Wissenschaftskarriere
Hopp oder top: Lehrstuhl oder Arbeitsamt?
Den klassischen Weg zur Karriere in der Wissenschaft einzuschlagen wird immer schwieriger. Experten raten Nachwuchsforschern, in jedem Fall "Plan B" in der Hinterhand zu haben.
Wer Professor werden will, muss das Risiko lieben. Denn nach abgeschlossenem Studium, Promotion und Habilitation heißt es für viele alles oder nichts - Lehrstuhl oder Arbeitsamt. Jedenfalls gilt das für Nachwuchsforscher, deren einziger Lebenstraum die Professur ist. Karriere in der Wissenschaft kann heutzutage nur machen, wer realistisch bleibt. Und einen "Plan B" in der Hinterhand hat.
"Eine Karriere in der Wissenschaft ist unsicher und lässt sich nur schwer planen", sagt Matthias Jaroch, Sprecher des Deutschen Hochschulverbands (DHV) in Bonn. Die Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl ist die klassische Variante, um eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Positiv sei die Nähe zum Lehrstuhl und der Hochschule. Die Kehrseite: Viel Stress und nur wenig Zeit zum selbstständigen Forschen.
Ohne Netzwerk geht nichts mehr
Der Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter ist aber nicht die einzige Möglichkeit, um in die Forschung einzusteigen. "Auch außerhalb der Universität gibt es Qualifikationsmöglichkeiten - zum Beispiel Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Institute", erklärt Jaroch.
Um ein Abwandern ins Ausland zu verhindern, gibt es Förderungen für Nachwuchswissenschaftler während der Promotion. So fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn circa 250 Graduiertenkollegs. "In diesen Programmen forschen je etwa 15 bis 20 Forschungsstudenten bestens betreut unter dem Dach eines Themas", erklärt DFG-Referentin Anjana Buckow. Zwischen 10 und 20 Prozent der Doktoranden kommen inzwischen in solchen Programmen unter.
Neben wissenschaftlichem Rat können Nachwuchsforscher sich dabei auch soziale Netzwerke aufbauen. "Die Zeiten, in denen Wissenschaftler allein arbeiten, sind vorbei", sagt Karriereberaterin Franziska Jantzen in Hannover. "Beziehungen sind ungeheuer wichtig." Jantzen unterstützt Wissenschaftler bei ihren Zukunftsplänen und weiß, welche Voraussetzungen der angehende Forscher mitbringen muss: "Er sollte Spaß am Tüfteln haben. Außerdem muss er belastbar sein und darf nicht beim ersten Misserfolg aufgeben."
Mehr Anwärter - weniger Professuren
Denn nur ein Bruchteil derer, die eine Professur anstreben, ergattert sie auch. Ist der Doktor in der Tasche, geht die Qualifikation weiter. Der Weg zur Habilitation kann über wissenschaftliche Veröffentlichungen führen oder über eine Juniorprofessur.
Doch mit oder ohne Junior - das Problem bleibt: "Die Zahl der Professuren sinkt, die der Anwärter steigt aber", sagt der DHV-Sprecher. Franziska Jantzen rät daher, nicht zwanghaft am Traum des eigenen Lehrstuhls festzuhalten. "Ein Plan B muss von Anfang an im Hinterkopf sein", so die Karriereberaterin. "Aus den Wirtschaftswissenschaften gehen zum Beispiel viele in die Unternehmensberatung." Auch die Industrie oder die öffentliche Verwaltung stellen mögliche Alternativen dar.
In einigen Bereichen ist auch der Weg von der Industrie zurück an die Hochschule möglich. "Fachhochschulen stellen teilweise sogar die Bedingung, dass ein angehender Professor bereits einige Jahre in dem Beruf, den er lehren möchte, gearbeitet hat", erklärt Jantzen.
(dpa, N24)
28.04.2009 11:55 Uhr





