

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Der Esoterik-Musiker Oliver Shanti soll sich mehr als zehn Jahre lang an Kindern seiner Sektenmitglieder vergangen haben.

Der selbst ernannte Guru Oliver Shanti muss sich wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft München erhob Anklage gegen den 60-Jährigen, wie Oberstaatsanwalt Anton Winkler sagte und damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" bestätigte. Ihm werde sexueller Missbrauch von Kindern in 314 Fällen zur Last gelegt.

Shanti soll seine Position als Leiter einer esoterischen Kommune in München und später in Portugal systematisch dazu benutzt haben, minderjährige Kinder seiner Anhänger zu missbrauchen. Der Prozess soll nach "SZ"-Informationen Anfang August beginnen. Ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest.

Kinder von Sektenmitgliedern missbraucht

Shanti, der mit bürgerlichem Namen Ulrich S. heißt, war im Sommer 2008 in Lissabon festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden. Seitdem sitzt der gebürtige Hamburger in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in Untersuchungshaft. Seine Gemeinschaft lebte zeitweise im Bayerischen Wald und in München. Shanti soll daneben mit esoterischer Musik viel Geld verdient haben. In den 1980er Jahren zog die Gruppe nach Portugal.

Den Ermittlungen zufolge steht Shanti im Verdacht, sich von 1985 bis 1998 an vier Jungen und zwei Mädchen vergangen zu haben. "Nach unserem Ermittlungsstand war es so, dass er ein hierarchisches System in seiner Sekte aufgebaut hat, bei dem er alle Sektenangehörigen beherrscht hat", sagte Winkler. "Wir vermuten, dass - soweit die Opfer Kinder von Sektenangehörigen waren - die Eltern von diesen Missbrauchstatbeständen Kenntnis gehabt haben könnten."

Sechs Jahre auf der Flucht

Gegen Shanti war schon einmal vor zehn Jahren ohne Ergebnis ermittelt worden. 2002 tauchten weitere Vorwürfe auf. Sechs Jahre fahndeten Interpol und Münchner Zielfahnder dann vergeblich nach ihm, bis er am 27. Juni 2008 bei einem Besuch der Deutschen Botschaft in Lissabon von Mitarbeitern erkannt wurde. Als er das Botschaftsgebäude verließ, griffen die Fahnder der portugiesischen Polizei zu. Bei seiner Festnahme kündigte er an, er wolle zu den Vorwürfen schweigen. Es handele sich um ein Komplott.

(dpa, N24)

20.04.2009 14:35 Uhr

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